27.04.2012 | Top-Thema Betriebsausgaben: gemischte Aufwendungen

Aufteilung gemischter Aufwendungen

Kapitel
Bild: Haufe Online Redaktion

Es handelt sich dann um gemischte Aufwendungen, wenn sie sowohl privat als auch betrieblich veranlasst sind. Abziehbar ist nur der betriebliche bzw. berufliche Teil der Aufwendungen. Um die Aufwendungen aufteilen zu können, müssen Sie einen plausiblen Aufteilungsmaßstab finden.

Dieser richtet sich nach Art und Anlass, bei dem die gemischten Aufwendungen entstehen. Bei gemischten Reisen können die Aufwendungen nach Zeitanteilen aufgeteilt werden und bei Veranstaltungen nach der Zahl der teilnehmenden Personen. Der private und betriebliche/berufliche Anteil kann, wenn kein anderer Aufteilungsmaßstab vorhanden ist, auch nach Prozentanteilen geschätzt werden.

Aufwendungen, die auch betrieblich veranlasst sind

Gemischte Aufwendungen können nur dann aufgeteilt werden, wenn der betriebliche bzw. berufliche Anteil der Aufwendungen mindestens 10% beträgt. Liegt der betriebliche bzw. berufliche Anteil aber unter 10%, dürfen die allgemeinen Kosten nicht aufgeteilt und als Betriebsausgaben abgezogen werden. Bei der umgekehrten Situation, bei der die private Mitveranlassung unter 10% liegt, können alle Aufwendungen als Betriebsausgaben abgezogen werden, soweit es keine anderweitigen gesetzlichen Einschränkungen gibt.

Die Aufwendungen, die ausschließlich betrieblich bzw. beruflich veranlasst sind, können immer zu 100% als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abgezogen werden und zwar auch dann, wenn die betriebliche Veranlassung im Übrigen von untergeordneter Bedeutung ist.

Höhe der Aufwendungen, die nicht abziehbar sind

Steht fest, dass der betriebliche Anteil bei den gemischten Aufwendungen nicht von untergeordneter Bedeutung ist, muss der richtige Aufteilungsmaßstab gefunden werden. Wird der Aufteilungsmaßstab nach Zeit-, Mengen- und Flächenanteilen oder nach der Anzahl der Personen ermittelt, liegen eindeutige und klar nachvollziehbare Kriterien vor  

Gemischte Aufwendungen, die nicht aufteilbar sind

Immer dann, wenn keine klaren Abgrenzungskriterien vorhanden sind, muss der betriebliche Anteil geschätzt werden. Die Finanzverwaltung lehnt eine Aufteilung allerdings ab, wenn bei gemischten Aufwendungen die betrieblichen und privaten Anlässe so ineinandergreifen, dass eine Trennung nicht möglich ist bzw. die Grundlage für eine Schätzung nicht ermittelt werden kann (BMF-Schreiben vom 6.7.2010, IV C 3 – S 2227/07/10003:02, 2010/0522213).

Es ist nicht einfach zu beurteilen, ob bei gemischten Aufwendungen die betrieblichen und privaten Anlässe so ineinandergreifen, dass eine Trennung nicht möglich ist. Das BMF lehnt die Aufteilung der gemischten Aufwendungen in folgenden Fällen ab:

  • Kosten für den Bezug einer überregionalen Zeitung können trotz des Bezugs einer regionalen Zeitung nicht, auch nicht teilweise als Betriebsausgaben abgezogen werden
  • Aufwendungen für Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz von Leben, Gesundheit, Freiheit und Vermögen
  • Aufwendungen eines Ausländers für das Erlernen der deutschen Sprache
  • Einbürgerungskosten zum Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit
  • Kosten für den Erwerb eines Führerscheins

Bei Auslandsgruppenreisen ist unverändert danach zu entscheiden, ob eine betriebliche Veranlassung vorliegt. Ist die Auslandsgruppenreise zu einem beachtlichen Teil privat mitveranlasst, lässt die Finanzverwaltung den Abzug insgesamt nicht zu.

Kontierungs-Praxis-Tipp

Unternehmer können bei gemischten Aufwendungen den Umfang des betrieblichen Anteils schätzen. Es kommt darauf an, dass die Schätzung plausibel (nachvollziehbar) ist. Lehnt das Finanzamt eine Aufteilung ab, weil es keine Grundlage für eine Schätzung ermitteln kann, wird es schwierig. Schätzungen haben zwangläufig immer eine gewisse Unschärfe.

Für die Zukunft gilt: Es sollte immer versucht werden, einen Prozentsatz zu finden, der glaubhaft vertreten werden kann. In vielen Fällen wird eine Aufteilung im Verhältnis 50 : 50 angebracht sein.

Schlagworte zum Thema:  Aufwendungen, Betriebsausgaben, Bundesfinanzhof (BFH)

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