28.08.2012 | Serie Trinkgelder richtig buchen und umsatzsteuerlich einstufen

Trinkgeld an den Unternehmer ist nicht steuerfrei

Serienelemente
Trinkgelder an Unternehmer
Bild: Haufe Online Redaktion

Nicht nur Arbeitnehmer erhalten Trinkgelder, auch Unternehmer. Für diesen ist wichtig, zu wissen, wie Trinkgelder, die er von Kunden erhält, steuerlich einzustufen sind.

Steuerpflicht bei Zahlungen an den Unternehmer

Die Steuerfreiheit von Trinkgeldern setzt voraus, dass die Zahlungen an einen Arbeitnehmer erfolgen. Steuerpflichtige Zahlungen liegen auch vor, wenn die Gelder auf Grund einer zwingenden gesetzlichen Regelungen nicht dem Arbeitnehmer, sondern dem Arbeitgeber überlassen werden, weil dieser sie verwalten und buchungstechnisch erfassen muss.

Trinkgelder des Unternehmers gehören zum umsatzsteuerpflichtigen Umsatz

Unternehmer, die von Ihren Kunden/Gästen freiwillige Trinkgelder erhalten, müssen die Zahlungen in ihrer Buchführung erfassen. Die Zahlungen erhöhen die Betriebseinnahmen und sind auch als Entgelt in die Bemessungsgrundlage der Umsatzsteuer mit einzubeziehen (§ 10 Abs. 1 Satz 1 UStG).

Zum umsatzsteuerlichen Entgelt gehört alles, was der Leistungsempfänger aufwendet, um die Leistung zu erhalten, abzüglich der Umsatzsteuer (§ 10 Abs. 1 Satz 2 UStG). Dazu rechnen auch die vom Kunden/Gast freiwillig gewährten Trinkgelder. Denn zwischen den von den Kunden/Gästen an den leistenden Unternehmer gezahlten Trinkgeldern und der von ihm erbrachten unternehmerischen Leistung besteht eine innere Verknüpfung. Daher sind die Trinkgelder in die Bemessungsgrundlage der Umsatzsteuer einzubeziehen (BFH, Urteil v. 17.02.1972, V R 118/71, BStBl 1972 II S. 405; R 10 Abs. 5 S. 1 UStAE).
Diese Regelung ist europarechtskonform. Die Anknüpfung des Entgeltes an die tatsächlich erhaltene Gegenleistung entspricht dem Wortlaut der Sechsten MwSt-Richtlinie (Art. 11 Teil A Abs. 1 Buchst. a). Danach gehört zur Bemessungsgrundlage der Wert der Gegenleistung, die der Lieferer oder Dienstleistende für diese Umsätze vom Abnehmer oder Dienstleistungsempfänger oder von einem Dritten „erhält oder erhalten soll” (BFH, Urteil v. 19.7.2007, V R 11/05, BStBl 2007 II S. 966).

Buchungsbeispiel: Der Gastwirt erhält neben dem Rechnungsbetrag noch Trinkgeld

 Ein Gast verlangt im Lokal die Rechnung. Der Gastwirt erstellt einen Kassenbon für die einzeln aufgeführten Speisen und Getränke über 94,30 EUR. Der Gast zahlt 100 EUR mit dem Hinweis: „Der Restbetrag ist Trinkgeld“. 

Der Gastwirt hat eine Leistung über 94,30 EUR erbracht und hierfür eine Gegenleistung von 100 EUR erhalten. Trinkgeldzahlungen sind für den Gastwirt nicht steuerfrei, sondern gehören zu seinen Betriebseinnahmen. Für die Berechnung der Umsatzsteuer ist die Gegenleistung von 100 EUR entscheidend.

Der Gesamtbetrag muss wie folgt aufgeteilt werden.

 

Betriebseinnahmen / EUR

USt / EUR

USt aus der Zahlung (100,00 EUR : 1,19 x 0,19)

 

15,97

Betriebseinnahmen aus der Zahlung (100,00 EUR : 1,19)

84,03

 

 

Konto

SKR 03 Soll

Konten-

bezeichnung

Betrag

Konto

SKR 03 Haben

Konten-

bezeichnung

Betrag

1000

Kasse

100,00

8400

Erlöse 19%

84,03

 

 

 

1776

Umsatzsteuer 19 %

15,97

 

Konto

SKR 04 Soll

Konten-

bezeichnung

Betrag

Konto

SKR 04 Haben

Konten-

bezeichnung

Betrag

1600

Kasse

100,00

4400

Erlöse 19%

84,03

 

 

 

3806

Umsatzsteuer 19 %

15,97

Hätte der Gastwirt rechtswidrig das Trinkgeld steuerfrei behandelt, würden folgende Beträge berücksichtigt:

 

Betriebseinnahmen / EUR

USt / EUR

USt aus der Rechnung (94,30 EUR : 1,19 x 0,19)

 

15,06

Betriebseinnahmen aus der Rechnung (94,30 EUR : 1,19)

79,24

 

Achtung Steuerfalle

Im Beispiel wurde 0,91 EUR Umsatzsteuer zu wenig abgeführt und die Betriebseinnahmen um 4,79 EUR zu niedrig angesetzt. Im Einzelfall wird das Finanzamt dies nicht aufgreifen. Da aber in der Gastronomie Trinkgeld üblich ist, wird im Rahmen einer Betriebsprüfung das Thema Trinkgeld ein Schwerpunkt sein. Insbesondere dann, wenn keine Arbeitnehmer im Service beschäftigt werden und der Gastwirt lediglich die gebongten Geldbeträge als Betriebseinnahmen erfasst. Hier kann es schnell, wenn auch vielleicht unbewusst, zur Steuerhinterziehung kommen. 

Schlagworte zum Thema:  Unternehmer, Trinkgeld, Steuerpflicht, Arbeitnehmer, Buchung, Einstufung, Umsatzsteuer

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