Jörg Baetge/Peter Wollmert/... / 2. Einführung in das IR Rahmenkonzept

a. Zweck des integrierten Berichts

 

Tz. 72

Stand: EL 24 – ET: 09/2014

Integrierte Berichterstattung (Integrated Reporting, IR) ist ein Prozess, der eine integrierte Unternehmensführung (Integrated Thinking) umfasst und dessen sichtbares Ergebnis ein integrierter Bericht (Integrated Report) ist (vgl. IR Rahmenkonzept, Tz. 1.4).

 

Tz. 73

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Im integrierten Bericht sollen vornehmlich den derzeitigen und potenziellen Investoren (›providers of financial capital‹) kurz und präzise entscheidungsrelevante Informationen vermittelt werden, wie das Unternehmen kurz-, mittel- und langfristig Werte schafft und erhält (vgl. IR Rahmenkonzept, Tz. 1.1, 1.7). Der integrierte Bericht gemäß IR Rahmenkonzept wird aber letztlich für jeden Stakeholder des Unternehmens relevant sein, der ein berechtigtes Interesse an der Wertschöpfung durch dieses Unternehmen hat.

 

Tz. 74

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Diese vornehmliche Investorenorientierung wurde in den Konsultationsphasen während der Entwicklung des IR Rahmenkonzepts (in Teilen scharf) kritisiert, vor allem von Vertretern der Nachhaltigkeitsabteilungen in Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen und wenigen Investoren, die (auch) gesellschaftliche Kriterien bei der Vergabe von Finanzkapital berücksichtigen (sog. Socially Responsible Investors) (vgl. IR Rahmenkonzept, Tz. 3.2).

Das Finanzkapital würde hierdurch gegenüber den anderen fünf Kapitalien vorgezogen.
Die Investorenorientierung des integrierten Berichts führe dazu, dass Investoreninteressen für die Unternehmenssteuerung bedeutsamer seien als die Interessen der sonstigen Anspruchsgruppen.
Die Investorenorientierung erfordere eine Monetarisierung der im integrierten Bericht enthaltenen Informationen.
Die Mehrzahl der (Mainstream-)Investoren würde einen integrierten Bericht ohnehin nicht nutzen.
Integrierte Berichterstattung würde als Form der Nachhaltigkeitsberichterstattung wahrgenommen und es bestehe die Gefahr, dass Unternehmen von der komplexen und herausfordernden Nachhaltigkeitsberichterstattung gemäß den GRI Leitfäden zu einer weniger herausfordernden integrierten Berichterstattung übergehen und Informationsbedürfnisse der sonstigen Anspruchsgruppen so nicht mehr befriedigt würden.
 

Tz. 75

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Ein integrierter Bericht soll umfangreiche Informationen für alle wesentlichen Stakeholder eines Unternehmens enthalten. Die Stakeholder eines Unternehmens haben Erwartungen an dieses und treffen – aufbauend darauf, wieweit es diesem Unternehmen (bzw. dessen Wettbewerbern) gelingt, diese Erwartungen zu erfüllen – Entscheidungen, die dessen Wettbewerbsposition vor allem auf dem Personal- und auf dem Absatzmarkt wesentlich beeinflussen können und dann relevant für dessen wirtschaftliche Lage sind – solche Informationen sind entscheidungsrelevant für Investoren. Aus der Fähigkeit des Unternehmens, die berechtigten Erwartungen seiner Stakeholder zu erfüllen, können Investoren bedeutsame Rückschlüsse auf dessen künftige Entwicklung ziehen, vor allem auf die Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells. Es ist gewissermaßen von einem zweistufigen Ansatz der Bestimmung der Wesentlichkeit auszugehen: Auf der ersten Stufe sind diejenigen Sachverhalte zu bestimmen, die für alle Stakeholder des Unternehmens wesentlich sind. Auf der zweiten Stufe ist zu ermitteln, wie sich diese Sachverhalte auf die wirtschaftliche Lage des Unternehmens ausgewirkt haben bzw. voraussichtlich auswirken werden.

 

Tz. 76

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Die Investoren sind zwar nur eine Stakeholdergruppe eines Unternehmens, aber eine der einflussreichsten. Indem Investoren nachvollziehen können, wie bedeutsam die Entscheidungen der anderen Stakeholder für die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens sind, werden sie hinterfragen, wieweit das Unternehmen in der Lage ist, die Erwartungen dieser Stakeholder zu erfüllen und dies in ihren Kapitalvergabeentscheidungen berücksichtigen. So ist die vornehmliche Investorenorientierung letztlich auch im Interesse der sonstigen Stakeholder (vgl. IR Rahmenkonzept, Tz. 1.8).

 

Tz. 77

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Im integrierten Bericht sind die Erwartungen der Stakeholder an das Unternehmen zu beschreiben und zu analysieren, ferner ist anzugeben, wie das Unternehmen hierauf reagiert und wieweit es ihm gelingt, diesen Erwartungen zu entsprechen. Ein solcher integrierter Bericht wird sowohl für die Investoren als auch für die sonstigen Stakeholder eines Unternehmens die wesentlichen Informationen enthalten und wäre ein kompakter ›One Report‹, dem weitere Detailinformationen (in anderen Berichten oder im Internet, wenn der integrierte Bericht beispielsweise ein Einstieg in eine webbasierte Berichterstattung ist) nachfolgen.

 

Tz. 78

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Unabhängig von der Branchenzugehörigkeit, der Größe und den strategischen und operativen Zielen (zB Qualitätsführerschaft, Preisführerschaft, Maximierung Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit etc.) eines Unternehmens, verfolgt jedes Unternehmen letztlich zwei Ziele, nämlich ein Renditez...

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