17.01.2012 | Rechnungslegung

Unternehmensübergreifende Optimierung des Working Capital: Selten, aber erfolgreich

Das Working Capital Management steht auf der Agenda vieler Unternehmen. Unternehmensübergreifende Kooperationen sind jedoch noch selten. Diese Exoten sind jedoch überwiegend sehr erfolgreich, wie eine KPMG-Studie ergab.

Unternehmensübergreifende Kooperationen noch wenig etabliert

Die Optimierung des Working Capital steht bei vielen Unternehmen auf der Agenda. Allerdings konzentrieren sich die meisten auf ihr eigenes Unternehmen. Die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten zur Optimierung des Working Capital wird kaum praktiziert, obwohl es durchaus vielversprechende Ansätze gibt. Denn viele Unternehmen beziehen immer mehr Fremdleistungen für ihre eigene Wertschöpfungskette.

Zu den häufigsten Projekten des Working Capital Management zählen in der Praxis z. B. folgende Ansätze:

  • Die Nutzung von Finanzintermediären, um Finanzziele mit Lieferanten zu vereinbaren.
  • Die enge Abstimmung mit Logistik-Dienstleistern, um Durchlaufzeiten und Lagerbestände zu verringern
  • Die gegenseitige Bereitstellung von Konsignationslägern. Darunter sind Warenlager in der Nähe des Kunden gemeint, wobei der Kunde erst bei Warenentnahme eine Rechnung erhält.

Am häufigsten werden unternehmensübergreifende Projekte in der Automobilzulieferindustrie, der chemischen Industrie und im produzierenden Gewerbe durchgeführt. Die Optimierung des Working Capitals ist dabei häufig nicht das primäre Ziel, sondern eher ein positiver Nebeneffekt. Die wichtigsten Gründe unternehmensübergreifender Kooperationen sind Kostensenkungen, die Optimierung von (Produktions-)Prozessen oder die Vermeidung von Lieferengpässen.

Die Herausforderungen: Vertrauen, Transparenz und Ausdauer

Die unternehmensübergreifende Working-Capital-Optimierung lebt von Vertrauen und Transparenz. Denn nur auf diese Weise kann eine „Win-Win-Situation“ hergestellt werden. Doch genau hier liegen die größten Herausforderungen.

Erfahrene Praktiker gaben an, dass viele unternehmensübergreifende Projekte von größeren, dominanten Playern einer Wertschöpfungskette ins Leben gerufen werden. Für dieses Unternehmen steht vor allem das eigene Wohl anstelle einer Win-Win-Situation im Vordergrund. Kooperationen unter gleichrangigen Unternehmen oder gar Wettbewerbern sind sehr selten. Dies liegt höchstwahrscheinlich an der mangelnden Bereitschaft zur Weitergabe interner Daten. Eine weitere Herausforderung besteht darin, dass derartige Projekten oft ressourcenintensiv sind und ein langfristiger Einsatz notwendig ist, bevor die ersten Früchte geerntet werden können.

Sind diese Hürden erfolgreich gemeistert, ist die Zufriedenheit in der Regel sehr hoch. Viele Unternehmen gaben an, dass die initiierten Projekte durchweg erfolgreich sind und weiterhin bestehen.

Einsatz von Controlling-Instrumenten: klassische Kennzahlen dominieren

Kennzahlen mit Bezug zum Working Capital sind vor allem folgende:

  • Days Sales Outstanding (DSO): Diese Kennzahl bezeichnet die Forderungslaufzeit und gilt als Messgröße für das Debitorenmanagement eines Unternehmens.
  • Days Inventory Held (DIH): Diese Größe beschreibt die Verweildauer von Lagerbeständen in Unternehmen in Tagen.
  • Days Payables Outstanding (DPO): Die Kennzahl gibt an, wie viele Tage ein Unternehmen zur Begleichung seiner Rechnungen bei Lieferanten benötigt.

In der Regel werden diese Kennzahlen monatlich berichtet und werden dazu auf Unternehmens- oder Segmentebene aggregiert. Die Berechnung gestaltet sich jedoch umso schwieriger, wenn mehrere Unternehmen beteiligt werden. Aus diesem Grund besteht für ein unternehmensübergreifendes Projekt zur Optimierung des Working Capitals normalerweise kein gesondertes Controlling. Ein allgemeines Projektcontrolling oder die Unterstützung des regulären Controlling-Prozesses jedes einzelnen Unternehmens sind die Regel. Abgesehen von der schwierigen Zurechenbarkeit müssen sich die beteiligten Unternehmen zunächst auf gemeinsame Kennzahlen einigen und diese einheitlich definieren.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dassunternehmensübergreifende Optimierungsmaßnahmen aufgrund der zahlreichen Herausforderungen noch vergleichsweise selten in der Praxis anzutreffen sind. Die wenigen existierenden Beispiele sind jedoch in der Regel sehr erfolgreich, weil die Unternehmen viel Energie und Weitsicht investiert haben.

Grundlagen

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG befragte 2011 über 70 Unternehmen in ihrer Studie über „Kooperationen zur Optimierung des Working Capital: Aktuelle Ansätze und Möglichkeiten“. Die Publikation kann hier eingesehen werden.

 

 

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