24.03.2016 | Bewirtungskosten

Grundlagen - welche Kosten zu 100 % steuerlich abgezogen werden dürfen

Steht bei einer Veranstaltung der betriebliche Zweck im Vordergrund, sind die gesamten Aufwendungen als Bewirtungskosten abziehbar.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Bewirtungskosten bieten dem Betriebsprüfer viele Angriffspunkte. Besonders dann, wenn Sie 100 % der Kosten als Betriebsausgabenabzug beanspruchen wollen, müssen Sie die Argumente kennen, die zählen. Informieren Sie sich heute, wann Bewirtungskosten vollständig als Betriebsausgaben  abgezogen werden dürfen, wann nur zu 70 % und welche Rolle die Trennung von betrieblichem und geschäftlichem Anlass spielt.

Wann von Bewirtungskosten auszugehen ist

Eine Bewirtung liegt vor, wenn jemand auf Kosten des Unternehmers/Freiberuflers Speisen, Getränke und Genussmittel verzehrt. Ein Betriebsausgabenabzug ist jedoch nur möglich, wenn ein betrieblicher Anlass vorliegt. Bei der Abgrenzung ist wie folgt vorzugehen

  • Zuerst ist zu prüfen, ob die Bewirtung privat oder betrieblich veranlasst war.
  • War die Bewirtung betrieblich veranlasst, geht es im 2. Schritt darum festzustellen, ob die angemessenen Bewirtungsaufwendungen zu 100 % oder evtl. nur zu 70 % gewinnmindernd abgezogen werden können.

Bei der Abgrenzung, ob eine Bewirtung privat und betrieblich veranlasst ist, muss wie folgt unterschieden werden:

  • Es dürfen nur betrieblich veranlasste Bewirtungskosten als Betriebsausgaben abgezogen werden (§ 4 Abs. 5 Nr. 2 EStG).
  • Unangemessene Bewirtungskosten dürfen gem. § 4 Abs. 5 Nr. 2 EStG nicht abgezogen werden. Eine absolute Betragsobergrenze gibt es allerdings nicht.
  • Bewirtungskosten, die ausschließlich oder überwiegend aus privatem Anlass entstehen, dürfen nicht als Betriebsausgaben abgezogen werden (§ 12 EStG).
  • Eine geringfügige private Mitveranlassung ist unschädlich. Lädt der Unternehmer z. B. einen Geschäftsfreund, mit dem er auch privat befreundet ist, zu einem Geschäftsessen ein, bleibt der geschäftliche Anlass erhalten, auch wenn während des Essens ein privater Gedankenaustausch stattfindet.
  • Bewirtungskosten, die gleichermaßen betrieblich und privat veranlasst sind, können insgesamt nicht als Betriebsausgaben abgezogen werden. Es handelt sich um gemischte Aufwendungen, die – wenn kein Aufteilungsmaßstab vorhanden ist – nach § 12 EStG insgesamt nicht abgezogen werden dürfen.
  • Eine Hochzeitsfeier am Tag der kirchlichen Trauung ist als höchst persönlich motivierte Veranstaltung privat veranlasst, sodass die Aufwendungen hierfür nicht als Werbungskosten absetzbar sind. Anlässlich eines derartigen Ereignisses angefallene Aufwendungen können nur in einem unbedeutenden Maße auf beruflichen Umständen beruhen, das eine Aufteilung nach § 12 Nr. 1 S. 2 EStG nicht rechtfertigt (FG Köln, Urteil v. 11.11.2014, 2 K 1706/11).

Steht bei einer Veranstaltung der betriebliche Zweck im Vordergrund, sind die gesamten Aufwendungen als Bewirtungskosten abziehbar. Das Finanzgericht München (FG München, Urteil v. 16.12.1999, 1 K 1285/98) hat folgende Grundsätze herausgestellt:

  • Eine betriebliche Veranlassung liegt bei einer Einweihungs- und Jubiläumsfeier auch dann noch vor, wenn der Umzug in die neue Praxis bereits Monate vorher erfolgt ist.
  • Allein aus der zeitlichen Nähe zu einem privaten Ereignis (z. B. nur 2 Wochen nach dem Geburtstag) darf nicht der Schluss gezogen werden, dass die Bewirtung insgesamt privat veranlasst war.
  • Entscheidend ist die Zusammensetzung des eingeladenen Personenkreises. Die Liste der Gäste darf nicht gegen eine betriebliche Veranlassung sprechen. Ein geschäftlicher Anlass liegt z. B. vor, wenn nur Personen eingeladen sind, zu denen eine geschäftliche Beziehung besteht bzw. angebahnt werden soll. Es schadet nicht, wenn jeweils auch die Ehegatten eingeladen sind.
  • Findet die Feier im privaten Garten statt, spricht dies nicht gegen die betriebliche Veranlassung.

Aufwendungen einer GmbH für eine Feier anlässlich des 80. Geburtstags des Gesellschafter-Geschäftsführers sind keine verdeckte Gewinnausschüttung (d. h. nicht privat veranlasst), wenn der betriebliche Anlass den privaten überlagert. Bei der Beurteilung ist der Veranstaltungsort und die Zusammensetzung der Gäste ebenso maßgebend wie die Frage, wer Gastgeber ist. Trotz eines herausgehobenen persönlichen Ereignisses können Aufwendungen einer GmbH anlässlich des 80. Geburtstags des Gesellschafter-Geschäftsführers beruflich veranlasst sein (Einzelfallbetrachtung; im Urteilsfall hatte die Geschäftsführung der GmbH eingeladen, bei den Gästen handelte es sich weitgehend um betriebliche Kontakte, die Veranstaltung fand im Betrieb (Fertigungshalle) statt, es wurden Betriebsbesichtigungen durchgeführt und es gab eine strikt getrennte private Feier) (FG Saarland, Urteil v. 9.7.2014, 1 K 1332/12).

Praxis-Tipp: Gästeliste als Dokumentation

Es ist sinnvoll, eine Gästeliste zu erstellen und den betrieblichen Anlass festzuhalten. Ein evtl. vorhandenes privates Ereignis tritt dann in den Hintergrund, sodass die Bewirtungskosten als Betriebsausgaben abgezogen werden können.

Trennung von geschäftlichen und betrieblichen Bewirtungskosten

Bei den steuerlich abziehbaren Bewirtungskosten dürfen die

  • geschäftlichen Bewirtungskosten nur zu 70 % und die
  • betrieblichen Bewirtungskosten zu 100 %

als Betriebsausgaben abgezogen werden.

Alles, was keine betriebliche Bewirtung ist, wird als geschäftliche Bewirtung eingestuft. Die geschäftlichen Bewirtungen umfassen im Wesentlichen die Bewirtungen zur Pflege und Anbahnung von Geschäftsbeziehungen (BFH, Urteil v. 18.9.2007, I R 75/06).

Die Unterscheidung bei den Bewirtungskosten wirkt sich zum einen auf die Höhe der abziehbaren Kosten aus. Zum anderen wirkt sie sich auch auf die Aufzeichnungspflichten aus, weil nur die zu 70 % abziehbaren Bewirtungskosten einzeln und gesondert aufgezeichnet werden müssen.

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