Jörg Baetge/Peter Wollmert/... / A. Ziele einer integrierten Berichterstattung
 

Tz. 1

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Am 5. Dezember 2013 wurde vom International Integrated Reporting Council (IIRC) das Rahmenkonzept für eine integrierte Finanz- und Nachhaltigkeitsberichterstattung (International Integrated Reporting (IR) Framework, im Folgenden: IR Rahmenkonzept) (Online abrufbar unter http://www.theiirc.org/international-ir-framework/) verabschiedet.

 

Tz. 2

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Im Mittelpunkt des integrierten Berichts steht die Beschreibung und Analyse des Geschäftsmodells, also der Kombination von Produktionsfaktoren (Inputs) durch Geschäftsaktivitäten (Produktionsprozesse) zu Produkten und Dienstleistungen (Outputs) sowie der damit verbundenen Auswirkungen. Es ist zu analysieren, auf welche Erfolgsfaktoren das Unternehmen angewiesen ist und vor allem, wo die Gefahr von Engpässen und somit Risiken der künftigen Entwicklung bestehen. Im Umkehrschluss, welche Chancen bestehen, wenn das Unternehmen im Vergleich zu seinen Wettbewerbern ausreichend oder sogar überdurchschnittlich mit diesen Ressourcen versorgt ist. Während die herkömmliche Finanzberichterstattung, vor allem im Jahres- bzw. Konzernabschluss, vornehmlich der an die Anteilseigner gerichteten Rechenschaftslegung über die Verwendung der anvertrauten Mittel dient, wird im integrierten Bericht gemäß IR Rahmenkonzept nicht nur die Wertschöpfung für die Anteilseigner, sondern für alle Stakeholder des Unternehmens betrachtet: So sind die gesellschaftlichen Auswirkungen der Geschäftstätigkeit darzustellen und zu analysieren, also inwieweit hierdurch für das Unternehmen oder für die Gesellschaft Werte geschaffen oder vermindert wurden.

 

Tz. 3

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Zur Erfassung aller wesentlichen Erfolgsfaktoren geht das Rahmenkonzept des IIRC von einem weit gefassten Kapitalbegriff aus und unterscheidet sechs Kapitalien (Capitals): Finanz-, Produktions-, Human-, Sozial- und Netzwerkkapital sowie geistiges und natürliches Kapital – diese werden durch die Geschäftstätigkeit eines Unternehmens vermehrt oder vermindert.

 

Tz. 4

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Eine solche integrierte Berichterstattung bildet deutlicher als die bisherige Berichterstattung nicht lediglich das finanzielle Ergebnis ab, sondern erläutert dessen Zustandekommen vor dem Hintergrund der wichtigsten Werttreiber und der (berechtigten) Stakeholdererwartungen an das Unternehmen. Durch den erweiterten Kapitalbegriff und die Fokussierung auf die Wertschöpfung durch Unternehmen wird deutlich, ob Missverhältnisse zwischen der Vermehrung eines Kapitals und der Verminderung eines anderen bestehen, wenn zB das Finanzkapital deutlich vermehrt wird, während gleichzeitig das Humankapital durch sehr schlechte Arbeitsbedingungen negativ beeinflusst wird.

 

Tz. 5

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Das IR Rahmenkonzept baut auf bestehenden Rechnungslegungsvorgaben, zB für die (Konzern-)Lageberichterstattung (bzw. entsprechende Berichte), Nachhaltigkeitsberichterstattung und Corporate Governance Berichterstattung, auf und soll die bedeutsamsten Aussagen dieser regelmäßig nebeneinander stehenden Berichte zusammenführen, sodass ein vollständiges Bild von der Wertschöpfung durch das Unternehmen vermittelt wird. Eine solche Berichterstattung erlaubt Rückschlüsse auf die kurz-, mittel- und langfristige Entwicklung des Unternehmens und soll so zur Finanzmarktstabilität beitragen. Das verbesserte Verständnis der Wertschöpfung, der Stakeholdererwartungen und wie diese sich im Unternehmen finanziell niederschlagen, soll die Unternehmensführung verbessern und durch ein verbessertes Chancen- und Risikomanagement zur gesamtgesellschaftlichen nachhaltigen Entwicklung beitragen.

 

Tz. 6

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Der integrierte Bericht ist konsequent zukunftsorientiert. Kurz und präzise sollen die folgenden Fragen beantwortet werden:

Was ist das Geschäftsmodell des Unternehmens und wodurch wird dessen Geschäftstätigkeit beeinflusst?
Welche sind die wesentlichen Werttreiber? Wo besteht die Gefahr von Engpässen, wieweit ergeben sich hieraus für das Unternehmen Risiken oder Chancen?
Welche Ziele verfolgt das Unternehmen (Vision und Mission)? Wie werden finanzielle Ziele durch nichtfinanzielle Belange (zB Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, Reputation) beeinflusst?
Sind die Unternehmensführungsmechanismen, vor allem das Anreizsystem, derart justiert, dass diese Ziele erreicht werden (können)?
Welche Strategie wird verfolgt? Spiegelt sich diese Strategie in der Allokation knapper Mittel wider (beispielsweise durch die Budgetierung des Bereichs Forschung und Entwicklung)?
Welche (Teil-)Ziele wurden bereits erreicht?
Wie wird sich das Unternehmen kurz-, mittel- und langfristig entwickeln?
 

Tz. 7

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Mit der integrierten Berichterstattung korrespondiert eine integrierte Unternehmensführung (Integrated Thinking). Dieser Ansatz einer integrierten Betrachtung aller relevanten Werttreiber soll in der Unternehmenspraxis häufig beobachtbare Silostrukturen aufbrechen und die bereichsübergreifende Z...

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