Jörg Baetge/Peter Wollmert/... / 2. Erstbewertung von Schuldinstrumenten
 

Tz. 91

Stand: EL 31 - ET: 3/2017

Schuldinstrumente sind, wenn es sich nach IFRS für KMU um einfache Finanzinstrumente handelt, im Zugangszeitpunkt mit dem Transaktionspreis ausschließlich Transaktionskosten und Finanzierungskosten, dh. ggf. zum Barwert, anzusetzen (Sec. 11.13).

 

Tz. 92

Stand: EL 31 - ET: 3/2017

Forderungen sind im HGB-Abschluss gem. § 253 Abs. 1 Satz 1 HGB zu Anschaffungskosten anzusetzen. Diese sind für Forderungen entsprechend ihrer jeweiligen Art zu konkretisieren. Dabei kann den Regeln des IFRS für KMU durch die im Rahmen der GoB zulässige Ausübung von Ermessensspielräumen weitgehend entsprochen werden.

  • Kurzfristige Forderungen etwa aus Lieferungen und Leistungen werden nach HGB zum Nennwert angesetzt. Dieser Wert entspricht dem nach IFRS für KMU anzusetzenden Transaktionspreis (vgl. Sec. 11.13 (Beispiel 2); Sec. 11.14(a) Satz 2; AKEU, 1999, S. 112).
  • Langfristige Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sind im HGB-Abschluss mit ihrem Barwert anzusetzen (vgl. Moxter 1993, in: Raupach/Uelner (Hrsg.), S. 199; Schäfer 1977, S. 54), was der Zugangsbewertung nach IFRS für KMU entspricht.
  • Darlehensforderungen dürfen nach HGB im Rahmen der GoB mit dem Auszahlungsbetrag angesetzt werden (vgl. Schäfer 1977, S. 58; Scheffler, in: Beck HdR, B 213, Tz. 480, 485; aA Hachmeister 2005, in: HdJ, Rn. 226). Der Auszahlungsbetrag entspricht bei einer marktüblichen Verzinsung des Darlehens dem Barwert der künftigen Zahlungen, wie er nach IFRS für KMU als Zugangswert vorgeschrieben ist. Daher dürfen im HGB-Abschluss auch Darlehensforderungen im Zugangszeitpunkt entsprechend den Regeln des IFRS für KMU bewertet werden.
 

Tz. 93

Stand: EL 31 - ET: 3/2017

Verbindlichkeiten sind in einem HGB-Abschluss zum Erfüllungsbetrag anzusetzen (§ 253 Abs. 1 Satz 2 HGB). Der Erfüllungsbetrag nach HGB entspricht dem Transaktionspreis nach IFRS für KMU bei Verbindlichkeiten, die aufgrund ihrer Kurzfristigkeit keine Zinskomponente enthalten. Verbindlichkeiten mit einer Zinskomponente dürfen indes aufgrund der Bewertung zum Erfüllungsbetrag nach HGB nicht diskontiert werden, während die Regeln des IFRS für KMU den Ansatz zum Barwert (Transaktionspreis abzüglich einer Finanzierungskomponente) vorsehen. Eine im Falle eines Disagios bestehende Differenz zwischen Erfüllungs- und Auszahlungsbetrag darf nach HGB allerdings als Rechnungsabgrenzungsposten aktiviert werden (§ 250 Abs. 3). Wenn der nach HGB Bilanzierende entscheidet, einen Rechnungsabgrenzungsposten anzusetzen, entsteht aus der Zugangsbewertung der Verbindlichkeit in seinem HGB-Abschluss keine vom IFRS für KMU abweichende Erfolgswirkung, sondern nur ein abweichender formaler Ausweis. Der HGB-Abschluss kann so an den IFRS für KMU angenähert werden.

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