07.07.2014 | Serie Pkw-Nutzung: Welche Varianten Unternehmer wählen können

Was ist beim Vorsteuerabzug und der Umsatzsteuer zu beachten

Serienelemente
Bild: Haufe Online Redaktion

Jeder Unternehmer, der einen Firmenwagen privat nutzt, muss den Wert der privaten Pkw-Nutzung versteuern. Die Sachverhalte müssen sowohl einkommensteuerlich als auch umsatzsteuerlich beurteilt werden. Es ist eine fachliche Herausforderung, den richtigen Betrag als Grundlage für die Besteuerung der  privaten Nutzung zu berechnen, zumal bei Einkommensteuer und Umsatzsteuer unterschiedliche Maßstäbe angesetzt werden.

Die steuerlichen Grundlagen erfahren Sie im ersten Teil der Serie zur privaten Pkw-Nutzung des Unternehmers.

Das BMF hat umfassend zum Vorsteuerabzug und der Besteuerung der privaten Nutzung von Firmenwagen Stellung genommen (Schreiben vom 5.6.2014; IV D 2 – S 7300/07/10002 :001; 2014/0492152). Für die Zuordnung eines Pkw zum umsatzsteuerlichen Unternehmen gibt es vom Ertragssteuerrecht abweichende Regelungen.

Ertragsteuerlich ist von Bedeutung, ob die betriebliche Nutzung überwiegt. Bei einer betrieblichen Nutzung zwischen 10% und 50% kann der Pkw dem gewillkürten Betriebsvermögen zugeordnet werden. Bei der Umsatzsteuer gehört der Pkw nur dann zwingend zum umsatzsteuerlichen Unternehmen, wenn er ausschließlich betrieblich genutzt wird.

Zuordnung bei der Einkommensteuer

Bei der Einkommensteuer gehört ein gemischt genutztes Fahrzeug zum notwendigen Betriebsvermögen, wenn es zu mehr als 50% für betriebliche Zwecke verwendet wird. Liegt der Umfang der betrieblichen Nutzung zwischen 10% und 50%, kann das Fahrzeug als Privatvermögen oder aber als gewillkürtes Betriebsvermögen behandelt werden. Ein anteiliger Ausweis ist ertragsteuerlich nicht möglich.

Bei einer betrieblichen Nutzung von nicht mehr als 50% darf die private Nutzung durch den Unternehmer nicht nach der 1%-Methode ermittelt werden. Diese ist vielmehr mit den tatsächlichen Kosten anzusetzen.

Zuordnung bei der Umsatzsteuer

Ein Unternehmer kann seinen Pkw, den er sowohl für unternehmerische als auch für private Zwecke nutzt, seinem umsatzsteuerlichen Unternehmen

  • zu 100% zuordnen oder
  • überhaupt nicht (= 100%ige Zuordnung zum Privatvermögen, unabhängig vom Umfang der unternehmerischen Nutzung) oder
  • entsprechend dem unternehmerischen Nutzungsanteil (anteilig), während der übrige Teil zum Privatvermögen gehört. 

Gehört das Fahrzeug nicht zum umsatzsteuerlichen Unternehmen, darf der Unternehmer die Vorsteuer nur aus Kosten geltend machen, die einer unternehmerischen Fahrt unmittelbar zugeordnet werden können, z. B. aus Reparaturkosten aufgrund eines Unfalls bei einer betrieblichen Fahrt.

Zuordnung zum umsatzsteuerlichen Unternehmen zu 100%

Der Unternehmer kann seinen gemischt genutzten Pkw in vollem Umfang seinem umsatzsteuerlichen Unternehmen zuordnen. Veräußert er diesen Pkw, dann unterliegt die Veräußerung in vollem Umfang der Umsatzsteuer. Das gilt auch dann, wenn er den Pkw ohne Vorsteuerabzug erworben oder ins Betriebsvermögen eingelegt hat. 

Zuordnung zum Privatvermögen (ohne Vorsteuerabzug)

Der Unternehmer kann einen gemischt genutzten Pkw in vollem Umfang seinem Privatvermögen zuordnen und damit in vollem Umfang dem Mehrwertsteuersystem entziehen. Das ist selbst dann möglich, wenn er den Pkw bei der Einkommensteuer als notwendiges Betriebsvermögen behandeln muss.

Anteilige Zuordnung zum umsatzsteuerlichen Unternehmen

Der Unternehmer hat auch die Möglichkeit seinen Pkw, den er gemischt nutzt, nur mit dem unternehmerisch genutzten Anteil seinem umsatzsteuerlichen Unternehmen zuzuordnen. Nur dieser Anteil unterliegt dann bei einem späteren Verkauf der Umsatzsteuer.

Praxis-Beispiel: Ein Firmenwagen wird zu 60% dem Unternehmen zugeordnet

Der Unternehmer erwirbt einen Pkw für 24.000 € zuzüglich 4.560 € Umsatzsteuer. Da er das Fahrzeug zu 60% für sein Unternehmen nutzen wird, ordnet er das Fahrzeug auch nur zu 60% seinem umsatzsteuerlichen Unternehmen zu. Die Höhe des Vorsteuerabzugs ermittelt er wie folgt:

Vorsteuer insgesamt

4.560 €

Zuordnung zum umsatzsteuerlichen Unternehmen mit 60% =

2.736 €

nicht als Vorsteuer abziehbar

1.824 €

Ertragsteuerlich gehört das Fahrzeug zum notwendigen Betriebsvermögen. Hier ist eine anteilige Zuordnung nicht möglich. Der Unternehmer weist die Anschaffungskosten des Fahrzeugs daher mit 24.000 € + 1.824 € = 25.824 € aus, weil die nicht abziehbaren 40% der Vorsteuer zu den Anschaffungskosten gehören. 

Der Vorteil besteht darin, dass für die private Nutzung keine Umsatzsteuer zu zahlen ist. Andererseits ändert sich der Umfang der Privatnutzung in der Regel von Jahr zu Jahr, sodass hinsichtlich des Vorsteuerabzugs laufend Korrekturen erforderlich sein können. Derartige Korrekturen sind arbeitsaufwändig. Somit ist es in den meisten Fällen auch nicht zweckmäßig, wenn der Unternehmer den Pkw anteilmäßig seinem umsatzsteuerlichen Unternehmen zuordnet.

Bei gemischt genutzten Gegenständen, wie bei einem Pkw, muss die Zuordnung zum umsatzsteuerlichen Unternehmen im Zeitpunkt der Anschaffung vorgenommen werden. Das gilt erst recht, wenn der Unternehmer die einkommen- und umsatzsteuerliche Zuordnung nicht einheitlich ausüben will. Bei der Umsatzsteuer ist es einfach. Der Unternehmer

  • ordnet den Pkw insgesamt seinem umsatzsteuerlichen Unternehmen zu, wenn er den Vorsteuerabzug in voller Höhe in der nächsten Umsatzsteuer-Voranmeldung geltend macht, oder
  • nimmt keinen Vorsteuerabzug in Anspruch und verzichtet damit auf die Zuordnung zu seinem umsatzsteuerlichen Unternehmen. 

Der Pkw kann dem umsatzsteuerlichen Unternehmen nur dann zugeordnet werden, wenn er zu mindestens 10% unternehmerisch genutzt wird. Maßgebend ist das Verhältnis der unternehmerisch gefahrenen Kilometer zu den insgesamt im Jahr gefahrenen Kilometern.

Nutzt der Unternehmer den Pkw als Zweit- oder Drittfahrzeug oder für eine selbstständige nebenberufliche Tätigkeit, kann es sein, dass das Finanzamt eine unternehmerische Nutzung von weniger als 10% unterstellt. Es ist dann erforderlich, eine mindestens 10%ige unternehmerische Nutzung glaubhaft zu machen, z. B. indem der Unternehmer die unternehmerischen Fahrten und die Gesamtfahrleistung festhält. Ein vollständiges Fahrtenbuch ist nicht erforderlich.

Ordnet der Unternehmer seinen Pkw nur dem umsatzsteuerlichen Unternehmen zu und bei der Einkommensteuer dem Privatvermögen, muss er darauf achten, dass er seine Wahl schon im Zeitpunkt der Anschaffung zutreffend dokumentiert. Wichtig ist, dass er die Vorsteuer zeitnah geltend macht. 

Praxis-Tipp: Erhebliche Unterschiede bei Einkommen- und Umsatzsteuer

Die Abweichungen zwischen Ertrag- und Umsatzsteuer sind zum Teil erheblich. Das gilt auch, wenn ein Elektrofahrzeug oder ein extern aufladbares Hybridelektrofahrzeug als Firmenwagen angeschafft wird. Die Kosten für das Batteriesystem werden ertragsteuerlich bei der Ermittlung der privaten Nutzung nicht berücksichtigt. Diese Kürzung darf bei der Ermittlung der Umsatzsteuer nicht übernommen werden. 

Konsequenz: Die ertragsteuerlichen und umsatzsteuerlichen Werte müssen unabhängig voneinander ermittelt werden. 

Die pauschale 1%-Methode kann nur dann angewendet werden, wenn die betriebliche Nutzung mehr als 50% beträgt (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG). Es reicht aus, wenn der Unternehmer den betrieblichen Nutzungsumfang nur einmal über einen repräsentativen Zeitraum von 3 Monaten darlegt (BMF-Schreiben vom 18.11.2009 (IV C 6 – S 2177/07/10004; DOK 2009/0725394). Eine erneute Ermittlung des betrieblichen Nutzungsumfangs ist erst dann wieder erforderlich, wenn sich wesentliche Veränderungen ergeben, z. B. in der Art oder dem Umfang der unternehmerischen Tätigkeit, bei den Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb oder beim Erwerb eines neuen Fahrzeugs einer anderen Fahrzeugklasse.

Fünf Varianten für die private Nutzung des Firmenwagens bei einer betrieblichen Nutzung von mehr als 50%

Die private Nutzung des Firmenwagens ist bei der Einkommensteuer und Umsatzsteuer unterschiedlich geregelt. Nutzt der Unternehmer seinen Firmenwagen überwiegend (zu mehr als 50%) für betriebliche Fahrten, hat er aufgrund dieser Unterschiede folgende Wahlmöglichkeiten:

Einkommensteuer

Umsatzsteuer

Fahrtenbuch

Fahrtenbuch

1%-Methode

1%-Methode

1%-Methode

sachgerechte Schätzung

Ohne ordnungsgemäßes Fahrtenbuch greift ertragsteuerlich automatisch die 1%-Methode. Das bedeutet, es müssen pro Monat 1% des Bruttolistenpreises des Firmenwagens (einschließlich Umsatzsteuer) im Zeitpunkt der Erstzulassung zuzüglich Sonderausstattung als Wert der privaten Nutzung versteuert werden.

Bei der Umsatzsteuer gibt es bei einem überwiegend betrieblich genutzten Firmenwagen zusätzlich die sachgerechte Schätzung, die allerdings die Wahlmöglichkeiten bei der Einkommensteuer nicht beeinflusst. Die sachgerechte Schätzung bei der Umsatzsteuer kann nur mit der 1%-Methode bei der Einkommensteuer kombiniert werden.

Übersicht: Varianten für ein Fahrzeug, das überwiegend (zu mehr als 50%) betrieblich genutzt wird:

Variante Nr.

Behandlung bei der Einkommensteuer

Behandlung bei der Umsatzsteuer

 

1.

 

Fahrtenbuch

Keine Umsatzsteuer, wenn ausschließlich umsatzsteuerfreie Umsätze erzielt werden

2.

 

1%-Methode

Keine Umsatzsteuer, wenn ausschließlich umsatzsteuerfreie Umsätze erzielt werden

3.

 Fahrtenbuch

Fahrtenbuch bei steuerpflichtigen Umsätzen

(einbezogen werden nur Aufwendungen, bei denen ein Vorsteuerabzug möglich war)

 4.

 1%-Methode

1%-Methode bei steuerpflichtigen Umsätzen

(Ansatz in Höhe von 80% des pauschalen Wertes)

5.

1%-Methode

sachgerechte Schätzung

(einbezogen werden nur Aufwendungen, bei denen ein Vorsteuerabzug möglich war)

Gemäß BMF-Schreiben vom Schreiben vom 5.6.2014 (IV D 2 – S 7300/07/10002 :001; 2014/0492152) gilt Folgendes:

  • Wenn die private Nutzung bei der Einkommensteuer nach der pauschalen 1%-Methode berechnet wird, kann dieser Wert aus Vereinfachungsgründen auch bei der Umsatzsteuer zugrunde gelegt werden. Bei der Bemessung der Umsatzsteuer dürfen pauschal 20% für die Kfz-Kosten abgezogen werden, für die keine Vorsteuerbeträge geltend gemacht werden konnten.
  • Bei der Umsatzsteuer kann der private Nutzungsanteil auch sachgerecht geschätzt werden (anstelle der 1%-Methode). Es werden nur die Kosten der Umsatzsteuer unterworfen, bei denen ein Vorsteuerabzug möglich war.
  • Wenn ertragsteuerlich die 1%-Methode nicht angewendet werden darf, sind die Kosten zugrunde zu legen, die laut Fahrtenbuch oder anderen Aufzeichnungen auf die privaten Fahrten des Unternehmers entfallen. Dabei sind nur die Kosten zu erfassen, bei denen ein Vorsteuerabzug möglich war.

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Schlagworte zum Thema:  Private Pkw-Nutzung, Pkw-Nutzung, Unternehmer, 1%-Regelung

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