10.03.2015 | Top-Thema Betriebswirtschaftliche Auswertung

Die wichtigsten BWA-Varianten

Kapitel
Die Varianten der Betriebswirtschaftlichen Auswertung sind vielfältig.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die BWA kann also je nach Interesse und nach Entscheidungsbedarf verschiedene Daten bereitstellen. In unserem zweiten Teil des Top-Themas geben wir Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Varianten, welche Zahlen zugrunde gelegt werden und welche Informationen Sie damit gewinnen.

Die wichtigsten BWA-Varianten sind:

Grundform der BWA

Vergleichende BWA

Weitere BWA

Kurzfristige Erfolgsrechnung

Soll-Ist-Vergleich

Betriebswirtschaftlicher

Kurzbericht

Bewegungsbilanz

Vorjahresvergleich

Kapitalflussrechnung

Statische Liquidität

Jahresübersicht

Rating-BWA

Kurzfristige Erfolgsrechnung: Schlüsselloch zum Ertrag

Der wirtschaftliche Erfolg eines Unternehmens wird in der Kurzfristigen Erfolgsrechnung dargestellt. Der Blick gilt hier meist dem vorläufigen Ergebnis – also dem Ertrag, der im betreffenden Zeitraum zustande gekommen ist. In der Kurzfristigen Erfolgsrechnung werden unter anderem folgende Positionen aufgeführt:

  • Umsatzerlöse
  • Material- und Wareneinsatz
  • Fremdleistungen
  • Personalkosten
  • Raumkosten
  • Versicherungen
  • Werbe- und Reisekosten oder auch
  • Sonstige Kosten.

Beim Wareneinsatz ist z. B. darauf zu achten, dass dieser nicht mit dem Wareneinkauf verwechselt werden darf. Oft lohnt auch ein detaillierter Blick in die Sonstigen Kosten:

Hier verstecken sich zahlreiche Kosten, die das Buchhaltungsprogramm keiner anderen Kostenart zurechnen kann. Vor allem kleinere Unternehmen sollten sich diese Position genau anschauen, wenn es etwa darum geht, Kostentreiber zu erkennen.

Praxis-Tipp: Summen- und Saldenliste zur Kostenanalyse nutzen

Gerade in kleinen Unternehmen fragt man sich häufig, was es mit dem Auffangbecken der Sonstigen Kosten auf sich hat. Ein Blick in die Summen- und Saldenliste hilft. Denn hier ist jedes einzelne bebuchte Konto mit dem Gesamtbetrag aufgeführt. Da die Position der Sonstigen Kosten die Konten 6800 bis 6865 (SKR 04) umfasst, lohnt es sich diese Konten genauer anzuschauen – vor allem, wenn die Summe bei den Sonstigen Kosten stark gestiegen ist. Ist z. B. der Büroeinkauf (6815) teurer geworden, weil man neue Drucker mit höherem Tonerverbrauch angeschafft hat? Haben sich die Telefon- und Internetkosten (6805, 6810) verändert, weil man den Anbieter gewechselt hat? Oder wurde Bürotechnik geleast statt gekauft (6840)? Diese Punkte können Hinweise darauf geben, warum sich der Ertrag – z. B. im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum – verändert hat.

Der Wert der kurzfristigen Erfolgsrechnung

Die kurzfristige Erfolgsrechnung bietet außerdem erste Möglichkeiten, die entstandenen Kosten einzuordnen: Hier wird z. B. beziffert, in welchem Verhältnis bestimmte Ausgaben (oder Einnahmen) zu den Gesamtkosten (oder Umsätzen) stehen.

Am Ende zeigt die Kurzfristige Erfolgsrechnung 2 Ergebnisse: zum einen das Betriebsergebnis und zum anderen das Vorläufige Ergebnis. Mit Blick auf die eigentliche Geschäftstätigkeit ist das Betriebsergebnis aussagekräftig. Denn es stellt Umsatz auf der einen sowie fixe und variable Kosten auf der anderen Seite in einen Zusammenhang. Besondere einmalige Vorkommnisse – z. B. der Verkauf von Anlagevermögen – bleiben hier unberücksichtigt. Das vorläufige Ergebnis hingegen spiegelt den Verdienst des Unternehmens wider.

Bewegungsbilanz: Wo ist der Ertrag geblieben?

An dieser Stelle macht so mancher den Realitätsabgleich: So viel sollen wir verdient haben? Wo ist denn dieser Ertrag geblieben? Auch diese Frage kann die BWA beantworten – mithilfe der Bewegungsbilanz. Hier wird übersichtlich dargestellt, wofür die finanziellen Mittel verwendet wurden und wo sie herkamen. Die Vermögens- und Kapitalpositionen – Maschinen, Bürogeräte, Bankguthaben, Eigen- und Fremdkapital – werden in der Bewegungsbilanz verschiedenen Euro-Beträgen zugeordnet. Das vorläufige Ergebnis ist hier ebenfalls zu finden, in der Zeile „vorläufiger Gewinn/Verlust“. Die eigentliche Aussage darüber, wo das Geld geblieben ist, trifft die Spalte „Erhöhung der Aktiva/Minderung der Passiva“.

Liquiditätsplanung

Die Frage nach dem finanziellen Status kann nur dann abschließend beantwortet werden, wenn auch die Liquidität berücksichtigt wird. Liquidität bedeutet in diesem Zusammenhang nichts anderes als die ausreichende Zahlungsfähigkeit des Unternehmens. Können Rechnungen bezahlt werden, können Verbindlichkeiten fristgerecht und vollständig bedient werden? Sollte sich hier eine Liquiditätslücke abzeichnen, ist es wichtig rechtzeitig gegenzusteuern. Hilfreich ist hier eine Liquiditätsplanung, die vor allem diese Punkte ins Blickfeld rückt:

Die wichtigsten Punkte der Liquiditätsplanung

  • Wie hoch wird der Umsatz im definierten Zeitraum voraussichtlich ausfallen?
  • Wie hoch werden die Kosten im gleichen Zeitraum sein?
  • Wann werden die ausstehenden Rechnungen im definierten Zeitraum voraussichtlich bezahlt?
  • Ist im gleichen Zeitraum Kapitaldienst zu leisten (Tilgungen, Zinsen)?
  • Welche Investitionskosten fallen in dieser Zeit an?
  • Wie viel Geld muss regelmäßig für den Lebensunterhalt aus dem Unternehmen entnommen werden?

Immer schön flüssig: die Statische Liquidität

Die BWA-Variante „Statische Liquidität“ dient als Assistent für die Liquiditätsplanung des Unternehmens. Der Begriff erscheint widersprüchlich – statische Liquidität heißt jedoch nichts anderes, als dass die Liquidität zu einem Abrechnungszeitpunkt festgehalten wird. In der Auswertung werden Barmittel, kurzfristige Forderungen und Verbindlichkeiten sowie weiteres Umlaufvermögen aufgeführt. Mit letztgenanntem sind der Warenbestand oder auch Aufträge gemeint, die gerade in Arbeit sind.

Die Barliquidität sagt etwas darüber aus, ob Kontokorrentkredite durch andere finanzielle Mittel – etwa durch die Kasse oder andere Gelder – gedeckt sind. Dies ist häufig nicht der Fall, es kommt zu einer Unterdeckung. Die Liquidität 2. Grades erweitert die Analyse um die Forderungen und Verbindlichkeiten, die demnächst auf das Unternehmen zukommen. Die Statische Liquidität ist jedoch isoliert nur bedingt aussagekräftig, weil sie z. B. außer Acht lässt, welchen Spielraum das Kontokorrent noch hergibt oder wann Forderungen gezahlt werden. In jedem Fall sollten die flüssigen Mittel und die Kundenforderungen so hoch sein, dass die Rechnungen der Lieferanten und die anderen Verpflichtungen vollständig bezahlt werden können. Im besten Fall sollte noch etwas übrig bleiben.

Früher war alles besser: Der Vorjahresvergleich

Analyse ist gut – Vergleich ist besser. Frei nach diesem Motto sollte man sich mindestens 2 weitere BWA-Spielarten genau ansehen: den Soll-Ist-Vergleich sowie den Vorjahresvergleich. Wer (noch) keinen Geschäftsplan zu seinen Kennzahlen hat, kann mit dem Vorjahresvergleich beginnen und daraus Zahlen für den Soll-Ist-Vergleich entwickeln.

Im Vorjahresvergleich lassen sich sämtliche Zeiträume – Monate, Quartale und das Gesamtjahr – betrachten. Der Vergleich der Umsatzerlöse liefert z. B. Hinweise darauf, ob erfolgreich Akquise betrieben wurde oder ob Kunden abgesprungen sind. Vielleicht arbeitet das Unternehmen derzeit aber auch an größeren Projekten, die erst später abgerechnet werden.

Fast jedes Unternehmen in jeder Branche unterliegt saisonalen Schwankungen. Nicht immer liegen diese – wie in der Baubranche – offen auf der Hand. Der Vorjahresvergleich – ggf. mit Blick auf mehrere Vorjahre – zeigt, welche Monate tendenziell schwächer sind als andere und welche besser. Diese Erkenntnis wiederum sollte Rückschlüsse für den Geschäftsalltag liefern: Ist ein bestimmter Zyklus erkennbar, können für stärkere Monate freie Projektmitarbeiter eingekauft werden. In schwächeren Monaten kann sich das Unternehmen der internen Analyse oder auch der Akquise widmen und dies zielgenau planen.

Plan erfüllt? Der Soll-Ist-Vergleich

Jeder Unternehmer nimmt sich für ein neues Geschäftsjahr etwas vor: Dazu sollte gehören, die zentralen Kennziffern der BWA festzuzurren und Werte vorzugeben, an denen sich der betriebliche Alltag orientieren sollte. Diese Planzahlen können in jedem Bereich festgelegt werden – bei den einzelnen Kosten, beim Umsatz oder auch bei den Privatentnahmen. Anhaltspunkte für Planzahlen können die Werte der vorangegangenen Jahre liefern: Häufig gibt es hier immer wieder ähnliche Knackpunkte, etwa bei den Kosten für Personal und Dienstleister, die es zu beobachten gilt. Aber auch in anderen Kostenarten können sich erhebliche Abweichungen ergeben, denen Unternehmer auf den Grund gehen sollten.

Der Soll-Ist-Vergleich kann – etwa beim Blick auf das vorläufige Ergebnis – auch ein Hinweis sein, die Steuervorauszahlungen zu verändern. Läuft das Geschäft wesentlich schlechter als geplant, ist das Herabsetzen der Vorauszahlungen ein Beitrag zu mehr Liquidität im Unternehmen. Sind die Zahlen dagegen erfreulich gut und besser als anvisiert, sollten die Vorauszahlungen nach oben korrigiert werden. Sonst droht am Ende des Jahres eine unliebsame Überraschung in Form einer hohen Steuernachzahlung.

Praxis-Beispiel: Ein teures Werbeprojekt

Die Werbekosten lagen in den vergangenen Jahren immer bei ähnlichen Summen – mal waren es einige hundert Euro mehr, mal etwas weniger. Im laufenden Quartal zeigt der Soll-Ist-Vergleich jedoch, dass die Werbekosten explodiert sind: Eine Zunahme von mehr als 200 % werden dort ausgewiesen. Woran hat es gelegen? Die Antwort ist in diesem Beispiel schnell zu finden: Die Entwicklung eines neuen Unternehmensslogans hat es erforderlich gemacht, sämtliche Geschäftsausstattung, Broschüren sowie den Internetauftritt neu zu gestalten. Dafür fielen deutlich mehr Kosten an, als in den Planzahlen vorhergesehen. Zwar ist dies ein einmaliges Vorkommnis, jedoch sollte man daraus ableiten, inhaltliche geschäftliche Entscheidungen in der Jahresplanung auch in den finanziellen Kennzahlen abzubilden – und gegebenenfalls Puffer einzurichten.

Schlagworte zum Thema:  Analyse, Daten

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