Jörg Baetge/Peter Wollmert/... / D. Zusammenfassung und Ausblick
 

Tz. 261

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Die integrierte Berichterstattung soll eine unternehmensindividuelle, authentische Berichterstattung über die Wertschöpfung eines Unternehmens und dessen künftige Entwicklung ermöglichen. Erstellern und Nutzern dieser Berichte kommt entgegen, dass der integrierte Bericht vornehmlich leistungsbezogen ist. Aufbauend auf den im IIRC Pilotprogramm gesammelten ersten Erfahrungen mit der Erstellung und Nutzung von entsprechend dem IR Rahmenkonzept aufgestellten integrierten Berichten wird vor allem zu hinterfragen sein, ob dieses Rahmenkonzept ausreichende Kriterien für eine vergleichbare und aussagekräftige Berichterstattung enthält.

 

Tz. 262

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Anders als die integrierte Berichterstattung gemäß IR Rahmenkonzept ist die herkömmliche Finanzberichterstattung – und auch die Nachhaltigkeitsberichterstattung – häufig Compliance-orientiert, wenn Einzelinformationen zu berichten sind, die aus Sicht der Berichtsadressaten unwesentlich sind. Beispiele hierfür sind Beschreibungen von im Zeitablauf unveränderten Prozessen, Systemen und Strukturen, aber wohl auch eine (bis auf weiteres abgewendete) (Konzern-)Lageberichtspflicht für ein Country-by-Country-Reporting über Zahlungen an staatliche Einrichtungen.

 

Tz. 263

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Auf europäischer Ebene scheint die Aufnahme einer (Konzern-)Lageberichtspflicht für eine nichtfinanzielle Erklärung in die Bilanzrichtlinie nahezu abgeschlossen zu sein. Danach sollen Unternehmen von öffentlichem Interesse mit mehr als 500 Mitarbeitern eine nichtfinanzielle Erklärung hinsichtlich Umwelt- und Arbeitnehmeraspekten, sozialen Aspekten, Einhaltung der Menschenrechte und Antikorruptionsmaßnahmen abgeben. Dies kann zwar zu mehr Berichterstattung über nichtfinanzielle Belange im (Konzern-)Lagebericht führen, dem Wortlaut entsprechend wäre diese Erklärung jedoch ein zusätzlicher Teilbericht innerhalb des (Konzern-)Lageberichts – die Folge wäre eine separierte, nicht eine integrierte Berichterstattung (vgl. Tz. 59–61). Demgegenüber wäre eine Klarstellung vorzuziehen gewesen, dass die bestehenden Anforderungen an die (Konzern-)Lageberichterstattung bereits grundsätzlich eine integrierte Berichterstattung erfordern (vgl. Tz. 45–50 sowie IDW-Stellungnahme, 2013, S. 1–3).

 

Tz. 264

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Die Vorgaben für die nichtfinanzielle Erklärung enthalten verschiedene Mitgliedstaatenwahlrechte für deren Umsetzung in nationales Recht. Diese sollten von der deutschen Bundesregierung soweit möglich dahingehend ausgeübt werden, dass eine integrierte Berichterstattung befördert wird. Möglich erscheint derzeit auch eine vollkommen inhaltlich und zeitlich separierte Berichterstattung in einem vom (Konzern-)Lagebericht losgelösten Berichtsmedium bis zu sechs Monate nach dem Abschlussstichtag.

 

Tz. 265

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Eine integrierte Unternehmensführung ist zentraler Bestandteil der integrierten Berichterstattung. Möglicherweise wird es erforderlich sein, Instrumente für eine solche Unternehmensführung zu entwickeln, aufbauend auf bestehenden Instrumenten. Dies wird auch die Anforderungen an die Beteiligten des Prozesses der integrierten Berichterstattung erhöhen, also an die (leitenden) Mitarbeiter von Unternehmen, Wirtschaftsprüfer, Kapitalmarktteilnehmer und weitere Berichtsadressaten: Diese Gruppen benötigen ein umfangreicheres Verständnis für Geschäftsmodelle und deren Zukunftsfähigkeit vor dem Hintergrund des Unternehmensumfelds und dessen künftiger Entwicklung, sowie ein Verständnis für alle wesentlichen Werttreiber und Erfolgsfaktoren eines Unternehmens sowie für ökologische, soziale und ökonomische Sachverhalte, vor allem zur Vermeidung bzw. Lösung von Zielkonflikten. Dies wird sich auch in der Hochschulausbildung niederschlagen (müssen), wo trotz aller Spezialisierungen Generalisten ausgebildet werden sollten, die komplexe Zusammenhänge interpretieren können.

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