08.04.2014 | Top-Thema Bilanzbuchhalterprüfung: Missstände

Bestehensquoten zwischen 15% und 100%

Kapitel
Bild: MEV-Verlag, Germany

Seit Jahren gibt es keine plausiblen Statistiken zur Bilanzbuchhalterprüfung. Stimmende Statistiken sind aber für die interessierte Öffentlichkeit (Teilnehmer, Dozenten, Prüfer, Lehrgangsträger, Unternehmer, die IHK selbst) unbedingt erforderlich, insbesondere für Planungs- und Organisationszwecke.

Auch ohne plausible Statistiken ist aber bekannt, dass die Bestehensquote in der Bilanzbuchhalterprüfung bei den einzelnen Industrie- und Handelskammern – bei bundeseinheitlich gleichen Prüfungsaufgaben! – zwischen 15 und 100 % schwankt. Damit ist offenkundig, dass viele Teilnehmer an Kammern mit einer weit unter dem Durchschnitt liegenden Bestehensquote benachteiligt sind, dass ihnen also Unrecht geschieht.

Beurteilung der Ergebnisse wird erschwert

Nach Mitteilung der Ergebnisse der schriftlichen Prüfung können Prüfungskandidaten den Eindruck haben, dass ihre Noten eigentlich besser sein müssten. Bei einer Bestehensquote, die bei nicht wenigen Kammern weit unter 50 % bis hin zu 15 % liegt, tritt dieser Fall häufig auf. In solchen Fällen müssen die Prüfungskandidaten die Gelegenheit haben zu überprüfen, ob die Bewertung ihrer Arbeiten den Grundsätzen ordnungsgemäßer Beurteilung entspricht. Nur ganz wenige IHK händigen in solchen Fällen den Prüfungskandidaten Kopien der Prüfungsarbeiten mit ihrer Bewertung aus, damit eine solche Überprüfung stattfinden kann. Andere Kammern händigen keine Kopien aus, gewähren aber zur Einsicht eine angemessene Zeit, in der die Prüfungsarbeiten mit ihren Bewertungen abgeschrieben werden können.

Manche Kandidaten behelfen sich zur Vermeidung einer solch überflüssigen Zeitverschwendung damit, die Arbeiten mit ihren Handys zu fotografieren. Oft ist dann allerdings eine gute Leserlichkeit nicht gewährleistet. Schließlich gewähren viele Kammern zur Einsicht nur eine sehr begrenzte Zeit, z. B. 30 Minuten, in denen „unter Aufsicht“ nur Notizen erlaubt sind. Wird eine Einsicht gewährt, müssten bei der „Einsicht“ mindestens die Aufgaben und die Lösungen vorgelegt werden, damit der Prüfungskandidat seine Ausführungen mit der „Sollerwartung“ vergleichen kann.

Es ist  unangebracht, den Prüfungskandidaten solche Hindernisse in den Weg zu legen. Zudem wird mit der Prüfungsanmeldung und -zulassung ein beiderseitiger Vertrag eingegangen, der aber nicht dahin ausgelegt werden kann, dass die schriftlichen Prüfungsleistungen allein der IHK zur Nutzung zustehen. Es ist das selbstverständliche Recht jedes Prüfungskandidaten, die Ergebnisse seiner schriftlichen Arbeiten zu überprüfen. Das kann er nur, wenn ihm die Arbeiten in Kopie mit ihrer Bewertung vollständig vorliegen. Deshalb muss es auch eine Selbstverständlichkeit sein, dass die Kammern Kopien der geschriebenen Arbeiten, der Prüfungsaufgaben und ihrer Lösungen aushändigen. Die Weigerung, Kopien auszuhändigen, bedeutet, dass das Recht auf Widerspruch praktisch nicht gewährt wird.

Pflicht zur Überlassung von Kopien der Prüfungsarbeiten

Die Pflicht zur Überlassung von Kopien der Prüfungsarbeiten ergibt sich auch aus der Verwaltungsgerichtsrechtsprechung. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat im Urteil vom 26.8.1977 entschieden, dass dem Prüfungsteilnehmer Fotokopien auszuhändigen sind. Die Zusammenfassung im Internet lautet: „Der Prüfling darf auch Fotokopien von den Akten anfertigen, z. B. um diese für sich selbst zu archivieren oder einem Anwalt zukommen zu lassen. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat nämlich festgestellt, dass Prüfungsakten nicht geheim zu halten sind. Dabei muss die Behörde allerdings nicht die Fotokopien selbst anfertigen. Die Kosten dafür hat der Prüfling zu tragen.“

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Schlagworte zum Thema:  Bilanzbuchhalter, Bilanzbuchhalterprüfung

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