05.12.2011 | Rechnungslegung

Mittelstand entdeckt Anleihe als Finanzierungsinstrument

Die Finanzierung über Anleihen gewinnt für den Mittelstand an Bedeutung. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Studie der Beratungsgesellschaft Deloitte (München/Düsseldorf) und der FH Münster zum Thema „Mittelstandsfinanzierung über den Kapitalmarkt“. Danach hält die Mehrheit der befragten 172 mittelständischen Unternehmer den deutschen Kapitalmarkt für eine attraktive Ergänzung zur Bankenfinanzierung.

Einer der wichtigsten Vorzüge dieser Kapitalbeschaffung ist demnach die Diversifikation der Kapitalgeber. Denn viele Mittelständler erwarten deutlich schlechtere Bankfinanzierungsbedingungen. Benötigt werden die Mittel sowohl für aktuelle Refinanzierungen als auch zur gezielten Ausweitung des Finanzierungsvolumens. Darüber hinaus werten die 16 befragten mittelständischen Emittenten ihre bisherigen Aktivitäten am Kapitalmarkt als Erfolg: Sie platzierten ihre Emissionsvolumina zu 50 Prozent direkt an den Börsen. Nahezu alle verfügten dabei vor der erstmaligen Ausgabe ihrer Unternehmensanleihen über Erfahrungen mit Kapitalmarktmaßnahmen.

„Liquidität trotz Basel III und verschärften Kreditnebenvereinbarungen der Banken ist ein Motiv für Kapitalbeschaffung über Finanzmärkte. Die deutschen Börsen haben mit den Segmenten für Mittelstandsanleihen einen stark frequentierten Marktplatz geschaffen“, erklärt Thomas Reifert, Director Restrukturierung bei Deloitte.

In der Bewertung der Unternehmensrisiken steht bei den befragten Mittelständlern das Finanzierungsrisiko an zweiter Stelle nach der Beschaffung. Entsprechend groß ist das Bedürfnis nach einer möglichst breiten Finanzierungsbasis. „Wesentliche Erfolgsfaktoren einer erfolgreichen Emission sind die Bekanntheit des Unternehmens sowie eine überzeugende Unternehmens- und Platzierungsstrategie. Knapp die Hälfte des Emissionsvolumens wurde von den Unternehmen direkt an der Börse platziert, die anderen 50 Prozent zumeist über Direktansprache der Investoren. Zur Reduzierung des Platzierungsrisikos nutzen die Emittenten die Unterstützung von Investmentbanken bzw. Agenturen“, erläutert Professor Dr. Heinz-Gerd Bordemann von der FH Münster.

Anleihe-Emissionen haben aber ihren Preis: Die befragten Unternehmen veranschlagten die einmaligen Emissionen auf ein bis sechs Prozent des Emissionsvolumens, die Vertriebs- und Marketingkosten auf ein bis vier Prozent. Daher seien Anleiheemissionen mit weniger als 20 Millionen Euro Volumen nicht interessant.

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