Jobticket: Wie die Fahrkarte vom Arbeitgeber steuerfrei bleibt

Wer mit Bahn oder Bus zur Arbeit fährt, freut sich, wenn der Chef die Monatsfahrkarte finanziell unterstützt. Immer mehr Unternehmen spendieren sogar gleich ein Jobticket. Welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit ein Jobticket steuerfrei bleibt, lesen Sie hier.

Nachdem die Steuerfreiheit für Arbeitgeberleistungen für Fahrten zwischen der Wohnung des Arbeitnehmers und seiner Tätigkeitsstätte Ende 2003 abgeschafft wurde, wurde die Möglichkeit der steuerfreien Gewährung solcher Zuschüsse durch das Gesetz zur Vermeidung von Umsatzsteuerausfällen beim Handel mit Waren im Internet vom 11.12.2018 wieder eingeführt. Nachfolgend wird die ab 1.1.2019 geltende Rechtslage dargestellt.

Voraussetzungen, damit ein Jobticket steuerfrei an den Arbeitnehmer überlassen werden kann

Gerade angesichts des ständig steigenden Verkehrs in den Ballungsräumen, der oftmals nur als nervig empfunden wird, aber auch aus Gründen des Umweltschutzes, wird der Umstieg auf den Öffentlichen Nahverkehr gefordert. Um diesen Umstieg zu erleichtern, hilft es, wenn der Arbeitgeber den Angestellten ein Jobticket überlässt. Um dies zu fördern, wurde in § 3 Nr. 15 EStG die Möglichkeit einer steuerfeien Gewährung von Arbeitgeberleistungen für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel im Linienverkehr wieder eingeführt. Eine entsprechende Möglichkeit bestand bereits bis Ende 2003, sie wurde dann allerdings seinerzeit aus Spargründen abgeschafft. Nunmehr ist die Kassenlage wieder besser, eine Wiedereinführung wurde beschlossen. Die neue Gesetzesfassung geht dabei über die alte Vergünstigung sogar hinaus, da die Steuerbegünstigung auf private Fahrten im öffentlichen Personennahverkehr erweitert wird.

Voraussetzungen für die Inanspruchnahme der Vergünstigung sind:

  • Die Vergünstigung muss durch einen Arbeitgeber an einen Arbeitnehmer im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses erfolgen.
  • Der Zuschuss kann durch die kostenlose oder vergünstigte Überlassung einer Karte für öffentliche Verkehrsmittel oder durch den Zuschuss zu einer solchen Karte erfolgen.
  • Der Zuschuss muss zusätzlich zum Arbeitslohn gewährt werden.
  • Begünstigt sind Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte und alle weiteren Fahrten im öffentlichen Personennahverkehr; der Luftverkehr ist ausdrücklich ausgeschlossen. Auch der Transport mit Taxen fällt nicht unter die Regelung.

Zu beachten ist, dass die steuerfreien Leistungen auf die Entfernungspauschale angerechnet werden. Hierdurch wird verhindert, dass es zu einer doppelten Vergünstigung kommt, nämlich einmal durch die Steuerfreiheit des Zuschusses und einmal durch die Geltendmachung der Fahrtkosten.

Die bisherige 44-EUR-Frei­grenze gilt für die Fahrkarte vom Arbeitgeber nicht mehr

Die neue Gesetzeslage hat zudem einen erheblichen Vorteil. Bisher waren nur solche Zuschüsse begünstigt, die unterhalb der Grenze von 44 EUR pro Monat lagen, die für Sachbezüge allgemein gilt. Dies hatte eine Vielzahl von Gestaltungsmodellen zur Folge, die teilweise recht kompliziert waren. Damit ist es jetzt zumindest für den Zuschuss nach § 3 Nr. 15 EStG vorbei. Die Freigrenze kann jetzt für andere Zuschüsse verwendet werden. Gerade in Zeiten, in denen sich Arbeitgeber schwer tun, Arbeitnehmer zu gewinnen oder zu halten, können so weitere kleine Anreize geschaffen werden.

Daher ist es wichtig, bei der Berechnung der 44-EUR-Frei­grenze für steuerfreie Sachbezüge im Monat einige Punkte zu beachten:

  • Sämtliche Sachbezüge in einem Monat werden zusammengerechnet.
  • Nicht ausgeschöpfte Beträge dürfen nicht auf andere Monate übertragen werden.
  • Es ist nicht möglich, die 44-EUR-Freigrenze auf einen Jahresbetrag hochzurechnen.

Praxis-Hinweis: Arbeitgeber sollten die steuerliche Seite mit dem Berater absichern

Die neue Regelung gilt seit 1.1.2019. Insofern sollten Arbeitnehmer, die von der neuen Regelung Gebrauch machen möchten, dringend das Gespräche mit dem Arbeitgeber suchen, um zeitnah eine Anpassung des jeweiligen Arbeitsvertrags zu erreichen. In diesem Zusammenhang kann auch die Frage der Gewährung weiterer Sachbezüge Gegenstand sein. Arbeitgebern, die mit dem Wunsch von Arbeitnehmern zur Gewährung von Sachbezügen konfrontiert werden, kann dabei nur angeraten werden, dies in Abstimmung mit einem Steuerfachmann durchzuführen. Erfolgt die Gestaltung nämlich nicht sauber, drohen Steuernachforderungen im Rahmen einer Außenprüfung.

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