24.01.2012 | Rechnungslegung

Steuerliche Herstellungskostenuntergrenze aus der Zeit vor BilMoG

Bilanz Check-up, Teil 1: Handelsrechtlich besteht auch nach BilMoG ein Wahlrecht, nicht unmittelbar produktionsbezogene Kostenbestandteile als Herstellungskosten zu aktivieren. Dieses Aktivierungswahlrecht gilt bislang auch für die Steuerbilanz. Gilt dies auch noch für den laufenden Jahresabschluss?

Das Aktivierungswahlrecht für diese nicht unmittelbar produktionsbezogenen Kostenbestandteile, wie z.B. angemessene Teile der Kosten der allgemeinen Verwaltung, galt nach R 6.3 Abs. 4 EStR 2008 für die Steuerbilanz, sofern in der Handelsbilanz entsprechend verfahren wurde (umgekehrte Maßgeblichkeit).

Mit dem Wegfall der Umkehrmaßgeblichkeit durch das BilMoG hat die Finanzverwaltung ihre langjährige Rechtsauffassung geändert und erweitert die steuerlichen Pflichtbestandteile der Herstellungskosten um die nicht unmittelbar produktionsbezogenen Kostenbestandteile, unabhängig davon, ob diese handelsrechtlich als Herstellungskosten aktiviert werden oder nicht (BMF-Schreiben v. 12.3.2010, IV C 6 – S 2133/09/10001, Tz. 8, BStBl S. 239 I 2010).

Praxishinweis

Mit Schreiben vom 22.6.2010 (IV C 6 – S 2133/09/10001, BStBl S. 597 I 2010) hält die Finanzverwaltung an ihrer Ansicht fest, räumt jedoch eine Übergangsregelung ein. Danach ist es nicht zu beanstanden, wenn für Wirtschaftsjahre, die vor der Veröffentlichung einer Neufassung der ESt-Richtlinien enden, noch nach alter Rechtsauffassung (R 6.3 Abs. 4 EStR 2008) verfahren wird. Eine Veröffentlichung einer Neufassung der ESt-Richtlinien wird für 2012 erwartet.

 

Dieser Bilanz Check-up ist Auftakt zu einer Serie, die die Entwicklungen der Rechnungslegung des Jahres 2011 in den Blick nimmt. Sie ist entnommen aus dem von WP/StB Prof. Dr. Peter Wollmert und WP/StB Prof. Dr. Peter Oser und einem Expertenteam von Ernst & Young verfassten Bilanz Check-up 2012, der am 20.1.2012 bei Haufe erschienen ist.

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