08.04.2014 | Top-Thema Bilanzbuchhalterprüfung: Missstände

Gibt es die Möglichkeit Prüfungsergebnisse anzufechten?

Kapitel
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

In unserem 3. Teil unseres Top-Themas zeigen wir auf, was man machen kann, um gegen möglicherweise falsche Prüfungsergebnisse und Korrekturen vorzugehen. Beispiel: Widerspruch einlegen oder beim Verwaltungsgericht klagen.

Widerspruch einlegen

Die Prüfungsteilnehmer haben die Möglichkeit, Widerspruch gegen Ergebnisse der Prüfung einzulegen. Wenn Prüfungskandidaten den Eindruck oder sogar die Gewissheit haben, dass ihre Arbeiten eine bessere Note verdient hätten, legen sie oft trotzdem keinen Widerspruch ein, weil sie Sorge haben, sie würden beim erneuten Prüfungsversuch benachteiligt. Setzen sie sich darüber hinweg, werden diese Widersprüche – soweit ersichtlich – ausnahmslos zurückgewiesen. Es widerspricht schon allein der Lebenserfahrung, dass die IHK immer, der widersprechende Prüfungskandidat aber niemals Recht hat.

Die Mitglieder der Prüfungsausschüsse sollten die Größe haben einzusehen, dass sie sich bei der Korrektur von Prüfungsaufgaben irren können. Hinzuweisen ist auf unterschiedliche Verfahrensweisen bei den einzelnen IHK betreffend Einsichtnahme und Widerspruch. So wird nicht selten ein Widerspruch zu einem der beiden Prüfungsfächer aus Prüfungsteil A erst nach Ablegung von Prüfungsteil B zugelassen, womit das Widerspruchsverfahren an sich ad absurdum geführt wird. Es wird schon seit Jahren gefordert, „Ausführungsbestimmungen zur Bilanzbuchhalterprüfungsordnung vom 18.10.2007“ zu erlassen, die für alle IHK bindend sind.

Ziel ist es, bundesweit zu einer einheitlichen Durchführung der Prüfung zu kommen mit verlässlichen Regelungen, die im Übrigen auch eine einheitliche Beratung ermöglicht. Die Erhebung einer Gebühr für die Bearbeitung eines Widerspruchs sollte grundsätzlich entfallen; das sollte mit der Prüfungsgebühr (kalkulatorisch) abgedeckt sein.

Klage beim Verwaltungsgericht

Bei einem abgelehnten Widerspruch haben die Prüfungskandidaten die Möglichkeit, beim zuständigen Verwaltungsgericht zu klagen. Hier besteht schon eine hohe Hürde darin, dass die Kläger zunächst einmal – ungeachtet des wahrscheinlichen Ausgangs des Verfahrens – bezüglich der Gerichtskosten in finanzielle Vorlage treten müssen.

Wenn sie beabsichtigen, einen Anwalt mit der Vertretung zu beauftragen, übersteigt das in der Regel die finanziellen Möglichkeiten eines angehenden Bilanzbuchhalters.

In den seltenen Fällen einer Klage tendiert die Erfolgsquote ebenfalls gegen Null. In diesen Auseinandersetzungen neigen die Verwaltungsgerichte dazu, die Meinung zu vertreten, sie könnten ein Urteil aus eigener Sachkenntnis nicht fällen und man müsse deshalb die Beurteilung der Prüfer als richtig ansehen. Tatsächlich sind auch die Richter an den Verwaltungsgerichten keine „Oberkorrektoren“. Dennoch sollten die Gerichte den Klagen stattgeben, wenn „offensichtliche Einschätzungs oder Bewertungsfehler vorliegen oder das Gleichheitsgebot verletzt worden ist.

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Schlagworte zum Thema:  Bilanzbuchhalterprüfung, Bilanzbuchhalter

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