Jörg Baetge/Peter Wollmert/... / 3. Grundlegende Konzepte
 

Tz. 119

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

In Abschnitt 2 des IR Rahmenkonzepts werden die grundlegenden Konzepte (fundamental concepts) der integrierten Berichterstattung vorgestellt. Abschnitt 2 enthält keine Anforderungen an die Erstellung und Veröffentlichung von integrierten Berichten, sondern ausschließlich Anwendungshinweise. Erläutert werden die zentralen Konzepte, nämlich die Begriffe ›Wert‹ (value), ›Kapitalien‹ (capitals) und ›Wertschöpfung‹ (value creation process).

 

Tz. 120

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Der Begriff Wertschöpfung umfasst nicht nur die Schaffung und Vermehrung von Werten, sondern auch deren Erhalt sowie der Verminderung und Vernichtung.

 

Tz. 121

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Die Wertschöpfung erfolgt nicht losgelöst vom Unternehmensumfeld allein durch das Unternehmen, sondern durch dessen Zusammenspiel mit seiner Umwelt, seinen Anspruchsgruppen und Ressourcen, zB Rohstoffen und Mitarbeiterfähigkeiten, die als Inputfaktoren für die Geschäftstätigkeit des Unternehmens (und auch seiner Konkurrenten) erforderlich sind (vgl. IR Rahmenkonzept, Tz. 2.2).

 

Tz. 122

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Der Zusammenhang von Werten, Kapitalien und Wertschöpfung – letztlich die IR Konzeption – kann anhand der folgenden Abbildung 7, dem sogenannten Oktopus, erläutert werden.

Abb. 7: Zusammenhang von Werten, Kapitalien und Wertschöpfung

Ein Unternehmen (dargestellt durch die Box in der Mitte der Abbildung 7) agiert innerhalb eines rechtlichen, ökonomischen, sozialen, ökologischen etc. Unternehmensumfelds, das sich auf die Geschäftstätigkeit auswirkt. Manche dieser durch das Unternehmensumfeld vorgegebenen Kontextfaktoren der Geschäftstätigkeit sind branchenunabhängig, andere sind branchenabhängig. Für die Erstellung von Produkten und Dienstleistungen (Outputs) ist das Unternehmen auf Inputfaktoren angewiesen, welche im IR Rahmenkonzept in sechs Kapitalien kategorisiert werden, nämlich Finanzkapital, Produktionskapital, geistiges Kapital, Humankapital, Sozial- und Netzwerkkapital sowie natürliches Kapital (linke Seite). Unternehmen sind nicht nur auf diese Kapitalien (abhängig von ihrer Branchenzugehörigkeit mehr oder weniger) als Inputfaktoren angewiesen, die Geschäftstätigkeit wirkt sich auch auf diese Kapitalien aus: Kapitalströme fließen durch das Unternehmen, dabei werden Werte geschaffen, erhalten oder vermindert/vernichtet (Auswirkungen, rechte Seite). Die Kapitalien können jeweils entweder Eigentum des Unternehmens oder der gesamten Gesellschaft sein.

 

Tz. 123

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Der Kapitalbegriff ist nicht einfach zugänglich und wird häufig missverstanden: Der Begriff ›Kapital‹ ist monetär besetzt, daher wird häufig vermutet, die positiven und negativen Auswirkungen der Geschäftstätigkeit müssten monetarisiert werden, wie Puma dies beispielsweise in der Environmental Profit & Loss tut. Das ist aber nicht der Fall. Tatsächlich sind die sechs Kapitalien aufzufassen als Kategorien von Werttreibern bzw. Erfolgsfaktoren. Dieser Ansatz geht auf das Werk ›Capitalism as if the world matters‹ von Jonathon Porritt zurück und wurde vom Forum for the Future übernommen. Der von Porritt entwickelte Ansatz sah indes lediglich fünf Kapitalien vor – die Kategorie ›Geistiges Kapital‹ wurde durch die IIRC Working Group hinzugefügt. Die Kapitalien sind nicht immer überschneidungsfrei und hätten auch anders gewählt werden können. Des Weiteren sind sie keineswegs als die sechs Teilberichte eines integrierten Berichts entsprechend dem IR Rahmenkonzept zu verstehen.

 

Tz. 124

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Die beiden oberen Kapitalien sind in der Finanzberichterstattung vermutlich mindestens so lange bekannt, wie es doppelte Buchführung gibt: Das Finanzkapital entspricht im Wesentlichen der Passivseite der Bilanz, das Produktionskapital der Aktivseite. Diese beiden Kapitalien sind die Inhalte von Jahres- und Konzernabschlüssen. Allerdings entsprechen die darin gezeigten (Buch-)Werte nicht unbedingt deren Marktwerten. Durch die Einzelbewertung im Abschluss werden dort ferner keine Synergieeffekte abgebildet.

 

Tz. 125

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Schließlich dürfen wichtige Werttreiber im Abschluss regelmäßig nicht gezeigt werden, weil sie als selbst geschaffene immaterielle Güter nicht zweifelsfrei vom originären Geschäfts- oder Firmenwert des Unternehmens getrennt werden können. Diese kommen nun hinzu, nämlich geistiges Kapital, nämlich nichtbilanzierungsfähige immaterielle Werte wie Patente, Marken etc., Humankapital, also die Fähigkeiten der Mitarbeiter, sowie Sozial- und Netzwerkkapital, zB Beziehungen zu Mitarbeitern, Lieferanten, Kunden, Regulatoren etc. Diese Kapitalien waren bereits als Berichtsempfehlungen in DRS 15 angelegt und sind häufig Bestandteile der (Konzern-)Lageberichterstattung. Diese Kapitalien werden in DRS 20 nicht mehr genannt, woraus aber nicht geschlossen werden darf, dass sie nicht mehr (Konzern-)Lageberichtspflichtig sind, soweit sie für das Verständnis von Geschäftsverlauf, Geschäftsergebnis und Lage des Unternehmens bzw. für...

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