Jörg Baetge/Peter Wollmert/... / IX. Bisheriger Mehrwert der integrierten Berichterstattung für die EnBW

1. Darstellung der finanziellen und nichtfinanziellen Unternehmensleistung

 

Tz. 377

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Die bisherige Finanzberichterstattung bildet nur einen Teil des Gesamtbildes eines Unternehmens ab. Zum Gesamtbild eines Unternehmens gehört neben der wirtschaftlichen auch die gesellschaftliche und ökologische Leistung. Es setzt sich bei diversen Stakeholdern (inkl. bei den Shareholdern) zunehmend die Erkenntnis durch, dass der langfristige Unternehmenserfolg nicht nur von der finanziellen Performance abhängt, sondern auch von dem Erreichen ökologischer und sozialer Ziele. Die neue Form der Unternehmensberichterstattung soll insbesondere die Verknüpfung der unterschiedlichen Teilelemente hervorheben, die zu einer umfassenderen Beurteilung der Unternehmensleistung notwendig sind.

 

Tz. 378

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Dieser Gedanke der Abbildung der Gesamtunternehmensleistung bildet die Grundlage der integrierten Berichterstattung. Die EnBW verfolgt die Erreichung finanzieller und nichtfinanzieller Ziele in unterschiedlichen Dimensionen. So wird zum einen der Einfluss der nichtfinanziellen Aspekte auf die finanzielle Zielerreichung verdeutlicht. Gleichermaßen stellt jedoch die Erreichung von nichtfinanziellen Zielen wie Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit, Versorgungssicherheit oder die Reduktion von Treibhausgasemissionen Werte ›an sich‹ dar, die die Auswirkungen (›impact‹) der EnBW auf ihre Umwelt widerspiegeln (vgl. Definition von Unternehmensverantwortung der EU, EU Strategy 2011–2014 for Corporate Social Responsiblity). Gemäß dieser Definition von Unternehmensverantwortung der EU (›Corporate social responsibility (CSR) refers to companies taking responsibility for their impact on society‹) übernehmen Unternehmen Verantwortung für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft.

2. Mehr Transparenz, Prägnanz, Zukunftsorientierung und Verständlichkeit für mehr Glaubwürdigkeit

 

Tz. 379

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Während die Berichterstattung heute stark von einer Orientierung an verpflichtenden Detailangaben aufgrund regulatorischer Anforderungen geprägt ist, gilt es zukünftig durch größere Transparenz das Vertrauen in die Berichterstattung zu steigern. Die neue Form der Berichterstattung kann somit – so die Überzeugung der EnBW – die Glaubwürdigkeit des Unternehmens bei ihren Stakeholdern erhöhen.

 

Tz. 380

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Der Fokus der Berichterstattung soll sich von vergangenheitsorientierten, finanziellen Informationen hin zu zukunftsorientierten, verbindenden, strategischen und adressatenorientierten Informationen ändern. Als Konsequenz erhofft sich die EnBW ua. einen verbesserten Zugang zum Fremd- und Eigenkapitalmarkt, aber auch eine erhöhtes Verständnis und eine größere Akzeptanz bei der Darstellung der Positionen der EnBW gegenüber verschiedenen Stakeholdern, vom Kunden, über die Politik bis hin zu zivilgesellschaftlichen Akteuren.

3. Integriertes Denken stärkt die Unternehmenskultur

 

Tz. 381

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Die Einführung und Stärkung des integrierten Denkens kann zudem kulturfördernd wirken. Im ersten Schritt erfordert die Einführung einer integrierten Berichterstattung ein Umdenken im Unternehmen. Der regelmäßige Austausch über vormals separat gedachte Teilaspekte wird über gemeinsame Arbeitsgruppen, bspw. bei der Bestimmung nichtfinanzieller Ziele, vertieft.

Über solche Synergieeffekte, aber auch über ein erhöhtes Verständnis der zum Teil gegenläufigen Wechselwirkungen bei der Erreichung verschiedener Ziele, wird die Notwendigkeit integrierten Denkens leichter vermittelt. Durch diese Integrationslogik wird – aus EnBW-Sicht – die Fähigkeit des Unternehmens, gegenwärtig und künftig Werte zu schaffen, deutlicher und verständlicher aufgezeigt und damit auch die Dialogfähigkeit des Unternehmens gestärkt.

 

Tz. 382

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Ein weiterer wichtiger Schritt ist es, die für die Berichterstattung und Steuerung im Unternehmen relevanten und verantwortlichen Akteure davon zu überzeugen, welche Vorschläge des IIRC einen konkreten Mehrwert für die EnBW darstellen. Gemeinsam werden bei der EnBW die Empfehlungen des IR Rahmenkonzepts auf Praxistauglichkeit und Umsetzbarkeit überprüft. Dies führt im Ergebnis dazu, dass die Neuausrichtung der Unternehmenskommunikation auch einen Wandel der Unternehmenskultur erfordert.

4. Erhöhung der Prozesseffizienz bei der Berichterstellung

 

Tz. 383

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Durch ein systematisches Vorgehen im Berichterstellungsprozess werden weitere Effizienzpotentiale gehoben. Zentral für einen aussagekräftigen Bericht ist die Verfügbarkeit robuster Daten auf Basis solider Datenerhebungsprozesse. Ein transparentes ganzheitliches Zielsystem erzeugt nur dann einen Mehrwert für Stakeholder, wenn ein nachvollziehbarer und konsistent erhobener Datensatz vorliegt. Hier stehen alle Unternehmen gerade beim letztgenannten Punkt vor großen Aufgaben, insbesondere bei der Bestimmung und Verwendung eines nach Möglichkeit – sofern zweckmäßig zur Erhöhung der Aussagekraft – einheitlichen Konsolidierungskreises. Auf Basis der Erfahrungen der EnBW haben sich schon verschiedene Effizienzgewinne aus dem Erstellungsprozesses für den ersten kombinierten Bericht realisieren lassen, wenn auch der einmalige Aufwand für einzelne Prozessschritte höher als gepl...

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