16.09.2014 | Serie Firmen-Pkw: Elektrofahrzeuge

Privatnutzung: Auswirkungen auf Einkommensteuer und Umsatzsteuer

Serienelemente
Für die Ermittlung der Kosten bei Elektrofahrzeugen gibt es Sonderregelungen
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Schafft der Unternehmer ein Elektrofahrzeug oder ein extern aufladbares Hybridelektrofahrzeug als Firmenwagen an, zahlt er einen deutlich höheren Preis als bei einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Für die Ermittlung der Kosten, die auf die private Nutzung, Fahrten zum Betrieb bzw. zur ersten Tätigkeitstätte und Familienheimfahrten entfallen, wurde in § 6 Abs. 1 Nr. 4 Sätze 2 und 3 EStG eine Sonderregelung geschaffen.

Der Bruttolistenpreis, der bei der 1 %-Methode zugrunde gelegt wird, ist pauschal um die Kosten für das Batteriesystem zu mindern. Dabei wird der Bruttolistenpreis für Elektro- oder Hybridelektrofahrzeuge, die bis zum 31.12.2013 angeschafft wurden, i. H. v. 500 EUR pro kWh Speicherkapazität der Batterie gemindert. Die Minderung pro Kraftfahrzeug darf allerdings 10.000 EUR nicht übersteigen (Höchstbetrag).

Pauschale Wertminderung bei Anschaffungen

Bei Anschaffungen in den Jahren ab 2014 mindert sich der Wert jeweils um 50 EUR. Bei Anschaffungen in 2014 beträgt die Minderung somit 500 EUR – 50 EUR = 450 EUR pro kWh Speicherkapazität. Außerdem mindert sich der Höchstbetrag von 10.000 EUR für Kraftfahrzeuge, die in den Folgejahren angeschafft werden, um jährlich 500 EUR. Für Anschaffungen in 2014 beträgt der Höchstbetrag somit 10.000 EUR – 500 EUR = 9.500 EUR. Die nachfolgende Tabelle gibt einen umfassenden Überblick.

Anschaffungsjahr/Jahr der ErstzulassungMinderung pro kWh der Batteriekapazität in EURHöchstbetrag in EUR

2013 und früher

500

10.000

2014

450

9.500

2015

400

9.000

2016

350

8.500

2017

300

8.000

2018

250

7.500

2019

200

7.000

2020

150

6.500

2021

100

6.000

2022

50

5.500

Bei der 1 %-Regelung ist der Bruttolistenpreis auf volle Hundert EUR abzurunden. Diese Abrundung ist bei Elektrofahrzeugen und extern aufladbaren Hybridelektrofahrzeugen erst nach Abzug des Abschlags vorzunehmen.

Wichtig: Für umsatzsteuerliche Zwecke ist keine Kürzung der Aufwendungen vorzunehmen

Laut BMF ist für umsatzsteuerliche Zwecke keine Kürzung für die Aufwendungen vorzunehmen, die auf das Batteriesystem von Elektro- und Hybridelektrofahrzeugen entfallen. Das bedeutet, dass die Nutzungsentnahme anders ermittelt wird als die Bemessungsgrundlage für die Umsatzsteuer. Wegen dieser Abweichungen enthalten alle Beispiele eine Nebeneinanderstellung mit den ertragsteuerlichen Werten der Nutzungsentnahme und der Bemessungsgrundlage für die Umsatzsteuer (s. Beispiel im Kapitel "So kontieren Sie richtig")

Fahrten zwischen Wohnung und erster Betriebsstätte

Wird der Firmenwagen auch für Fahrten zwischen Wohnung und erster Betriebsstätte genutzt, dürfen pro Entfernungskilometer 0,30 EUR als Betriebsausgaben abgezogen werden. Bei einem Firmen-Pkw sind die Kosten, die über die Entfernungspauschale hinausgehen, nicht als Betriebsausgaben abziehbar. Die nicht abziehbaren Kosten müssen pauschal ermittelt werden, wenn die private Pkw-Nutzung nach der pauschalen 1 %-Methode ermittelt wird. Auswirkungen auf die Umsatzsteuer ergeben sich bei Einzelfirmen nicht. Bei Personengesellschaften ist allerdings von einem Leistungsaustausch auszugehen.

Betriebsausgaben, Vorsteuerabzug und Gewinnauswirkung

Zunächst werden alle Kfz-Kosten als Betriebsausgaben gebucht. Bei einer Berechtigung zum Vorsteuerabzug, kann die in den Kfz-Kosten enthaltene Umsatzsteuer in vollem Umfang als Vorsteuer abgezogen werden. Die Differenz zwischen der Entfernungspauschale und den tatsächlichen Kosten, die auf Fahrten zur ersten Betriebsstätte entfallen, wirkt sich auf den Gewinn aus. Wenn der Unternehmer die private Pkw-Nutzung nach der pauschalen 1 %-Methode ermittelt, setzt er den Teil der Aufwendungen an, der auf Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb entfällt, und zwar pauschal mit 0,03 % je Kalendermonat oder mit 0,002 % je Fahrt (pro Tag maximal eine Fahrt), berechnet vom (auf volle Hundert EUR abgerundeten) Bruttolistenpreis des Pkw im Zeitpunkt der Erstzulassung für jeden Entfernungskilometer. Bei Elektrofahrzeugen oder extern aufladbaren Hybridelektrofahrzeugen ist vom reduzierten Bruttolistenpreis auszugehen.

Praxis-Beispiel: Nutzung für Fahrten zur Betriebsstätte

Unternehmer Huber erwirbt im Jahr 2014 ein Hybridelektrofahrzeug mit einer Batteriekapazität von 16 kWh. Herr Huber nutzt das Fahrzeug für private Fahrten und für Fahrten zur 8 km entfernten ersten Betriebsstätte.

Der Bruttolistenpreis beträgt 44.310 EUR. Die betriebliche Nutzung beträgt 65 %. Der Bruttolistenpreis ist um 7.200 EUR (16 kWh × 450 EUR) zu mindern. Der geminderte Bruttolistenpreis beträgt (44.310 EUR – 7.200 EUR = 37.110 EUR, abgerundet auf volle Hundert EUR =) 37.100 EUR. Herr Huber rechnet wie folgt:

Reduzierter Bruttolistenpreis 37.100 EUR × 0,03 % × 8 km =

89,04 EUR

Entfernungspauschale: 8 km × 20 Fahrten × 0,30 EUR =

48,00 EUR

Nicht abziehbare Kosten

41,04 EUR

Konto SKR 03 SollKontenbezeichnungBetragKonto SKR 03 HabenKontenbezeichnungBetrag

1880

Unentgeltliche Wertabgaben

41,04

4680

Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte (Haben)

41,04

Konto SKR 04 SollKontenbezeichnungBetragKonto SKR 04 HabenKontenbezeichnungBetrag

2130

Unentgeltliche Wertabgaben

41,04

6690

Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte (Haben)

41,04

Für die nicht abziehbaren Kosten bei Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb fällt bei Einzelunternehmern keine Umsatzsteuer an.

Zusätzliche Zahlungen für das Batteriesystem - zum Beispiel Leasingraten

Die Minderung der Bemessungsgrundlage erfolgt nur, wenn die Kosten für das Batteriesystem im Listenpreis enthalten sind. Die Minderung unterbleibt, wenn das Batteriesystem nicht zusammen mit dem Fahrzeug angeschafft wurde. Das ist der Fall, wenn für das Batteriesystem ein zusätzliches Entgelt, z. B. in Form von Leasingraten, gezahlt wird. Die Kosten (Leasingraten), die für das Batteriesystem bezahlt werden, sind zwar als Betriebsausgaben abziehbar, werden aber ertragssteuerlich nicht in die Bemessungsgrundlage für die private Nutzung einbezogen. Im Gegensatz dazu sind diese Kosten bei der Umsatzsteuer einzubeziehen.

Praxis-Beispiel: Bruttolistenpreis plus zusätzliche Miete für Batteriesystem

Herr Huber erwirbt in 2014 ein Elektrofahrzeug mit einer Batteriekapazität von 16 kWh. Der Bruttolistenpreis beträgt 25.640 EUR. Für das Batteriesystem zahlt er monatlich eine zusätzliche Miete von 79 EUR. Die betriebliche Nutzung beträgt 65 %. Der private Nutzungsanteil nach der 1 %-Regelung ist wie folgt zu ermitteln:

Der Bruttolistenpreis (25.640 EUR) ist nicht zu mindern, er wird lediglich auf volle Hundert EUR = 25.600 EUR abgerundet. Die Nutzungsentnahme nach der 1 %-Regelung beträgt somit 256 EUR pro Monat.

Abweichend davon kann die Umsatzsteuer nur mithilfe einer sachgerechten Schätzung zutreffend ermittelt werden.

PositionenGewinnerhöhungBemessungsgrundlage Umsatzsteuer

Bruttoplistenpreis ohne Batteriesysteme = 25.600 EUR × 1 % × 12 =

3.072,00 EUR

 

Tatsächliche Kosten mit Vorsteuer:

Abschreibung 21.600 EUR : 6 = 3.500 EUR + Stromkosten 890 EUR + Miete Batteriesystem 79 EUR × 12 = 948 EUR; insgesamt 5.338 EUR × 35 % =

 

1.868,30 EUR

Umsatzsteuer                            354,98 EUR
Konto SKR 03 SollKontenbezeichnungBetragKonto SKR 03 HabenKontenbezeichnungBetrag

1880

Unentgeltliche Wertabgaben

3.426,98

8924

Verwendung von Gegenständen für Zwecke außerhalb des Unternehmens ohne USt (Kfz-Nutzung)

1.203,70

 

 

 

8921

Verwendung von Gegenständen für Zwecke außerhalb des Unternehmens 19 % USt (Kfz-Nutzung)

1.868,30

 

 

 

1776

Umsatzsteuer 19 %

354,98

Konto SKR 04 SollKontenbezeichnungBetragKonto SKR 04 HabenKontenbezeichnungBetrag

2130

Unentgeltliche Wertabgaben

3.426,98

4639

Verwendung von Gegenständen für Zwecke außerhalb des Unternehmens ohne USt (Kfz-Nutzung)

1.203,70

 

 

 

4645

Verwendung von Gegenständen für Zwecke außerhalb des Unternehmens 19 % USt (Kfz-Nutzung)

1.868,30

 

 

 

3806

Umsatzsteuer 19 %

354,98

Bruttolistenpreis mit oder ohne zusätzliche Zahlungen für das Batteriesystem

Wird das gleiche Fahrzeug auf dem Fahrzeugmarkt mit und ohne Batteriesystem angeboten, kann für ertragsteuerliche Zwecke bei der Nutzungsentnahme aus Vereinfachungsgründen der Bruttolistenpreis für das Fahrzeug mit Batteriesystem zugrunde gelegt werden, auch wenn das Batteriesystem gemietet wird. Ein weiteres Praxis-Beispiel und Praxis-Tipps finden Sie hier.

Kostendeckelung, wenn der pauschale Wert nach der 1%-regelung höher ist als die tatsächlichen Kosten

Sind die tatsächlichen Kfz-Kosten niedriger als der pauschale Wert nach der 1%-Regelung, werden für die private Nutzung die tatsächlich entstandenen Kosten angesetzt. Zu den tatsächlichen Kosten gehört auch die Abschreibung des Fahrzeugs. Bei Elektrofahrzeugen und extern aufladbaren Hybridelektrofahrzeugen wird die Abschreibung als Betriebsausgabe abgezogen, die von den tatsächlichen Anschaffungskosten berechnet wird.

Wichtig:  Für den Vergleich, ob von einer Kostendeckelung auszugehen ist, ist die Bemessungsgrundlage für die Abschreibung um den Abschlag zu mindern.

Praxis-Beispiel: Kostendeckelung

Der Bruttolistenpreis beträgt

31.640,00 EUR

Abzüglich Umsatzsteuer

5.051,76 EUR

Nettobetrag

26.588,23 EUR

Abschreibung 26.588,23 EUR : 6 Jahre =

 4.431,37 EUR

Vergleichsrechnung mit Abschlag für Elektrofahrzeuge

Der Bruttolistenpreis beträgt

31.640,00 EUR

Abzüglich Abschlag

 7.200,00 EUR

Zwischensumme

24.440,00 EUR

Abzüglich fiktive Umsatzsteuer (berechnet von 24.440 EUR)

 3.902,18 EUR

Fiktiver Nettobetrag

20.537,82 EUR

Abschreibung 20.537,82 EUR : 6 =

 3.422,97 EUR

Schlagworte zum Thema:  Geschäftswagen, Firmenwagen, Einkommensteuer, Private Pkw-Nutzung, Elektroauto, Umsatzsteuer, Privatnutzung, Dienstwagen, PkW, Pkw-Nutzung

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