Jörg Baetge/Peter Wollmert/... / III. Entwicklungsphasen der Standards
 

Tz. 13

Stand: EL 40 – ET: 02/2020

Ausgangspunkt für die Entwicklung der IPSAS war die bereits 1986 erfolgte Gründung des Public Sector Committee der IFAC (IFAC-PSC), das im November 2004 von der IFAC in International Public Sector Accounting Standards Board (IPSASB) umbenannt wurde. In den ersten Jahren seines Bestehens beschäftigte sich dieses Gremium jedoch zunächst nicht mit der Standardsetzung, sondern mit Begriffsklärungen und dem internationalen Austausch über nationale Rechnungslegungspraktiken. Entscheidend für die Inangriffnahme der Standardsetzung war das Interesse internationaler Finanzinstitutionen, wie der Weltbank, des IWF, der Asian Development Bank (ADB) und des UN-Entwicklungsprogramms, die sich 1996 zur Finanzierung eines Projektes zur Standardsetzung entschlossen.

 

Tz. 14

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Im Rahmen dieses Projekts zur Standardsetzung sollten auf der Grundlage der IFRS spezifische Rechnungslegungsgrundsätze für Gebietskörperschaften abgeleitet werden. In den Jahren 1996 bis 2002, die heute als die 1. Phase der Standardsetzung bezeichnet werden kann, lag der Schwerpunkt deshalb zunächst auf der Erarbeitung eines "Core Set" von Standards für die öffentliche Rechnungslegung. Grundlage dieser Projektphase, aus der die Standards IPSAS 1 bis IPSAS 20 hervorgegangen sind, waren die zum 31. August 1997 gültigen IAS.

 

Tz. 15

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Der Schwerpunkt der Jahre 2003 bis 2009, die heute als die 2. Phase der Standardsetzung bezeichnet werden kann, war das im Jahr 2010 vollendete Konvergenz-Programm (convergence program). Als Grundlage (stable platform) für die in dieser Phase neu entwickelten Standards IPSAS 25 bis IPSAS 31 wurden die zum 31. Dezember 2008 gültigen IFRS ausgewählt. Mit der Beendigung des Konvergenz-Programms hat der IPSASB die wesentlichen Bestandteile der IFRS an öffentliche Besonderheiten angepasst und damit das strategische Ziel einer Konvergenz mit den IFRS erreicht. Bereits in den Jahren 2003 bis 2007 hat der IPSASB jedoch auch erste Standards zur Regelung von spezifisch öffentlichen Fragestellungen verabschiedet, bei denen nicht auf privatwirtschaftliche Regelungen zurückgegriffen werden konnte (IPSAS 21–24, zu diesen Standards vgl. Tz. 45ff. Abschnitt D). Insbesondere mit Blick auf diese Standards kann deshalb bereits heute festgestellt werden, dass die IPSAS Regelungen zur Behandlung zahlreicher spezifisch öffentlicher Detailfragen enthalten, die in anderen Regelwerken bislang nicht thematisiert werden.

 

Tz. 16

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Bereits in der Schlussphase des Konvergenz-Programms hat der IPSASB eine Diskussion über das weitere Arbeitsprogramm geführt. Schließlich wurden während der IPSASB-Sitzungen im September und Dezember 2009, die als Beginn der 3. Phase der Standardsetzung gesehen werden können, die zukünftigen Arbeitsschwerpunkte definiert. Als das wichtigste Projekt wurde zunächst die Entwicklung eines Rahmenkonzepts für die Berichterstattung der öffentlichen Hand (Public Sector Conceptual Framework) identifiziert. Neben dem Rahmenkonzept standen Projekte von besonderer Bedeutung für die öffentliche Rechnungslegung (Public Sector Critical Projects) im Fokus. Darunter werden Fragestellungen subsumiert, die für den öffentlichen Sektor spezifisch und zugleich auch als kritisch eingestuft werden. Als Projekte mit spezifischer Bedeutung für die öffentliche Rechnungslegung bezeichnet der IPSASB solche Projekte, bei denen bestehende IFRS (beispielsweise IFRS 3, Business Combinations) als nicht sachgerecht für den öffentlichen Sektor eingestuft werden oder für bestimmte Sachverhalte (beispielsweise die Bilanzierung von einseitigen Leistungsbeziehungen oder die Darstellung von Budget-Informationen in Abschlüssen) keine adäquaten IFRS existieren. Als für die öffentliche Rechnungslegung kritische Projekte bezeichnet der IPSASB solche Projekte, bei denen aufgrund ihrer Aktualität oder aufgrund der Nichtexistenz von prinzipienbasierten Regelungen eine besondere Bedeutung für die öffentliche Rechnungslegung angenommen wird. Weiterer Schwerpunkt war die verstärkte Kommunikation und Verbreitung der Arbeitsergebnisse (Communications and Promoting Adoption and Implementation), da darin die Voraussetzung für einen lebhaften internationalen Austausch von "Best Practices" zum Zwecke der Entwicklung von ausgewogenen und problemorientierten öffentlichen Rechnungslegungsgrundsätzen gesehen wurden.

 

Tz. 17

Stand: EL 40 – ET: 02/2020

Nach Abschluss der Arbeiten am Rahmenkonzept für die Berichterstattung der öffentlichen Hand (Public Sector Conceptual Framework) im Jahr 2014 (vgl. Tz. 33ff. Abschnitt C) hat im Jahr 2015 die 4. Phase der Standardsetzung begonnen. Vorausgegangen war eine umfangreiche Konsultation zu Strategie und Arbeitsprogramm für die Periode 2014 bis 2018. Bei der Festlegung seines Arbeitsprogramms berücksichtigt der IPSASB seither insbesondere folgende Faktoren: (1) Significance for the public sector (dh. Fragestellungen, die sich in der privatwirtschaftl...

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