Übersteigen die Anschaffungs- oder Herstellungskosten den Betrag von 35 EUR pro Empfänger und Jahr auch nur um einen Cent, entfällt der Betriebsausgabenabzug insgesamt. Bild: Haufe Online Redaktion

Der Betriebsausgabenabzug für Geschenke an Geschäftsfreunde ist nur bis in Höhe einer Freigrenze möglich. Kosten Geschenke mehr, ist insgesamt kein Betriebsausgabenabzug möglich. Außerdem sind weitere Voraussetzungen zu erfüllen.

Beispiele zur Abgrenzung: Geschenk ja oder nein?

  • Blumen sind im Allgemeinen als Geschenke einzustufen. Blumen und Kränze bei Beerdigungen jedoch nicht.
  • Theaterkarten und andere Eintrittskarten sind Geschenke.
  • Die kostenlose Bewirtung ist kein Geschenk bzw. kein entgeltlicher Vorteil. Das ist die Auffassung der Finanzverwaltung (R 4.10 Abs. 4 EStR). Der BFH vertritt eine andere Auffassung. Wenn in der Bewirtung eine einkommensteuerlich relevante Zuwendung zu sehen ist, ist der Wert der Bewirtung vom Bewirteten zu versteuern oder ggf. pauschal gem. § 37b EStG durch den bewirtenden Unternehmer.
  • Kulanzleistungen sind wegen des Zusammenhangs mit dem vorhergehenden Kauf keine Geschenke.
  • Kundenservice, der unentgeltlich erbracht wird, ist kein Geschenk, weil er im Zusammenhang mit einem vorhergehenden Kauf erfolgt und derartige Leistungen regelmäßig im Kaufpreis einkalkuliert sind.
  • Preise bei Preisausschreiben sind keine Geschenke.
  • Rabatte sind keine Geschenke. Sie mindern vielmehr die Anschaffungs- oder Herstellungskosten des angeschafften Wirtschaftsguts.
  • Spargeschenkgutscheine und darauf beruhende Gutschriften sind keine Geschenke.
  • Sponsoring bedeutet, dass eine Gegenleistung vorhanden ist, sodass es sich nicht um ein Geschenk handelt.
  • Trinkgelder sind zusätzliches (freiwilliges) Entgelt für eine Gegenleistung und somit kein Geschenk.
  • Werbeprämien sind als Gegenleistung für die Vermittlung neuer Kunden einzustufen. Es handelt sich daher nicht um Geschenke.

Die Freigrenze gilt pro Person und Jahr

Nach § 4 Abs. 5 Nr. 1 EStG dürfen Geschenke an Geschäftspartner und dessen Arbeitnehmer nur dann als Betriebsausgaben abgezogen werden, wenn

  • ihr Wert pro Person und Jahr nicht mehr als 35 EUR beträgt und
  • die Geschenkaufwendungen einzeln und getrennt von den übrigen Betriebsausgaben aufgezeichnet werden. 

Die 35-EUR-Grenze ist eine Freigrenze. Übersteigen die Anschaffungs- oder Herstellungskosten den Betrag von 35 EUR pro Empfänger und Jahr auch nur um einen Cent, entfällt der Betriebsausgabenabzug insgesamt und nicht nur der Betrag, der über 35 EUR hinausgeht.

Die 35-EUR-Grenze gilt pro Person und Jahr. Empfänger können natürliche und juristische Personen (z. B. eine GmbH) sein. Zuwendungen an Arbeitnehmer der GmbH (z. B. Gesellschafter-Geschäftsführer) sind jedoch nicht automatisch als Zuwendungen an die GmbH anzusehen. Jede Person, mit der ein Unternehmer im Geschäftsleben zu tun hat, ist als eigenständiger Zuwendungsempfänger anzusehen, z. B. der GmbH-Geschäftsführer, die Sekretärin, der Marketing-Assistent usw. Der Unternehmer und sein Ehegatte werden allerdings nach Auffassung der Finanzverwaltung als "ein Empfänger" angesehen.

Freigrenze für Geschenke an Geschäftspartner ermitteln

  • Ein Unternehmer gibt seinem Kunden im Januar 01 und im Dezember 01 jeweils ein Geschenk im Wert von 35 EUR. Er kann nichts abziehen.
  • Ein Unternehmer gibt seinem Kunden im Dezember 01 und im Januar 02 jeweils ein Geschenk im Wert von 35 EUR. Er kann beide Geschenke als Betriebsausgaben abziehen, sofern er in 02 diesem Kunden kein weiteres Geschenk zukommen lässt.
  • Bereits ein geringes Überschreiten der 35-EUR-Grenze führt dazu, dass der Betriebsausgabenabzug insgesamt entfällt. Es ist daher genau darauf zu achten, was zu den Anschaffungs- oder Herstellungskosten gehört. Zu den Anschaffungs- oder Herstellungskosten gehören die Kosten der Kennzeichnung des Geschenks als Werbeträger, die Umsatzsteuer, die nicht als Vorsteuer abgezogen werden darf, sowie die Versandkosten.
  • Wenn der Unternehmer die Geschenkzuwendungen pauschal mit 30 % versteuert, gehört auch die pauschale Steuer zu den Zuwendungen. Aber: Bei der Ermittlung des Grenzwerts von 35 EUR wird die pauschale Steuer nicht einbezogen (BMF, Schreiben v. 19.5.2015, IV C 6 - S 2297 -b/14/10001, Rz. 25).

Geschenke abzugsfähig: Auf ausschließlich berufliche Nutzungsmöglichkeit achten

Um Kunden und Geschäftspartner oder deren Arbeitnehmer teurer als netto 35 Euro beschenken zu können, ohne den Verlust des Betriebsausgabenabzugs und des Vorsteuerabzugs zu riskieren, gilt folgendes oberstes Prinzip: Der Selbstständige muss ein Präsent auswählen, das der Beschenkte nur für seine beruflichen Aktivitäten nutzen kann (R 4.10. Abs. 2 Satz 4 EStR). In diesem Fall gilt die Beschränkung des Geschenkwerts auf 35 EUR nicht.

Beispiele:

Eine Unternehmerin schenkt einem langjährigen Geschäftspartner, einem Gastronomen, eine Gastro-Kaffeemaschine mit Werbelogo für 3.000 Euro.

Ein selbstständiger Fotograph schenkt einem Geschäftspartner für seine Werbeagentur ein Bildbearbeitungsprogramm im Wert von 1.200 Euro.

Ein selbstständiger Arzt schenkt einem Arzt, der seine Praxis in der Urlaubszeit betreut, eine Fachbuchreihe im Wert von 800 Euro.

In diesen Fällen ist der Betriebsausgabenabzug erlaubt, obwohl die Geschenke einen Wert von mehr als 35 EUR haben. Die schenkenden Unternehmer haben darauf geachtet, dass die Geschenke nur betrieblich zu verwenden sind.

Praxis-Tipp: Nachweispflicht beachten

Um bei einer Jahre später stattfindenden Betriebs- oder Umsatzsteuerprüfung nicht in Nachweisnot zu kommen, ist zu empfehlen, ein Foto von dem Präsent zu schießen und bei den Geschäftsunterlagen aufzubewahren. Mit einem Foto lassen sich die Zweifel des Finanzamtsprüfers meist schneller ausräumen als mit der bloßen Rechnung.

Das sollten Unternehmer bei Geschenken über 35 EUR außerdem beachten

Pauschalsteuer: Damit der Beschenkte richtig Freude an seinem Präsent hat und keine Einnahmen dafür versteuern muss, kann der Schenker die 30-prozentige Pauschalsteuer nach § 37b EStG ans Finanzamt abführen. Ist das Geschenk abziehbar, darf auch die Pauschalsteuer als Betriebsausgabe verbucht werden.

Getrennte Aufzeichnung: Die Aufwendungen für das Präsent müssen auf einem separaten Konto „Geschenke abziehbar“ verbucht werden (§ 4 Abs. 7 EStG). Wer die Kosten zusammen mit anderen Betriebsausgaben (z.B. sonstige Aufwendungen) verbucht, verliert den Betriebsausgaben- und Vorsteuerabzug.

Geschenke als Betriebsausgabe

Ein Geschenk setzt eine unentgeltliche Zuwendung an den Empfänger voraus (R 4.10 Abs. 4 EStR). Der Zweck, Geschäftsverbindungen anzubahnen, zu sichern oder zu verbessern, ist keine Gegenleistung. Der Sinn und Zweck von Geschenken ist ja gerade der, sich in Erinnerung zu bringen.

Liegt eine konkrete Gegenleistung vor, handelt es sich nicht um ein Geschenk, sodass die pauschale Besteuerung nach § 37b EStG nicht angewendet werden kann. Deshalb können diese Aufwendungen uneingeschränkt als Betriebsausgaben abgezogen werden:

  • Provisionen,
  • Werbeaufwendungen und
  • Zugaben.

Diese Geschäftsvorfälle werden als Werbekosten und nicht als Geschenk beurteilt

  • Warenproben und Werbeartikel, die an eine Vielzahl von Empfängern verteilt werden, deren Identität meist nicht bekannt ist, z. B. bei Werbevorführungen in Kaufhäusern.
  • Eine Zeitung gibt Gutscheine für ein i. d. R. befristetes kostenloses oder verbilligtes Abonnement aus.
  • Der Unternehmer lässt auf seine Kosten in öffentlichen Anlagen oder auf öffentlichen Plätzen eine Bank, Schutzhütte oder ein Kunstwerk errichten, wobei sein Unternehmen durch eine Hinweistafel als Spender ausgewiesen ist.

Besonderheiten bei Geschenken an Geschäftsfreunde

Ist der Beschenkte ein Unternehmer, muss er den Wert des Geschenks (Marktwert) i. d. R. als Betriebseinnahme erfassen. Dabei spielt es keine Rolle, ob und in welchem Umfang der Schenkende die Aufwendungen als Betriebsausgaben abziehen kann. Der Beschenkte muss

  • bei privater Verwendung des Geschenks den Wert als Betriebseinnahme und anschließend als Privatentnahme erfassen;
  • bei betrieblicher Verwendung des Geschenks den Wert als Betriebseinnahme und gleichzeitig als Betriebsausgabe erfassen;
  • keine Einnahmen versteuern, wenn der Schenker ihm mitteilt, dass er die Zuwendung pauschal versteuert.

Praxis-Tipp: Kleine Werbegeschenke werden nicht besteuert

Der Beschenkte braucht den Wert des Geschenks nicht als Einnahme zu erfassen, wenn es sich nur um Kleinigkeiten bzw. Gegenstände von geringem Wert bis 10 EUR (Streuwerbeartikel) handelt, z. B. Stifte, Einwegfeuerzeuge usw. Maßgebend für die Bagatellgrenze sind die Anschaffungs- oder Herstellungskosten beim Schenker.

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Schlagworte zum Thema:  Betriebsausgaben, Geschenk

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