Jörg Baetge/Peter Wollmert/... / VI. Herausforderungen und offene Fragen der integrierten Berichterstattung
 

Tz. 334

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Aus EnBW-Sicht ist es eines der wesentlichen Ziele der integrierten Berichterstattung, die klassische Finanzberichterstattung explizit auf den gesamten Wertschöpfungsprozess des Unternehmens auszudehnen, und alle Kapitalien und Ressourcen in die Berichterstattung mitaufzunehmen. So sollen ua. nichtfinanzielle Aspekte, die idR in separaten Nachhaltigkeitsberichten abgebildet wurden, auf ihre Wesentlichkeit für den Unternehmenserfolg und den Auswirkungen auf die Gesellschaft überprüft werden und bei entsprechender Bedeutung für die EnBW in den Bericht aufgenommen werden.

Es ist außerdem aus Unternehmenssicht wünschenswert, die Anzahl der Berichtstypen generell zu reduzieren Dies bedeutet im Umkehrschluss jedoch nicht, dass es keine stakeholder-spezifischen Kommunikationskanäle mehr geben soll, sondern dass der integrierte Bericht der Ausgangspunkt für alle wesentlichen Elemente darstellt und darüber hinaus mit Veröffentlichungen in verschiedenen Formaten, von gedruckten, elektronischen bis zu virtuellen, ergänzt wird.

 

Tz. 335

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Dennoch sind noch nicht alle zentralen wichtigen Fragen geklärt. Viele der entscheidenden Fragen treten erst bei der konkreten Umsetzung des Rahmenwerks auf. Einige der grundlegenden Fragen, die im Rahmen der Arbeit des Konzernprojekts immer wieder Gegenstand interner und externer Diskussion waren, werden hier kurz vorgestellt:

Die Frage, ob von der integrierten Berichterstattung zukünftig neben den Investoren auch noch andere Stakeholder profitieren werden;
die Frage, ob die integrierte Berichterstattung nur einer reinen Berichtsoptimierung dient und lediglich zwei bisher getrennte Berichte in einem Dokument zusammenführt;
weiterhin die bereits im theoretischen Teil erörterte Frage, ob die deutsche Lageberichtserstattung nicht nur kompatibel mit dem IIRC-Rahmenwerk ist, sondern deren Inhalte bereits umfasst;
auch stellte sich die Frage, ob die integrierte Berichterstattung mit dem bestehenden internen Berichtserstellungsprozess zu bewerkstelligen ist oder ob neue IT-Lösungen notwendig sind und ob für finanzielle und nichtfinanzielle Aspekte der gleiche Konsolidierungskreis Anwendung finden soll und welche Implikationen dies für die Unternehmenssteuerung hat.

1. Adressatenfokus der integrierten Berichterstattung

 

Tz. 336

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Ist die integrierte Berichterstattung eine Abkehr von einer klassischen Shareholder Value Berichterstattung?

Investoren sind im IIRC-Rahmenwerk als Hauptadressaten (s. IR Rahmenkonzept 1.7 ›providers of long-term capital‹) genannt, gleichzeitig sollen aber auch die Informationsbedürfnisse weiterer Stakeholder befriedigt werden. Hier bleibt die Frage im Raum stehen, ob es sich um eine Erweiterung der klassischen Shareholder Value Berichterstattung handelt. Nach Auffassung der EnBW stellt die breitere Ausrichtung der integrierten Berichterstattung eine wesentliche Neuerung im Vergleich zur bisherigen traditionellen Berichterstattung dar. Die neue Form der Informationszusammenstellung und -aufbereitung richtet sich an einen größeren Adressatenkreis, gleichzeitig erhalten alle Stakeholdergruppen noch direkter und verständlicher die von ihnen nachgefragten Informationen. Die integrierte Berichterstattung trägt damit aus EnBW-Sicht den Entwicklungen in den letzten drei Jahrzehnten Rechnung. Unternehmen sind zunehmend stärker aufgefordert, – auch in der Finanzberichterstattung – ihre gesellschaftliche Verantwortung zu definieren. Sie richten sich mit ihren Maßnahmen und Aktivitäten und auch in der Geschäftsberichterstattung an einen erweiterten Leserkreis.

2. Hauptziel(e) der integrierten Berichterstattung

 

Tz. 337

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Stellt die integrierte Berichterstattung mehr als eine reine Berichtsoptimierung – im Sinne der Kürzung und Verschlankung des Geschäftsberichts – dar?

Die integrierte Berichterstattung stellt aus EnBW-Sicht eine prägnantere Form der Berichterstattung dar, die die wesentlichen Interdependenzen zwischen ökonomischen, sozialen, umwelt- und governance-relevanten Aspekten sowie deren kurz-, mittel- und langfristige Auswirkung auf die Unternehmensentwicklung aufzeigt. Es geht also nicht nur um eine vermeintlich einfache und rein technische Zusammenführung von Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbericht, wie es bei einigen empirischen Beispielen derzeit zu sehen ist. Die Beschränkung auf die wesentlichen Themen und deren kompakte und adressatengerechte Darstellung steht im Vordergrund und dies ist in der Berichterstellung explizit zu berücksichtigen.

 

Tz. 338

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Für die EnBW geht das Konzept der integrierten Berichterstattung über eine reine Berichtsoptimierung weit hinaus. Auf der einen Seite bezieht sich dies auf eine Prozessdimension. Im Mittelpunkt steht hier ein integriertes Unternehmensführungskonzept, dass die Steuerungskomponenten über die Messung der Ziele in den Teilbereichen, aber auch die Verknüpfung von finanziellen und nichtfinanziellen Elementen adressiert. Darüber hinaus geht es um eine neue Aufbereitung und Darstellung der Unternehmens...

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