07.07.2015 | Top-Thema Warenkreditversicherungen: Vor steigenden Risiken in Deckung gehen

Mögliche Risiken

Kapitel
Nach der "Free on Board"-Bestimmung aus dem UN-Kaufrecht geht die Kaufpreisgefahr erst dann auf den Käufer über, sobald die Ware in dem benannten Hafen auf das Schiff verladen wurde.
Bild: MEV Verlag GmbH

Liefern Unternehmen Maschinen oder Werkzeuge, geben sie damit ihren Kunden Warenkredite, da Rechnungen meist erst nach einigen Wochen bezahlt werden. Gehen Abnehmer jedoch zwischenzeitlich insolvent, müssen die Forderungen mit hoher Wahrscheinlichkeit abgeschrieben werden. Das 1. Kapitel unseres Top-Themas zeigt weitere mögliche Risiken auf.

Debitorenverluste können dramatische Folgen haben. Fällt beispielsweise eine Zahlung von 100.000 EUR aus, muss – bei einer Gewinnmarge von fünf Prozent – ein zusätzlicher Umsatz von 2 Mio. EUR erwirtschaftet werden, um diesen Verlust auszugleichen.

Die Gründe für Zahlungsunfähigkeit liegen in der Regel in den Bereichen (Miss-)Management und/oder Markt(Problemen). In der globalen Wirtschaft gewinnen noch weitere Risiken an Gewicht. Naturkatastrophen (siehe unser Top-Thema zum Orkantief Niklas) können die Existenz eines Kundenunternehmens ebenso vernichten wie politische Verwerfungen. Beispiele sind die Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten. Aktuell warnen Experten vor Spannungen in Ländern, in denen Demokratiebewegungen auf autoritäre staatliche Strukturen treffen. Länder wie Venezuela, Iran, Mexiko und Russland haben massive wirtschaftliche Probleme aufgrund des gesunkenen Ölpreises. Euler Hermes (EH), einer der führenden internationalen Kreditversicherer, erwartet, dass die Zahl der Firmenpleiten zum Beispiel in Russland im Jahr 2015 um zehn Prozent steigen wird.

Keine „einfachen“ Kundenbeziehungen

Der Forderungseinzug im Ausland gestaltet sich nicht selten äußerst schwierig. In einer dazu von EH im Jahr 2014 durchgeführten Studie schneiden Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate (V.A.E.), Russland und China am schlechtesten ab. Ineffiziente Gerichtsbarkeiten und Korruption verhindern oft ein geregeltes Inkasso; Insolvenzverfahren werden verschleppt und/oder enden ohne finanzielles Ergebnis.

Unter solchen Rahmenbedingungen gibt es längst keine „einfachen“ Kundenbeziehungen mehr. Hinzukommen Vertragsrisiken, denn nicht selten sind wichtige Punkte, wie der Eigentumsvorbehalt oder der Rechts- und Gerichtsstand, nur unzureichend geregelt.

Praxis-Tipp: Die FOB-Falle

Gern übersehen wird die sogenannte „FOB-Falle“ (FOB = Free on Board). Nach dieser Bestimmung aus dem UN-Kaufrecht geht die Kaufpreisgefahr erst dann auf den Käufer über, sobald die Ware in dem benannten Hafen auf das Schiff verladen wurde. Die Verladedokumente (z. B. Frachtbrief mit Herkunftsnachweis) sind Voraussetzung für die Zahlung aus einem Akkreditiv. Bei einer Insolvenz des Abnehmers vor der Verschiffung kann der deutsche Exporteur auf der Maschine sitzen bleiben bzw. sein Geld trotzt Akkreditiv nicht einfordern (siehe auch: Fabrikationsrisiko). Auch solche Risiken lassen sich im Rahmen einer Kreditversicherung abdecken.

Schlagworte zum Thema:  Forderungsausfall, Risiko, Kredit

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