07.07.2015 | Top-Thema Warenkreditversicherungen: Vor steigenden Risiken in Deckung gehen

Worauf man achten sollte

Kapitel
Verschlechtert sich die Bonität eines Debitors, kann der Kreditversicherer die Limits herabsetzen oder die Deckung streichen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Das letzte Kapitel unseres Top-Themas zeigt, worauf beim Abschluss einer Versicherungen geachtet werden sollte und welche Tücken es gibt.

Manche Policen beinhalten Höchstentschädigungsgrenzen. Damit wird die Leistung des Versicherers auf einen bestimmten Multiplikator zur Jahresprämie begrenzt. Einige Kreditversicherer wollen Zahlungen, die nach Beendigung des Versicherungsschutzes für einen bestimmten Debitor von diesem geleistet werden, mit älteren rückständigen Forderungen verrechnen. Eine solche Klausel ist nach einer BGH-Entscheidung vom 22.01.2014 (IV ZR 343/12) unwirksam. Der Fall: Die Versicherung hatte wegen der Liquiditätsschwierigkeiten eines Lieferempfängers diesen nicht mehr versichert. Weitere Lieferungen erfolgten nur noch gegen Vorkasse oder Barzahlung. Diese Zahlungen wollte die Versicherung auf die alten – rückständigen – Forderungen anrechnen. Der Schadenseintritt muss zeitlich klar definiert sein. Inkasso- oder Insolvenzverfahren können sehr lange dauern. Die Deckungsquote sollte möglichst hoch sein (90 %). Erlöse aus der Beitreibung und der Verwertung einer Lieferung sollten zwischen Versicherer und Versicherungsnehmer nach dem Deckungsprozentsatz aufgeteilt werden (ausgezahlter Schadenersatz zu tatsächlich entstandenem Schaden).

Wichtig: Verschlechtert sich die Bonität eines Debitors, kann der Kreditversicherer die Limits herabsetzen oder die Deckung streichen. Damit stehen die entsprechenden Geschäfte von heute auf morgen wieder im vollen Risiko des Lieferanten.

Als Faustregel gilt: Besonders günstige Versicherungsprämien können mit höheren Kosten an anderer Stelle oder auch mit niedrigen Höchstentschädigungsgrenzen verbunden sein.

Spezialprodukte der Warenkreditversicherung

  • Top-Up-Cover: Über eine Top-Up-Cover-Deckung kann sich der Versicherungsnehmer über einen zweiten Kreditversicherer zusätzlichen Schutz verschaffen. Hierbei werden für die Limits des Erstversicherers Zusatzlimits zur Verfügung gestellt.
  • X/L Police (Excess of Loss Police): Die Excess of Loss Police ist für Unternehmen geeignet, die über ein gut organisiertes eigenes Debitorenmanagement verfügen und Forderungsausfälle erst ab einer bestimmten Höhe absichern wollen.
  • Ziehen von Bürgschaften (Unfair Calling): Dieses Produkt dient der Absicherung von Anzahlungs- und Gewährleistungsbürgschaften gegen unberechtigtes Ziehen. Beispiel: Ein ausländischer Kunde verschiebt sein Projekt; er zieht jedoch die herausgegebene Bürgschaft.
  • Anbieter: Zu den größten Anbietern von Warenkreditversicherungen auf dem deutschen Markt gehören die Atradius Credit Insurance N.V., die Coface Kreditversicherung AG, die Euler Hermes Kreditversicherungs-AG, die R+V Allgemeine Versicherung AG und die Zürich Kautions- und Kreditversicherungs-AG.

Schlagworte zum Thema:  Kredit, Risiko, Forderungsausfall

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