Jörg Baetge/Peter Wollmert/... / e. Wesentlichkeit
 

Tz. 158

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Im integrierten Bericht sind alle Sachverhalte anzugeben, welche die Wertschöpfung des Unternehmens kurz-, mittel- und langfristig wesentlich beeinflussen (können) (vgl. IR Rahmenkonzept, Tz. 3.17).

 

Tz. 159

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Jede Berichterstattung findet im Spannungsfeld zwischen Vollständigkeit (vgl. IR Rahmenkonzept, Tz. 3.47 f.) (completeness) und Wesentlichkeit (materiality) statt. Ein integrierter Bericht ist vollständig, wenn er alle Angaben enthält, die ein verständiger Adressat benötigt, um die Wertschöpfung des Unternehmens zu beurteilen (in Anlehnung an Baetge et al., 1989, S. 18; Schmidt, 2011, S. 24). Vollständigkeit bedeutet nicht, dass über sämtliche Geschäftsvorfälle bzw. über alle Aspekte der Nachhaltigkeitsleistung eines Unternehmens zu berichten ist (in Anlehnung an Baetge et al., 1989, S. 18; ADS, § 289 HGB, Tz. 40; Schmidt, 2011, S. 24). Der Umfang der Berichterstattung wird durch den Grundsatz der Wesentlichkeit begrenzt. In einem integrierten Bericht enthaltene Informationen stiften dem Empfänger der Information zwar (möglicherweise) einen Nutzen, die Beschaffung der Information verursacht beim berichtenden Unternehmen jedoch Aufwand. Daher sind nicht jegliche Informationen zu berichten, sondern nur die wesentlichen, dh. diejenigen Informationen, die geeignet sind, die Entscheidungen der Berichtsadressaten zu beeinflussen und deren Weglassen diese Adressaten schädigen würde (vgl. Leffson, 1987, S. 183; Baetge et al., 1989, S. 22; Niehaus, 1987, S. 45; Krumbholz, 1994, S. 23; Schulze, 2001, S. 82; Tichy, 1979, S. 135).

 

Tz. 160

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

In Tz. 1.7 des IR Rahmenkonzepts werden Investoren eines Unternehmens als Adressaten des integrierten Berichts benannt. Dennoch sind für die Bestimmung der anzugebenden wesentlichen Sachverhalte die berechtigten Erwartungen der wichtigsten Anspruchsgruppen an das Unternehmen von zentraler Bedeutung.

 

Tz. 161

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Wie bereits weiter oben ausgeführt (vgl. Tz. 75–82), sind die berechtigten Erwartungen der Anspruchsgruppen an das Unternehmen bei der Bestimmung der Berichtsinhalte zu berücksichtigen. Regelmäßig werden Sachverhalte, die für die Anspruchsgruppen wesentlich sind, sich zumindest mittelbar auf die wirtschaftliche Lage des Unternehmens auswirken, zB durch die Entscheidungen der Anspruchsgruppen auf dem Absatz- und dem Personalmarkt. Sofern Erwartungen der Anspruchsgruppen aus Sicht des Unternehmens unberechtigt sind, kann es sich dennoch anbieten, hierüber im integrierten Bericht zu berichten und zu erläutern, wieso bestimmte Erwartungen vom Unternehmen als unberechtigt eingeschätzt werden und wieso das Unternehmen davon ausgeht, dass die zugrunde liegenden Sachverhalte sich nicht wesentlich auf die Wertschöpfung des Unternehmens auswirken werden. Andernfalls werden Investoren, denen der jeweilige Sachverhalt uU aus den Medien bekannt ist, mögliche negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Lage in ihrem Kalkül berücksichtigen und hierbei im Zweifel vom für das Unternehmen ungünstigsten Fall ausgehen.

 

Tz. 162

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Im IR Rahmenkonzept wird in den Tz. 3.18–3.29 ein Prozess zur Bestimmung wesentlicher Aspekte vorgeschlagen, der die folgenden Elemente umfasst (ferner vgl. Tz. 30–37):

Identifikation von relevanten Sachverhalten, die Wertschöpfung des Unternehmens bzw. dessen Strategie, Unternehmensführung, Leistung oder künftige Entwicklung beeinflussen können (vgl. IR Rahmenkonzept, Tz. 3.21–3.23).
Bewertung der identifizierten Sachverhalte, abhängig von den Auswirkungen auf die Kapitalien sowie ggf. der Eintrittswahrscheinlichkeit (vgl. IR Rahmenkonzept, Tz. 3.24–3.27).
Aufbauend auf der Bewertung der Sachverhalte sind diese in eine Rangfolge zu bringen, abhängig von ihrer Wesentlichkeit (Vgl. IR Rahmenkonzept, Tz. 3.28). Ferner ist zu entscheiden, welche der Sachverhalte in den integrierten Bericht aufgenommen werden sollen (vgl. IR Rahmenkonzept, Tz. 3.28).
 

Tz. 163

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Im Zusammenhang mit der Bestimmung wesentlicher – und somit berichtspflichtiger – Sachverhalte wird ist die Frage zu erörtern, ob bzw. wieweit die Berichterstattung über den Konsolidierungskreis hinaus zu erfolgen hat.

 

Tz. 164

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Die Berichterstattung im integrierten Bericht hat – über den Konsolidierungskreis hinaus – soweit zu reichen, wie sich für das Unternehmen aus dessen Geschäftstätigkeit wesentliche Chancen und Risiken ergeben und soweit sich dessen Geschäftstätigkeit auf die Kapitalien wesentlich auswirkt (vgl. IR Rahmenkonzept, Tz. 3.30–3.35), beispielsweise durch die Arbeitsbedingungen bei Lieferanten oder durch die Nutzung der Produkte oder Dienstleistungen durch den Kunden.

 

Tz. 165

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Naturgemäß wird die Berichterstattung über Einheiten, auf die die Konzernmutter keinen beherrschenden Einfluss ausübt, weniger detailliert ausfallen als über Konzernunternehmen. Keineswegs soll das Unternehmen die Berichtspf...

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