05.12.2012 | Compliance

Vertrauenskultur macht Familienunternehmen anfälliger für Wirtschaftskriminalität

Bild: Haufe Online Redaktion

Wirtschaftskriminalität kann jedes Unternehmen treffen. Familienunternehmen können besonders gefährdet sein, da sie auf langjährige Vertrauensbeziehungen anstatt auf Kontrollmechanismen setzen.

Wirtschaftskriminalität auch in 2012 allgegenwärtig

Insgesamt werden jedes Jahr fast 675.000 wirtschaftskriminelle Delikte begangen. Durchschnittlich erleidet dabei jedes betroffene Unternehmen einen Schaden von 300.000 Euro pro Jahr bzw. 30.000 Euro pro Delikt. In den letzten zwei Jahren wurde ein Viertel aller Unternehmen in Deutschland mit mehr als neun Mitarbeitern Opfer von Wirtschaftskriminalität wurde. Ob es sich dabei um ein Familienunternehmen handelt oder nicht, spielt bei der Betroffenheit an sich keine Rolle. Allerdings liegt der Teufel – wie so oft – im Detail.

 

Stärkeres Risikobewusstsein in großen Unternehmen

Bei großen Unternehmen ergeben sich folgende Schwachpunkte:

  • Von Diebstahl und Unterschlagung sind 32% der Unternehmen betroffen,
  • bei Betrug und Untreue sind es  24% und
  • Geldwäsche-Delikte kamen in 17% der Firmen vor.Julia Kornacker / Haufe Online Redaktion

Vor allem in den Bereichen Vertrieb und Logistik waren mit jeweils 44% die meisten Problemfälle anzutreffen. Der typische Täter in großen Unternehmen gehört dem gehobenen Management an und kann die etablierten Kontrollmechanismen daher relativ leicht umgehen. Ferner gehört er dem Unternehmen bereits eine ganze Weile an. Hinzu kommt eine erhebliche Zahl externer Täter, die mit 33% zu Buche schlägt. Dieser Punkt ist gerade bei großen Unternehmen eine Besonderheit, da sie häufiger mit externen Akteuren zusammenarbeiten als die oft kleineren Familienunternehmen.

Bei großen Unternehmen stimmt die Risikowahrnehmung deutlich exakter mit der tatsächlichen Bedrohung überein als bei Familienunternehmen. Ein Grund dafür mag sein, dass sich das Thema Wirtschaftskriminalität schon seit längerem fest als Thema beim Vorstand und Aufsichtsrat verankert hat. Zudem stehen große Unternehmen viel öfter im Licht der Öffentlichkeit und müssen zahlreiche Offenlegungspflichten einhalten.

Familienunternehmen zeigen Aufholbedarf bei Risikovermeidung und Aufklärung

Die Risikowahrnehmung der befragten Familienunternehmen stimmt oft nicht mit dem tatsächlichen Schaden überein. Die meisten Befragten sehen Datendiebstahl und die Verletzung von Schutz- und Urheberrechten als das größte Problem an. Dies lenkt aber von einem wichtigen Problembereich ab, nämlich Delikten wie Betrug bzw. Untreue sowie Diebstahl bzw. Unterschlagung.

Ähnlich wie bei großen Unternehmen sind auch bei Familienunternehmen Vertriebsmitarbeiter am meisten gefährdet. Allerdings kommen die Bereiche IT und Rechnungswesen als zusätzliche Gefahrenquellen noch dazu. Ein Grund mag sein, dass Familienunternehmen eher auf langjährige Vertrauensbeziehungen zu ihren Mitarbeitern setzen als auf formale Kontrollen. Auf Dauer kann dieses Vorgehen das Kontrollbewusstsein eintrüben.

Ein Manko bei vielen Familienunternehmen im Vergleich zu großen Konzernen ist auch die unzureichende Mitarbeiterschulung und Aufklärung im Bereich Wirtschaftskriminalität. Nur bei 26% der Befragten findet eine Schulung statt, lediglich weitere 11% ziehen dies in den nächsten zwei Jahren in Erwägung. Auch bei der Wahrheitsfindung könnten viele Familienunternehmen aufsatteln, indem sie elektronische Medien und Analysetechniken stärker einsetzen. Die dadurch gewonnenen Daten sind auch vor Gericht deutlich stichhaltiger als die Ergebnisse traditioneller Methoden, wie z. B. Mitarbeiterbefragungen.

Grundlagen

Der Beitrag beruht auf dem Thesenpapier „Familienunternehmen und Wirtschaftskriminalität“ und wurde 2012 von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG veröffentlicht. Die Daten basieren auf der Studie „Wirtschaftskriminalität in Deutschland 2012“. Online können die Unterlagen, das Thesenpapier von KPMG sowie die Pressemitteilung zur Studie von KPMG

eingesehen werden.

Schlagworte zum Thema:  Wirtschaftskriminalität, Monitoring, Risikomanagement, Compliance

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