Jörg Baetge/Peter Wollmert/... / I. Einführung – Das Berichtssystem im Spannungsfeld der Interessengruppen
 

Tz. 38

Stand: EL 38 – ET: 6/2019

Als Teil der Außenkommunikation des Unternehmens steht das externe Finanzberichtssystem im Spannungsfeld der Interessen unterschiedlicher Stakeholder (vgl. Franke/Hax, 2009, S. 1f.). Dies bedingt, dass das Berichtssystem versuchen muss, den unterschiedlichen Informationsbedürfnissen der einzelnen Interessengruppen (Aktionäre, Fremdkapitalgeber, Mitarbeiter, interessierte Öffentlichkeit, etc.) gerecht zu werden.

Gemäß dem im Jahr 2018 überarbeiteten IFRS-Rahmenwerk besteht die allgemeine Zielsetzung des Jahresabschlusses weiterhin darin, einen Einblick in die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage (true and fair view) bzw. in die Änderung derselben zu gewähren, um darauf basierend die Fähigkeit des Unternehmens, Zahlungsmittel zu erwirtschaften, bemessen zu können. Gegenwärtigen und potenziellen Kapitalgebern sollen Informationen über die berichterstattende Einheit zur Verfügung gestellt werden, die ihnen bei Ressourcenallokationsentscheidungen hilfreich sind (decision usefulness) (vgl. Kirsch, PiR 2018, S. 165).

 

Tz. 39

Stand: EL 38 – ET: 6/2019

Aus Sicht des Finanzanalysten gilt es für das externe Berichtswesen, den Spagat zwischen einerseits Informationsbreite sowie -tiefe und andererseits Fokussierung auf das Wesentliche zu bewältigen. Die Verarbeitung einer sich immer stärker ausdehnenden Berichterstattung ist mit Kosten verbunden. Hierbei bestehen mehrere Anforderungen, die ein Berichtsystem erfüllen sollte. Diese sind allesamt vor dem Hintergrund zu sehen, dass die primäre Zielsetzung des Finanzanalysten darin besteht, die Werthaltigkeit eines Unternehmens und somit seiner Aktie zu ermitteln sowie darauf basierend eine Anlageempfehlung auszusprechen.

 

Tz. 40

Stand: EL 38 – ET: 6/2019

Dafür ist es notwendig, nachhaltig entziehbare Zahlungsmittelüberschüsse (Free Cashflows) bzw. je nach verwendetem Bewertungsverfahren "normalisierte" (Über-) Gewinne zu prognostizieren. Idealerweise wird hierbei auf die ökonomische Abgrenzung des Konzerns abgestellt, die nicht notwendigerweise kongruent sein muss mit derjenigen, die die Vorschriften über die Aufstellung des Konzernabschlusses unter IFRS diktieren. Die Jahresabschlüsse bzw. die Zwischenberichte, die ein Unternehmen publiziert, dienen hierbei als Ausgangsbasis für die Prognosen der benötigten Größen, die dann in den jeweiligen Bewertungsmodellen (bspw. DCF-Ansatz, Übergewinnkonzepte, Multiplikatorenverfahren) verwendet werden (zur Funktionsweise verschiedener Bewertungsmodelle vgl. Ballwieser/Hachmeister, 2016, S. 8–11).

In Anbetracht dieser Aufgabenstellung, mit der sich ein Finanzanalyst konfrontiert sieht, soll nun im Folgenden auf die Bedürfnisse eingegangen werden, die der Finanzanalyse im Zusammenhang mit der Finanzberichterstattung (Financial Reporting) erwachsen. Der konzeptionelle Rahmen der IFRS besteht aus einigen grundlegenden Elementen (vgl. Pellens et al., 2017, S. 95–126), die nachfolgend kurz aufgeführt werden sollen. Es gilt vorweg anzumerken, dass diese Eckpfeiler die grundlegenden Anforderungen eines Finanzanalysten an ein Berichtssystem erfüllen. Jedoch bestehen darüber hinaus weitere Anforderungen, denen das Rahmenwerk der IFRS gegenwärtig auch durch zusätzliche Anhangangaben nur teilweise nachkommen kann.

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