05.07.2016 | Serie Rechnungsstellung in der Schweiz

Anforderungen an den Inhalt der Rechnung in der Schweiz

Serienelemente
Die Rechnungsangaben in der Schweiz sind fast deckungsgleich mit den deutschen Anforderungen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Welche Angaben muss eine Rechnung in der Schweiz enthalten? Was sind die Unterschiede zu den Rechnungsangaben, die in Deutschland Pflicht sind? Was gilt bei Barbelegen? Diese Fragen beantwortet der erste Serienteil.

Definition Rechnung in der Schweiz

Die Schweizer Mehrwertsteuer wurde 2009 umfassend überarbeitet, erleichtert und damit auch die Rechtssicherheit der Steuerpflichtigen verbessert. Das neue MWSTG ist am 1.1.2010 in Kraft getreten. Die Änderungen betreffen auch die Vorschriften über die Rechnungsstellung, den Grundsatz der Beweismittelfreiheit und die Unternehmensidentifikation.

Nach Art. 3k MWSTG ist eine „Rechnung“ jedes Dokument, mit dem gegenüber einer Drittperson über das Entgelt für eine Leistung abgerechnet wird, gleichgültig, wie dieses Dokument im Geschäftsverkehr bezeichnet wird.

Diese Definition stellt eine einheitliche Handhabung der Rechnung für alle Bestimmungen des MWSTG sicher, die Rechtsfolgen an eine Rechnung knüpfen. Sie stellt klar, dass eine Rechnung eine Rechtsfolge nur haben kann, wenn das Dokument das Unternehmen verlassen hat.

Interne Belege stellen daher keine Rechnungen dar, ebenso wenig wie Verträge oder Angebote, da mit ihnen keine Abrechnung einer Leistung erfolgt.

Die in Artikel 3k MWSTG enthaltene Definition der Rechnung umfasst auch Gutschriften, da auch diese Dokumente darstellen, wie gegenüber einer Drittperson über eine Leistung abgerechnet wird. Der frühere Artikel 37 Absatz 3 MWSTG, welcher bestimmte, dass „Gutschriften“ und andere Dokumente Rechnungen gleichgestellt sind, wurde daher nicht mehr explizit erwähnt.

Eine Unterschrift unter das Rechnungsdokument ist nicht vorgesehen.

 

Anforderungen an den Inhalt der Rechnung

Mit Art. 26 MWSTG sind die inhaltlichen Anforderungen an die Rechnung klarer gefasst worden: Der Leistungserbringer oder die Leistungserbringerin hat dem Leistungsempfänger oder der Leistungsempfängerin auf Verlangen eine Rechnung auszustellen, die den Anforderungen nach den Absätzen 2 und 3 des Art. 26 MWSTG genügt.

Schweizer Rechnung: Pflichtangaben

Die Rechnung muss den Leistungserbringer oder die Leistungserbringerin, den Leistungsempfänger oder die Leistungsempfängerin und die Art der Leistung eindeutig identifizieren und in der Regel folgende Angaben enthalten:

  • den Namen und den Ort des Leistungserbringers oder der Leistungserbringerin, wie er oder sie im Geschäftsverkehr auftritt,
  • den Hinweis, dass er oder sie im Register der steuerpflichtigen Personen eingetragen ist, sowie die Nummer, unter der er oder sie eingetragen ist;
  • den Namen und den Ort des Leistungsempfängers oder der Leistungsempfängerin, wie er oder sie im Geschäftsverkehr auftritt;
  • Datum oder Zeitraum der Leistungserbringung, soweit diese nicht mit dem Rechnungsdatum übereinstimmen;
  • Art, Gegenstand und Umfang der Leistung;
  • das Entgelt für die Leistung;
  • den anwendbaren Steuersatz und den vom Entgelt geschuldeten Steuerbetrag; schließt das Entgelt die Steuer ein, so genügt die Angabe des anwendbaren Steuersatzes.

Absatz 2 des Art. 26 MWSTG entspricht inhaltlich dem früheren Artikel 37 Absatz 1 MWSTG. Er wurde aber übersichtlicher geordnet und sprachlich insofern modifiziert, als jetzt nur noch vom Leistungsempfänger bzw. der Leistungsempfängerin und nicht mehr vom „steuerpflichtigen“ Leistungsempfänger bzw. der „steuerpflichtigen“ Leistungsempfängerin die Rede ist. Auch Leistungsempfänger und Leistungsempfängerinnen, die im Zeitpunkt des Empfangs der Leistung nicht steuerpflichtig sind, können später steuerpflichtig werden und dann entsprechende Belege benötigen.

 

Die Bestimmung ist aber – über die Formulierung der inhaltlichen Anforderungen hinaus – vor allem in zivilrechtlicher Hinsicht wichtig: Sie verschafft dem Leistungsempfänger oder der Leistungsempfängerin einen Anspruch, von der Gegenpartei einen für die Zwecke der MWST dienlichen Beleg zu erhalten und so die Beweissituation (namentlich hinsichtlich des Vorsteuerabzugs) zu verbessern. Der Nachweis, dass eine vorsteuerbelastete Leistung bezogen wurde, muss aber – anders als im geltenden Recht – nicht zwingend mit einer Rechnung erfolgen, die alle in Absatz 2 aufgeführten Elemente aufweist. Dieser Nachweis kann auch anhand anderer Unterlagen geführt werden.

Schweizer Rechnungsangaben ähnlich zu denen nach deutschem Recht

Ein Vergleich mit den Anforderungen des § 14 Abs. 4 des deutschen Umsatzsteuergesetzes zeigt, dass - bis auf die Angabe der Schweizer „UID“ und die Bezeichnung als „Gutschrift“ - alle wesentlichen inhaltlichen Anforderungen an eine Rechnung nach deutschem Rechts auch für eine Rechnung nach schweizerischen MWSTG erforderlich sind.

Schweiz: Kassenzettel als Rechnung – bis 400 CH ohne Angabe des Leistungsempfängers

 Nach Artikel 26 Abs. 3 MWSTG gilt weiterhin, das bei Rechnungen, die von automatisierten Kassen ausgestellt werden (Kassenzettel), die Angaben über den Leistungsempfänger oder die Leistungsempfängerin nicht aufgeführt sein müssen, sofern das auf dem Beleg ausgewiesene Entgelt einen vom Bundesrat festzusetzenden Betrag nicht übersteigt; dieser beträgt zur Zeit 400 CHF.

Weitere Informationen finden Sie hier:

> Eidgenössische Steuerverwaltung

Schlagworte zum Thema:  Rechnung, Schweiz, Umsatzsteuer

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