Jörg Baetge/Peter Wollmert/... / b. Ein grundsätzebasierter Ansatz
 

Tz. 84

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Das Rahmenkonzept ist grundsätzebasiert (principles-based) (vgl. IR Rahmenkonzept, Tz. 1.9 f.). Dementsprechend werden Grundsätze für die Bestimmung der Berichtsinhalte und für die Form der Berichterstattung gegeben, ohne konkrete Berichtsvorgaben zu machen. Dies entspricht beispielsweise den handelsrechtlichen Vorgaben für die (Konzern-)Lageberichterstattung (§§ 289, 315 HGB) und weicht von den regelbasierten (rule-based) IFRS und den Leitfäden der GRI ab.

 

Tz. 85

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Dem grundsätzebasierten Ansatz liegt die Gründungserwägung des IIRC zugrunde, dass die bestehenden Vorgaben für die (Finanz-)Berichterstattung überstandardisiert sind und diese Berichterstattung vor allem in einem Abarbeiten dieser ›Checklisten‹ besteht und die Vermittlung entscheidungsrelevanter Informationen hierüber aus den Augen verloren wird. Eine solche Berichterstattung ist vornehmlich Compliance-getrieben und kann zur Folge haben, dass Informationen nur berichtet werden, um Berichtspflichten nachzukommen und mögliche Rechtsrisiken zu vermeiden, nicht aber, weil der zugrunde liegende Sachverhalt tatsächlich wesentlich ist im Sinne einer Entscheidungsrelevanz für die Berichtsadressaten. Eine solche Berichterstattung erfüllt ihren eigentlichen Zweck, die Verringerung asymmetrischer Informationsverteilungen, tendenziell nicht. Während bei starker Standardisierung der Berichtsvorgaben die Gefahr besteht, dass diese lediglich abgearbeitet werden, ohne die Informationsbedürfnisse der Berichtsadressaten zu berücksichtigen, liegt die Gefahr einer zu geringen Standardisierung darin, dass die Berichtsinhalte weder zwischenbetrieblich noch im Zeitablauf vergleichbar sind (vgl. Schmidt, 2012, S. 138). Die zwischenbetriebliche und zeitliche Vergleichbarkeit der Berichterstattung ist jedoch für die Nutzer dieser Berichte sehr bedeutsam.

 

Tz. 86

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Im IR Rahmenkonzept werden keine konkreten Leistungsindikatoren vorgegeben. Das ist sachgerecht, denn die Auswirkungen der Geschäftstätigkeit eines Unternehmens werden maßgeblich durch dessen Branchenzugehörigkeit bestimmt. So wirkt sich die Geschäftstätigkeit von Industrieunternehmen vornehmlich – aber nicht ausschließlich – auf die ökologische Dimension der Nachhaltigkeit aus, zB durch klimaschädliche Emissionen. Die Geschäftstätigkeit eines Textilunternehmens, dessen Lieferanten vor allem in Asien ansässig sind, betrifft vor allem die soziale Dimension der Nachhaltigkeit, zB die Arbeitssicherheit und die Beachtung der Menschenrechte im Allgemeinen. Die Geschäftstätigkeit von Banken und Versicherungen wirkt sich vor allem auf die ökonomische Dimension der Nachhaltigkeit aus, zB Finanzmarktstabilität. Hieraus ist ersichtlich, dass es nicht zielführend ist, branchenunabhängig zu berichtende Leistungsindikatoren vorzugeben, da es – wenn überhaupt – nur ganz wenige Sachverhalte geben wird, die für Unternehmen aller Branchen gleichermaßen bedeutsam sind.

 

Tz. 87

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Die Vorgabe von konkreten Leistungsindikatoren kann hilfreich sein für Unternehmen, die noch nicht analysiert haben, welche nichtfinanziellen Sachverhalte bedeutsam sind für ihre wirtschaftliche Lage. Hierfür können Unternehmen auf bestehende Standards zurückgreifen, in denen konkrete Leistungsindikatoren vorgegeben werden, beispielsweise die G3.1/G4 der GRI, die SD-KPIs von SD-M sowie die ESG-KPIs von DVFA/EFFAS. Diese Standards dürfen indes nur als ›Ideenquelle‹ verstanden werden, zur Identifizierung potenziell wesentlicher Sachverhalte. Diese müssen daraufhin dahingehend analysiert und bewertet werden, ob sie wesentlich sind oder nicht (vgl. Schmidt, 2014, S. 78–82). Andernfalls besteht die Gefahr, dass die vorgeschlagenen Indikatoren wie eine Checkliste abgearbeitet werden und dass darüber hinausgehende, wesentliche Sachverhalte nicht berichtet werden, weil diese in den Rahmenkonzepten möglicherweise nicht konkret gefordert werden (vgl. Institut der Wirtschaftsprüfer, 2013, S. 4). Unter diesen Bedingungen ist das IR Rahmenkonzept mit den genannten – aber auch mit weiteren – Rahmenkonzepten vereinbar.

 

Tz. 88

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Es ist davon auszugehen, dass der grundsätzebasierte Ansatz den berichtenden Unternehmen prinzipiell entgegenkommt. Es dürfte in der Vergangenheit regelmäßig frustrierend für die an der Berichterstellung Beteiligten, zB aus den Abteilungen Investor Relations oder Nachhaltigkeitskommunikation, gewesen sein, Daten zu sammeln, aufzubereiten und in den Bericht aufzunehmen, wissend, dass diese Informationen für die Berichtsadressaten zwar verzichtbar sind, aber im zugrunde liegenden Rahmenkonzept (auf den ersten Blick) gefordert werden. Dies gilt beispielsweise wohl für die Angaben gemäß §§ 289 Abs. 4, 315 Abs. 4 HGB und für weite Teile der Vergütungsberichterstattung (vgl. Hippel, 2011, S. 250–254). Solche Berichtselemente erschweren das Auffinden tatsächlich relevanter Informationen, sodass die Gefahr besteht, dass die Bericht...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Baetge, Rechnungslegung nach IFRS (Schäffer-Poeschel). Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Baetge, Rechnungslegung nach IFRS (Schäffer-Poeschel) 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge