GWG-Grenze

Die betragsmäßige GWG-Grenze pro angeschafftem Wirtschaftsgut liegt seit dem 1.1.2018 bei 800 EUR ohne Umsatzsteuer; zuvor galt die Grenze von 410 EUR (GWG 2017). Nach wie vor kann zwischen drei verschiedenen Abschreibungsverfahren von geringwertigen Wirtschaftsgütern gewählt werden.

Abschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter: Drei Möglichkeiten

Bei Wirtschaftsgütern, die seit 2018 angeschafft wurden, haben Unternehmer, die den Gewinneinkunftsarten, wie Einkünfte aus Gewerbebetrieb oder selbstständiger Arbeit unterliegen, bei der Abschreibung von GWG steuerlich grundsätzlich drei Möglichkeiten:

  • Bei Anschaffungskosten bis 250 EUR: Sofortabschreibung
  • Bei Anschaffungskosten zwischen 250,01 EUR und 800 EUR: Wahlweise Sofortabschreibung (§ 6 Abs. 2 EStG) oder Poolabschreibung, d.h. Bildung eines Sammelpostens (§ 6 Abs. 2a EStG)
  • Für alle Wirtschaftsgüter mit Anschaffungs- oder Herstellkosten zwischen 800,01 EUR und nicht mehr als 1.000 EUR: Poolabschreibung oder auch Regelabschreibung über die Nutzungsdauer nach der AfA-Tabelle

Während die Sofortabschreibung der GWG 2019 für jedes Wirtschaftsgut einzeln ausgeübt werden kann, müssen bei der Poolabschreibung alle in einem Wirtschaftsjahr erworbenen GWG einbezogen werden, d.h. auch jene, die zwischen 250,01 EUR und 800 EUR liegen. Bedenken Sie daher genau Ihre Entscheidung, denn die Abschreibungsdauer für diesen Sammelposten liegt bei 5 Jahren.

Anschaffungs- oder Herstellungskosten, Einlagewert ohne UmsatzsteuerRegelung für Steuerpflichtige der Gewinneinkunftsarten
bis 250 EUR1) Sofortabschreibung, ohne Verzeichnis
zwischen 250,01 EUR und 800 EUR2) Sofortabschreibung mit Verzeichnis oder Poolabschreibung
zwischen 800,01 EUR und nicht mehr als 1.000 EUR3) Poolabschreibung oder Regelabschreibung
über 1.000 EUR4) aktivieren

Geringwertiges Wirtschaftsgut: Sofortabschreibung (Nr. 1 und Nr. 2)

Steuerpflichtige der Gewinneinkunftsarten können seit dem 1.1.2018 die Anschaffungs- oder Herstellkosten (AHK) von GWG bis zur Höhe von 250 Euro (GWG 2017: 150 EUR) sofort ohne Verzeichnis als Betriebsausgabe berücksichtigen (Sofortabzug).

Hinweis: Hat der Unternehmen im Vorjahr den Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG geltend gemacht und mindern sich dadurch die Anschaffungskosten für das Wirtschaftsgut entsprechend um 40 %, kann es sein, dass erst dadurch die GWG-Grenze unterschritten wird und somit ein Sofortabzug möglich ist.

GWG-Verzeichnis (Nr. 2)

Für GWG im Wert zwischen 250,01 und 800 EUR (GWG 2017: 410 EUR) müssen Steuerpflichtige der Gewinneinkunftsarten ein GWG-Verzeichnis anlegen, das sowohl den Tag der Anschaffung, Herstellung oder Einlage ins Betriebsvermögen als auch die Anschaffungs- und Herstellungskosten ausweist.

Hinweis: Sind die Angaben ohne Weiteres aus der Buchführung ersichtlich, z. B. auf einem Kontoblatt, kann auf das Verzeichnis verzichtet werden.

GWG: Sammelposten bilden bzw. Poolabschreibung (zu Nr. 2 und Nr. 3)

Steuerpflichtige der Gewinneinkunftsarten können die Poolabschreibung wählen (§ 6 Abs. 2a EStG) und alle selbstständig nutzbaren Wirtschaftsgüter mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten zwischen 250,01 und 1.000 EUR  in einen Sammelposten pro Wirtschaftsjahr aufnehmen, der 5 Jahre lang gleichmäßig mit jeweils 1/5 abgeschrieben wird (Poolabschreibung). Die betriebsübliche Nutzungsdauer der einzelnen GWG sowie Veräußerungen oder Entsorgungen der GWG in diesem Zeitraum spielen keine Rolle. Zuschreibungen erhöhen hingegen den Wert des GWG-Pools ab dem Jahr der Zuschreibung.

Hinweis: Im Vergleich zur Sofortabschreibung ergibt sich bei der Poolabschreibung in der Regel ein Barwertnachteil – nicht jedoch, wenn es sich um Wirtschaftsgüter mit Nettoanschaffungskosten zwischen 800,01 und 1.000 EUR und einer regelmäßigen Nutzungsdauer von mehr als fünf Jahren handelt. Dann führt die Poolabschreibung zu einem steuerlichen Vorteil. Im Einzelfall ist hier zu entscheiden, ob dieser Vorteil den Nachteil überwiegt, der dadurch entsteht, dass die Poolabschreibung für alle in einem Wirtschaftsjahr angeschafften, hergestellten oder eingelegten Wirtschaftsgüter einheitlich anzuwenden ist. Die Möglichkeit der Sofortabschreibung der GWG mit Nettoanschaffungskosten zwischen 250,01 und 800 EUR entfällt in diesem Fall.

Lineare Abschreibung (Zu Nr. 4)

Handelt es sich um ein Wirtschaftsgut, das den Betrag von 1.000 EUR übersteigt, muss es als Betriebs- und Geschäftsausstattung aktiviert werden und gemäß der AfA-Tabelle über seine Nutzungsdauer abgeschrieben werden (lineare Abschreibung).

Weitere Anhebung der Sofortabschreibung auf 1.000 EUR gefordert

Der Bundesrat hat bereits am 21.9.2018 in seiner Stellungnahme zum Jahressteuergesetz 2018 eine weitere Anhebung der GWG-Sofortabschreibungsgrenze von bislang 800 EUR auf 1.000 EUR gefordert. Auch im Rahmen des Bürokratieentlastungsgesetzes III, das im November 2019 beschlossen wurde, wurde die Anhebung der GWG-Grenze auf 1000 EUR sowie eine mögliche Abschaffung der Sammelposten wieder erneut diskutiert. Leider jedoch ohne Erfolg, da die Regelung in den verabschiedeten Gesetzen bislang immer wieder gestrichen wurde. Dennoch würde eine solche Regelung nach wie vor eine große Erleichterung für Betriebe darstellen und wäre deshalb in besonderem Maße zu begrüßen. Es bleibt abzuwarten, ob diese steuerliche Erleichterung in ein anderes Gesetzgebungsverfahren einfließen wird.

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