Jörg Baetge/Peter Wollmert/... / 2. Annahme der Unternehmensfortführung
 

Tz. 27

Stand: EL 33 - ET: 10/2017

Der IFRS-Abschluss ist gem. dem Conceptual Framework grundsätzlich unter Beachtung des Grundsatzes der Unternehmensfortführung (going concern) zu erstellen (F4.1). Von diesem Grundsatz ist gem. IAS 10 auch dann abzuweichen, wenn die Unternehmensleitung erst nach der Berichtsperiode beabsichtigt, die Gesellschaft aufzulösen oder die Geschäftstätigkeit einzustellen bzw. keine realistische Alternative hierzu hat (IAS 10.14). Soweit eine derartige Absicht oder Notwendigkeit bereits vor der Berichtsperiode besteht, ergibt sich aus dem Conceptual Framework (F4.1) und aus IAS 1.25, dass vom Grundsatz der Unternehmensfortführung abzuweichen ist.

Für die Frage, ob in einem Konzernabschluss die Annahme der Unternehmensfortführung aufrechterhalten werden kann, ist auf den gesamten Konzern abzustellen, dh., nur wenn dieser insgesamt nicht mehr fortgeführt werden kann, ist von der Going-Concern-Prämisse abzuweichen. Soweit von dieser Prämisse aufgrund insolvenzrechtlicher Tatbestände abzuweichen ist, ist zu beachten, dass diese nicht für das bilanzielle Gebilde Konzern, sondern nur für die rechtlichen Einheiten greifen. Von der Going-Concern-Prämisse wird im Konzernabschluss nur dann abzuweichen sein, wenn diese für den wesentlichen Teil des Konzerns nicht mehr aufrechterhalten werden kann (vgl. Fink, IAS 10, Tz. 154; aA ADS Int, Abschn. 2, Tz. 158, wonach eine Abkehr von dieser Prämisse nur in Betracht kommt, wenn für das Mutterunternehmen und alle einbezogenen Tochterunternehmen diese Prämisse nicht mehr aufrechterhalten werden kann).

 

Tz. 28

Stand: EL 33 - ET: 10/2017

Soweit für einen Teil eines Unternehmens, bspw. für einen Betriebsteil oder für ein Tochterunternehmen, sei es aufgrund wertaufhellender oder wertbeeinflussender Tatsachen, nicht mehr von der Unternehmensfortführung ausgegangen werden kann, sind die IFRS weiterhin, und zwar auf Basis der Going-Concern-Prämisse, anzuwenden. Eine Bilanzierung unter Abkehr von der Going-Concern-Prämisse für den betreffenden Unternehmensteil, wie dies IAS 10 (reformatted 1994) vorsah, ist nicht zulässig (vgl. hierzu IASC Insight, June 1999, S. 10; aA Fink, IAS 10, Tz. 154; ADS Int, Abschn. 2, Tz. 157). Soweit für Teile eines Unternehmens aufgrund von Ereignissen nach der Berichtsperiode nicht mehr von der Unternehmensfortführung ausgegangen werden kann, sei es bspw. wegen (drohender) Insolvenz oder (geplanter) Liquidation oder Einstellung der Geschäftstätigkeit, werden regelmäßig Angabepflichten gem. IAS 10.21 bestehen (vgl. IAS 10.22(b), (c) und (e)).

Die sich für einen Unternehmensteil potenziell ergebenden bilanziellen Konsequenzen, wenn für diesen die Unternehmensfortführung in Frage steht, richten sich nach den in den Einzelstandards normierten Regelungen. Beispielsweise beurteilt sich die Frage, ob e für den betreffenden Unternehmensteil außerplanmäßige Abschreibungen auf Sachanlagen oder immaterielle Vermögenswerte vorzunehmen sind, nach IAS 36. Zudem kann sich in diesen Fällen die Notwendigkeit ergeben, Rückstellungen, bspw. für Restrukturierungen oder Abfindungen gem. IAS 37 bzw. IAS 19, zu bilden. Zudem können die aus IFRS 5 Zur Veräußerung gehaltene langfristige Vermögenswerte und aufgegebene Geschäftsbereiche resultierenden Bewertungs- und Angabepflichten zu beachten sein.

Nach deutschen Grundsätzen ist der Nichtfortführung eines Unternehmensteils durch geeignete Bewertungsüberlegungen Rechnung zu tragen, zB durch eine Abschreibung von Anlagegegenständen auf den Schrottwert, soweit bei deren Stilllegung eine Veräußerung nicht wahrscheinlich ist (vgl. ADS, 6. Aufl., § 252 HGB, Tz. 36; Winkeljohann/Büssow, in: Beck Bil.-Komm., 10. Aufl. § 252 HGB, Tz. 21). Ob und inwieweit sich hierbei Divergenzen zu IAS 10 ergeben, ist eine Frage des Einzelfalls.

 

Tz. 29

Stand: EL 33 - ET: 10/2017

In IAS 10.15 wird ausgeführt, dass sich aus einem Ertragseinbruch beim operativen Ergebnis oder einer erheblichen Verschlechterung der Vermögens- und Finanzlage nach der Berichtsperiode die Notwendigkeit ergeben kann, die Angemessenheit der Going-Concern-Prämisse zu überprüfen. Das Erfordernis, vom Grundsatz der Unternehmensfortführung abzuweichen, kann sich hierbei sowohl aus wertaufhellenden als auch aus wertbeeinflussenden Tatsachen ergeben. Konzeptionell dürften nach IAS 10.8 und 10 jedoch lediglich wertaufhellende Tatsachen berücksichtigt werden. Soweit wertbeeinflussende Tatsachen ein Abgehen vom Grundsatz der Unternehmensfortführung erfordern, würde dies zwar grundsätzlich im Widerspruch zum im in IAS 1.27 niedergelegten Grundsatz der Periodenabgrenzung und zu IAS 10.10 stehen; nach diesen Vorschriften dürfte diesem Umstand nicht im Wege der Bewertung Rechnung getragen werden, vielmehr wäre eine entsprechende Anhangangabe erforderlich. Allerdings ist hier ein Verstoß gegen diese Vorschriften durch das Abweichen von der Going-Concern-Prämisse nach Auffassung des IASB unerheblich, da in diesem Falle Abschlüsse auf einer Going-Concern-Basis keinen Information...

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