Jörg Baetge/Peter Wollmert/... / IV. Handlungsempfehlungen – Rating des Analysten
 

Tz. 11

Stand: EL 38 – ET: 6/2019

Die Ableitung einer Investmentempfehlung geschieht auf Basis eines Ratingsystems. Ein absolutes Ratingsystem kann beispielhaft durch die nachfolgend abgebildete Grafik beschrieben werden. Ein solches Ratingsystem zielt auf absolute positive oder negative Kursveränderungen ab. Ein relatives Ratingsystem stellt die Empfehlung im Vergleich zur Performance eines Benchmark-Indexes dar. Dabei bedeutet eine Outperformance zB eine im Vergleich zum Benchmark überdurchschnittliche Kursentwicklung und vice versa.

Die Finanzanalyse auf Basis von Unternehmensberichtsdaten besitzt schwerpunktmäßig einen Mittelfristcharakter. Bei den meisten Analysehäusern beträgt der Empfehlungszeitraum drei bis zwölf Monate. Die Aktienkurse zeigen auf kurze Sicht oft Bewegungen, die den Unternehmenswert deutlich über- oder unterschreiten. Dafür werden eher markttechnische, informationstheoretische (zB statische oder adaptive Erwartungen), Implikationen regulatorischer Veränderungen, Behavioral-Finance oder Noise-Betrachtungen herangezogen.

Viele Aktienanalysten basieren ihre Investmentempfehlungen auf einem als Barwertansatz konzipierten bzw. errechneten "fairen" Unternehmenswert. Die Aktienkurse können davon, wie oben bereits angedeutet, kurzfristig jedoch zT auch erheblich abweichen, wie zB die Übertreibungsphasen – "Neue Markt"-Euphorie in 2000 sowie die Krisen 2003 (Irakkrieg, Rezession) und 2008/09 (Lehmann Brothers, Bankenkrise) gezeigt haben. Nachhaltig kehren die Aktienkurse jedoch, wie theoretisch naheliegend und empirisch belegt, zu ihrem "fairen Wert" zurück. Daher stellen diese "Fair Values" eine gute mittelfristige Kursguidance dar. Bei einer kurzfristigeren Betrachtung ergibt sich aus der Ableitung eines Fair Values und dem Vergleich mit dem Aktienkurs nicht zwingend die aktuelle Empfehlung des Aktienanalysten, da auf kurze Sicht fundamentale Faktoren überlagert werden können.

Eine empirische Evidenz liegt zB in der Beobachtung, dass sich das KGV des Marktes seit dem Zweiten Weltkrieg weitgehend bei einem Mittelwert von 14 in einer Range von 10–20 schwankt. Eine nachhaltige Verschiebung ist nicht zu beobachten (siehe dazu: John/Shiller, JOP 1998, S. 15).

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