18.01.2012 | Rechnungslegung

Pensionsverpflichtungen: Hoher Stressfaktor für Unternehmen

Pensionsverpflichtungen sind für viele Unternehmen schwer kalkulierbar. Hohe Volatilitäten, Zinssenkungen und Langlebigkeitsrisiken sorgen in der Bilanz für einen hohen Stressfaktor.

Die unsichere Lage an den Finanzmärkten macht Pensionsverpflichtungen für Unternehmen noch schwerer kalkulierbar als sie es ohnehin schon sind. Schon ein Rückgang von 10 Basispunkten beim Abzinsungszinssatz kann einen deutlichen Unterschied in der Bewertung ausmachen. Der DIHK empfiehlt Unternehmen mit hohen Pensionsverpflichtungen deshalb, Stressszenarien zu berechnen, um einen Überblick über die Schwankungsbreite der Erfüllungshöhe zu bekommen.

Unsicherheit an Kapitalmärkten schwer zu meistern

„Angesichts der Turbulenzen auf den Finanzmärkten rücken Zins-, Inflations- und Währungsrisiken für das Pensions-Management noch stärker in den Vordergrund, analysiert auch Nigel Cresswell, Leiter Investment Consulting bei Towers Watson in der Studie „Pension-Risk-Management und Anlage von Pensionsvermögen“. „Dynamische Ansätze im Asset-Liability-Management, ein kontinuierlicher Ausbau des Risikomanagements und eine stärkere Diversifikation der Kapitalanlagen können Unternehmen dabei helfen, die Unsicherheiten auf den Kapitalmärkten zu meistern“, meint Cresswell.

Emerging-Markets-Anleihen immer beliebter

Beim Blick auf die Struktur des Pension-Asset-Mix zeigt sich, dass die Anlage in Renten mit 59 Prozent klar dominiert. Auffällig hier ist, dass Unternehmens- und Emerging-Markets-Anleihen immer beliebter werden. Bereits 9 Prozent der Rentenanlagen aus deutschen wie internationalen Plänen sind im Segment Emerging Markets angesiedelt. An zweiter Stelle folgte 2011 die Aktienanlage mit immerhin 21 Prozent. Gegenüber 2010 ist das ein Plus von fünf Prozentpunkten. International gesehen liegt die Aktienquote allerdings laut Towers Watson mit 30 Prozent deutlich höher.

Vor dem Hintergrund der nach wie vor ungelösten Staatsschuldenkrise und einer möglichen globalen Abkühlung gehen die meisten Experten auch weiterhin von volatilen Anlagemärkten aus. In Kombination mit der Niedrigzinsphase ist es für Unternehmen sehr schwer, die gesteckten Rentditeziele zu erreichen, meint Rolf Nagel, Direktor Mittelstandsbank der Commerzbank AG, Cash Management & International Business gegenüber der Online-Redaktion von Haufe Finance.

Bedeutung des Aktiv-Passiv-Managements nimmt zu

Dies habe viele Unternehmen auch zu einem Umdenken bei der Anlage von Planvermögen gebracht. Aktiv-Passiv-Management von Pensionsverbindlichkeiten hat bei vielen Unternehmen inzwischen einen deutlich höheren Stellenwert.

Die Commerzbank reagierte auf diese Entwicklung mit einem neuen Fonds, der die Performance des iBoxx AA 10+, einem der meistgenutzten Diskontierungsfaktoren für Pensionsverbindlichkeiten, möglichst genau abbildet. „Damit soll erreicht werden, dass Planvermögen und Pensionsverbindlichkeiten einen relativen Gleichlauf erfahren und die Bilanzvolatilität reduziert wird“, sagt Rolf Nagel, Cash Management-Fachmann bei der Commerzbank gegenüber Haufe Finance.

 

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