Nationale Rechnungslegung nach HGB und internationale Rechnungslegung nach IFRS unterscheiden sich in grundlegenden Dingen. Trotzdem wird seit über zehn Jahren kontrovers diskutiert, ob ein einheitlicher Rechnungslegungsstand für alle Unternehmen und deren Niederlassungen im In- und Ausland sinnvoll ist.

Ist ein einheitlicher Rechnungslegungsstand für alle Unternehmen sinnvoll?

Seit Einführung des IFRS für kapitalmarktorientierte Unternehmen in Europa einschließlich Deutschland verweisen Befürworter auf die damit verbundene höhere Transparenz für Prüfungsinstanzen und Ratingagenturen. Gegner schätzen die Gestaltungsmöglichkeiten, die speziell das HGB eröffnet. Durch die Einführung neuer IFRS-Regeln zur Leasingbilanzierung erhält die Debatte neue Nahrung.

IFRS und HGB: zwei Welten oder doch nur eine?

Wäre die Erde eine Scheibe – IFRS einerseits und HGB andererseits hätten tatsächlich keinerlei Berührungspunkte. Im globalen Geschehen sind die „zwei Welten“ eine Fiktion. Zum Beispiel beeinflussen die neuen Vorschriften für die Bilanzierung von Leasingverhältnissen nach IFRS 16 indirekt auch die Bilanzpolitik von Unternehmen, die ihren Abschluss nach dem deutschen Handelsgesetzbuch erstellen, etwa hinsichtlich der Trennung von Finanzierung und Services und vertiefender Auswertungen. Warum also nicht gleich nach den internationalen Standards bilanzieren? Experten halten einen freiwilligen IFRS-Abschluss auch für kapitalmarktnahe und international tätige Familienunternehmen für erwägenswert.