11.09.2012 | Finanzkommunikation verbessern

Bessere Finanzierungschancen durch erweitertes Kennzahlensystem

Bild: Julia Kornacker: eigene Darstellung

In wirtschaftlich angespannten Zeiten fällt es Unternehmen schwerer, Investoren zu finden. Mehr Transparenz in der Berichterstattung kann die Türen jedoch öffnen. Dabei sind drei Kennzahlenbereiche von besonderem Interesse. 

In Krisenzeiten legen Investoren auf zusätzliche Finanzinformationen viel wert

Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten müssen viele Unternehmen um die Gunst von Investoren kämpfen. Denn Kapital wird knapper und deutlich selektiver vergeben. Unternehmen, die freiwillig zusätzliche Angaben über Liquidität und Verschuldung liefern, können bei Investoren viele Pluspunkte sammeln. Zu den besonders wichtigen Bereichen, über die sich Kapitalgeber mehr Informationen wünschen, zählen:

1. Liquidität

Daten zur Liquidität sind für potenzielle Investoren wichtig, weil sie damit die Fähigkeit eines Unternehmens, den Working-Capital-Bedarf zu decken und Schulden zu bedienen, beurteilen können. Dies gilt z. B. für die Kapitalflussrechnung, die historische Cashflow-Daten zusammenstellt und somit Prognosen für die Zukunft erlaubt. Investoren wünschen sich vor allem mehr Transparenz darüber, welche Überleitungsrechnungen und Anpassungen bei der Ableitung des Cashflows vorgenommen wurden.

Ähnliches gilt für Investitionen (Capital Expenditures, kurz: CAPEX). Oftmals werden die benötigten Investitionen als aggregierte Summe angegeben. Für Investoren ist eine Aufteilung in Erhaltungs- und Wachstumsinvestitionen sinnvoller. Nur so erfahren sie, welche Summen mindestens aufgewendet werden müssen, um den normalen Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten und ab wann Expansionen finanziert werden. Somit können Investoren auch den Wert ihrer Kapitalspritze besser beurteilen. 

2. Net-Debt-Überleitungsrechnungen

Eine Darlegung der Nettoverschuldung wird von den Rechnungslegungsstandards bislang nicht gefordert. Allerdings sind sich Investoren darin einig, dass freiwillig berichtende Unternehmen einen deutlichen Vorteil im Wettbewerb um knappes Kapital haben. Entscheidet sich ein Unternehmen dazu, die Nettoverschuldung zu veröffentlichen, sollte auch die Berechnung transparent dargelegt werden. Denn die Formel zur Bestimmung der Nettoverschuldung kann durchaus unterschiedlich sein und das Ergebnis beeinflussen.

3. Finanzschulden und Covenents

Investoren wünschen sich mehr Details über die Fälligkeit von Finanzschulden und vertraglich vereinbarte Sicherungsklauseln. In vielen Berichten werden sehr weit gefasste Zeiträume von zwei bis fünf Jahren für die Fälligkeit von Verbindlichkeiten genannt. Dies ist allerdings nicht ausreichend. Vielmehr geht es darum, die jährliche Tilgungsleistung übersichtlich aufzulisten und dabei auch die zugrunde liegenden Nominalwerte und die Währung der Verbindlichkeiten anzugeben.

Finanzielle Sicherungsklauseln, sogenannte Covenants, enthalten ebenfalls wichtige Informationen für Investoren. Aus rechtlicher Sicht müssen Unternehmen lediglich den Verzug oder die Verletzung von Kreditbedingungen veröffentlichen. Für Investoren können die zentralen Inhalte von Kreditvereinbarungen jedoch viel relevanter sein. Ferner können Unternehmen auch proaktiv eine drohende Vertragsverletzung erwähnen, um Spekulationen vorzubeugen.

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