07.07.2015 | Top-Thema Warenkreditversicherungen: Vor steigenden Risiken in Deckung gehen

Ablauf der Versicherung

Kapitel
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Welche Prüfungen im Vorfeld durch den Versicherer durchgeführt werden, wie diese aussehen und was eine Warenkreditversicherung kostet, wird im dritten Kapitel erläutert.

Zu allererst überprüft der Versicherer die Bonität der Debitoren. Dazu nimmt er verschiedene Informationsquellen in Anspruch, zum Beispiel Wirtschaftsauskunfteien oder Bankauskünfte. Große Anbieter betreiben Auskunfteien und Kreditversicherungen sowie weitere Finanzdienstleistungen wie Factoring und Inkasso unter einem Konzerndach. Deshalb sind die Verträge meistens eine Kombination von Versicherungs- und Finanzdienstleistungen.

Nach Feststellung des Risikos gibt der Versicherer eine Deckungszusage, die ein bestimmtes Limit enthält. Bis zu diesem Betrag sind die offenen Forderungen auf Revolving-Basis abgesichert. Jede realisierte Forderung erhöht bzw. jede weitere – hinzugekommene – Forderung senkt den Spielraum jeweils bis zum Erreichen des Limits. Bonitätsabhängig können auch Forderungen in den Versicherungsschutz einbezogen werden, die bis 90 Tage vor Vertragsabschluss entstanden sind.

Der Versicherungsfall tritt in der Regel ein, wenn der Lieferungsempfänger entweder insolvent ist oder über einen längeren Zeitraum als im Versicherungsvertrag festgelegt in Zahlungsverzug gerät. Das Zahlungsziel bestimmt, ab wann ein Ausfall vorliegt – mit anderen Worten: ab wann das Versicherungsunternehmen einen Ausgleich für die entgangene Zahlung leisten muss. Je nach Versicherer und Tarif gelten unterschiedliche Werte, die zwischen 90 und 180 Tagen liegen.

Was kostet die Versicherung?

Die Prämienberechnung erfolgt entsprechend der vertraglichen Vereinbarung auf Umsatzbasis oder auf Saldenbasis. Bei der Umsatzbasis ist die Grundlage für die Berechnung die monatlichen Umsätze des versicherten Kunden. Bei der Saldenbasis wird die Prämie aus der Summe aller am Ultimo eines jeden Monats bestehenden versicherten offenen Forderungen berechnet.

Die Umsatzprämie hat den Vorteil, dass sie auf Basis der Zahlen des vorangegangenen Geschäftsjahres in der Regel für ein Jahr im Voraus kalkuliert werden kann. Bei der Saldenprämie besteht der Vorteil darin, dass der Versicherte nur für Forderungen zahlen muss, die auch tatsächlich bestehen. Dieses Modell ist allerdings arbeitsaufwändig, weil permanent Debitorenlisten übermittelt werden müssen. Für kleinere Unternehmen bieten die meisten Versicherer eine pauschale Versicherungssumme, was den organisatorischen Aufwand begrenzt.

Die Preise variieren stark nach individuellen Kriterien, zum Beispiel nach Branche, dem Anteil des Auslandsgeschäfts und den Zahlungszielen. Lieferungen nach Russland und Griechenland waren zum Beispiel gegen Ende 2014 vorübergehend gar nicht versicherbar. Je nach Produkt liegt die Prämie im Durchschnitt zwischen 2 ‰ und 4 ‰ des Umsatzes. Bei einem Umsatz von 1 Mio. EUR sind folglich zwischen 2.000 EUR und 3.000 EUR fällig.

Praxis-Hinweis

Letztlich sind die Prämien Verhandlungssache. Es empfiehlt sich grundsätzlich, mehrere Angebote einzuholen und die Leistungs-/Kostengerüste im Detail zu vergleichen (siehe Kapitel 4 des Top-Themas). Neben dem Kreditversicherungsvertrag fallen häufig weitere Kosten für Finanzdienstleistungen an, zum Beispiel für Bonitäts- und Limitprüfungen. In den meisten Fällen beauftragt der Versicherte nach der erfolglosen Durchführung des eigenen Mahnverfahrens den Versicherer mit dem Inkasso.

Die Prämien für Warenkreditversicherungen waren in 2014 zwar in der gesamten EMEA-Region rückläufig. Allerdings steigen die Schadensfälle insbesondere in Afrika und einigen Regionen Osteuropas zurzeit stark an. Mit Ausnahme der attraktivsten Risiken wird sich dies nach Expertenmeinung im Jahr 2015 in höheren Prämien niederschlagen.

Das neue Risiko „Insolvenzanfechtung“

Nach Auslegung der Insolvenzordnung durch BGH-Urteile der jüngeren Zeit müssen Lieferanten unter Umständen bereits vor zehn Jahren erhaltene Gelder zurückzahlen, wenn der Abnehmer zahlungsunfähig wird. Insolvenzverwalter fordern solche Zahlungen immer häufiger auch nach solch langen Zeiträumen mit der Begründung zurück, die drohende Insolvenz des Kunden hätte erkannt werden können. Auf diese Situation reagieren die Kreditversicherer mit einem neuem Produkt: einer Insolvenzanfechtungsversicherung, die im Fall eines Falles die angefochtenen Zahlungen ersetzt.

Schlagworte zum Thema:  Forderungsausfall, Kredit, Risiko, Factoring

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