Jörg Baetge/Peter Wollmert/... / III. Anknüpfungspunkte in der handelsrechtlichen (Konzern-)Lageberichterstattung
 

Tz. 38

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Eine den Abschluss ergänzende Berichterstattung ist in Deutschland grundsätzlich bekannt: der (Konzern-)Lagebericht gemäß §§ 289, 289a, 315 HGB entspricht dem integrierten Bericht gemäß IR Framework konzeptionell, die inhaltliche Schnittmenge dieser beiden Berichte ist groß: Beide Berichte haben das Ziel, ausgehend vom Geschäftsmodell des Unternehmens, die Wertschöpfung des Unternehmens und dessen voraussichtliche Entwicklung mit ihren wesentlichen Chancen und Risiken vor dem Hintergrund der maßgeblichen Erfolgsfaktoren darzustellen und zu analysieren. Beide Berichte sind vornehmlich – aber nicht ausschließlich – an Investoren gerichtet und sollen darstellen und analysieren, wie die ›nichtfinanzielle‹ Leistung des Unternehmens dessen wirtschaftliche Lage beeinflusst hat und voraussichtlich künftig beeinflussen wird.

 

Tz. 39

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Im Folgenden wird gezeigt, wieweit der integrierte Bericht gemäß IR Rahmenkonzept und der (Konzern-)Lagebericht nach handelsrechtlichen Vorgaben einander konzeptionell, inhaltlich und formell entsprechen. Ein integrierter Bericht gemäß IR Rahmenkonzept würde alle entscheidungsrelevanten Informationen über die Wertschöpfung durch ein Unternehmen und dessen künftige Entwicklung sowie über Wirkungszusammenhänge im Unternehmen und zwischen dem Unternehmen und seinem Umfeld prägnant enthalten – ein solcher Bericht wäre tendenziell ein ›perfekter‹ (Konzern-)Lagebericht, ohne aber zwangsläufig alle zB in DRS 17 und 20 enthaltenen Anforderungen zu erfüllen.

 

Tz. 40

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Keineswegs soll aber der Eindruck entstehen, dass jeder in Übereinstimmung mit den handelsrechtlichen Vorgaben erstellte (Konzern-)Lagebericht automatisch in Übereinstimmung mit dem IR Rahmenkonzept steht. Regelmäßig werden vor allem die Grundsätze der Informationsverknüpfung und der Prägnanz nicht erfüllt werden, auch die Berichterstattung über das Unternehmensumfeld, vor allem über die berechtigten Stakeholdererwartungen kann regelmäßig noch verbessert werden. Dies bedeutet allerdings nicht, dass eine solche verknüpfte und prägnante Berichterstattung im (Konzern-)Lagebericht nicht erforderlich wäre. Eine solche Berichterstattung wird in den entsprechenden Vorgaben zwar nicht mit demselben Nachdruck gefordert wie im IR Rahmenkonzept. Die hermeneutische Auslegung der handelsrechtlichen Vorgaben zeigt jedoch, dass eine solche Berichterstattung im (Konzern-)Lagebericht unbedingt erforderlich ist. Die Hermeneutik ist die in der Jurisprudenz übliche Auslegungsmethode für gesetzliche und sonstige Normen. Diese ganzheitliche Methode berücksichtigt den Zweck der Norm, ihren Bedeutungszusammenhang, ihre Entstehungsgeschichte, die Absicht des Normgebers sowie Wortlaut und Wortsinn. (ausführlich vgl. Solmecke, Auswirkungen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) auf die handelsrechtlichen Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung, S. 20–22 mwN.) Das IR Rahmenkonzept wird vom IIRC nicht nur als ein Rahmenkonzept für die Erstellung von integrierten Berichten verstanden, sondern als ein übergeordneter Standard (›Umbrella Standard‹) für jegliche Berichterstattung. Nahezu jegliche Kommunikation kann verbessert werden, wenn man sie vor dem Hintergrund der Grundsätze der Informationsverknüpfung und der Prägnanz hinterfragt. Die Vorgaben für die (Konzern-)Lageberichterstattung können aufgrund der konzeptionellen Ähnlichkeit für die Auslegung des IR Rahmenkonzepts herangezogen werden, vor allem aber sollten die bestehenden handelsrechtlichen Vorgaben vor dem Hintergrund des IR Rahmenkonzepts dahingehend hinterfragt werden, ob sie zu einer aussagefähigen, verständlichen und prägnanten Berichterstattung führen – wenn nicht, sollten sie entsprechend angepasst werden.

 

Tz. 41

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Vom (Konzern-)Lagebericht abzugrenzen ist der von der Finanzberichterstattung grundsätzlich separate Nachhaltigkeitsbericht. Dieser ist an einen weiteren Adressatenkreis gerichtet, nämlich grundsätzlich an alle Stakeholder des Unternehmens. Der führende Standardsetzer für die Nachhaltigkeitsberichterstattung ist die Global Reporting Initiative (GRI). Die GRI wurde 1997 von der US-amerikanischen Nichtregierungsorganisation Coalition for environmentally responsible Economy und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (United Nation Environment Programme, UNEP) gegründet. Ziel der GRI ist, ein international anwendbares Regelwerk für die Nachhaltigkeitsberichterstattung zu entwickeln, dieses Regelwerk kontinuierlich weiterzuentwickeln und für die weltweite Akzeptanz dieses Regelwerks zu werben. Die GRI hat im Mai 2013 ihren überarbeiteten Berichtsrahmen ›G4‹ vorgelegt. Dieser ist für Berichte, die nach dem 31.12.2015 veröffentlicht werden, verpflichtend anzuwenden, sofern nach den Berichtsrahmen der GRI berichtet werden soll. Bis dahin kann nach der Vorgängerversion G3.1 oder bereits frühzeitig nach G4 berichtet werden (Zu den Berichtsrahmen der GRI vgl. Simon-Heckroth, 2013). Me...

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