Jörg Baetge/Peter Wollmert/... / 4. Berichterstellungsprozess und Konsolidierungskreis
 

Tz. 342

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Wird ein neuer interner Berichterstellungsprozess benötigt und wird der gleiche Konsolidierungskreis für finanzielle und nichtfinanzielle Kennzahlen verwendet?

Eine umfassende Berichterstattung über die finanziellen und nichtfinanziellen Erfolgsfaktoren des Unternehmens setzt nach den Erfahrungen der EnBW ein entsprechendes internes Steuerungssystem voraus. Robuste Daten bilden dabei die Basis für aussagekräftige quantifizierte Darstellungen der Unternehmensleistung. Nur auf Basis solider Datenerhebungsprozesse ist es möglich, verlässliche Daten abzubilden.

 

Tz. 343

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Grundlage dafür ist wiederum ein nachvollziehbarer und konsistent erhobener Datensatz. Im Abgleich der Darstellung finanzieller und nichtfinanzieller Zahlen wurde bereits deutlich, dass unterschiedliche IT-Systeme zur Erhebung verschiedener nichtfinanzieller Kennzahlen genutzt werden. Diese sind über die Zeit im Unternehmen gewachsen.

 

Tz. 344

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Darüber hinaus stellt sich für jedes Unternehmen die Frage nach der Wahl des Konsolidierungskreises. Grundlage für die Diskussion zum Konsolidierungskreis bildet die bisherige Berichterstattungspraxis, die für finanzielle Kennzahlen klar geregelt ist. So umfasst der Konsolidierungskreis der EnBW für finanzielle Kennzahlen – wie gesetzlich vorgegeben – neben der EnBW AG alle (wesentlichen) verbundenen Unternehmen. Für nichtfinanzielle Kennzahlen gab es bisher kein einheitliches Verständnis zum Konsolidierungskreis.

 

Tz. 345

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Dies führte zu Irritationen bei der Erstellung des kombinierten Berichts 2013. In Einzelfällen hat sich die EnBW dort, und dies wurde explizit inhaltlich begründet, für Kennzahlen entschieden, die nur einen Teilausschnitt des Konsolidierungskreises abbilden. So wurden zB nur ausgewählte Marken des Konzerns für die Kundenzufriedenheit herangezogen. In anderen Themenfeldern lagen aufgrund von bisher gültigen, anders definierten Geltungsbereichen nur teilweise Daten vor.

 

Tz. 346

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Es gilt grundsätzlich zu entscheiden, ob es zukünftig einen identischen Konsolidierungskreis für finanzielle und nichtfinanzielle Kennzahlen geben soll oder ob es im Einzelfall begründete Abweichungen geben kann. In der Nachhaltigkeitsberichterstattung nach GRI werden zudem in Teilen die Berichtsgrenzen bezogen auf die Auswirkungen der Geschäftsaktivitäten in der Wertschöpfungskette gezogen, dh. die zu berichtenden Inhalte liegen jenseits des Konsolidierungskreises (zB die Arbeitsbedingungen in Kohleminen in Lateinamerika. Dies verkompliziert die Fragestellung nach dem Konsolidierungskreis im Geschäftsbericht zusätzlich, sofern es – wie bei der EnBW – keinen separaten Nachhaltigkeitsbericht mit einem anderen Konsolidierungskreis bzw. sauber definierten Berichtsgrenzen gibt.

Aus Transparenz- und Konsistenzgründen ist ein einheitlicher Konsolidierungskreis für finanzielle und nichtfinanzielle Kennzahlen wünschenswert. Jedoch bieten etablierte Geltungsbereiche bessere Einfluss- und Steuerungsmöglichkeiten der nichtfinanziellen Zielerreichung.

 

Tz. 347

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Nach Ansicht der EnBW sollte der Konsolidierungskreis – so auch die Empfehlung des Abschlussprüfers – für Berichtszwecke für finanzielle und nichtfinanzielle Kennzahlen grundsätzlich identisch sein. Nur in Ausnahmefällen sollte eine Abweichung möglich sein, die inhaltlich begründet ist und die die Aussagekraft einzelner Kennzahlen nicht verzerrt. Wenigstens sollten für einzelne Zieldimensionen des im Unternehmen angewendeten Performance Management Systems einheitliche Konsolidierungskreise verwendet werden. Die Unternehmenspraxis wird zeigen, ob die Berichterstattung über die Wahl des Konsolidierungskreises entscheidende Impulse für die Unternehmenssteuerung geben kann.

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