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E-Bilanz: Unternehmen benötigen mehr Informationen

Wie die Ergebnisse einer Studie der BDO AG zeigen, haben lediglich ein Viertel aller betroffenen Unternehmen bereits mit der Umstellung auf die E-Bilanz begonnen. Der Hauptgrund: Unternehmen sehen sich bisher von der Finanzverwaltung unzureichend informiert.

Hintergründe und Eckdaten der Studie

Die Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO, die durch das Marktforschungsinstitut TNS-Emnid durchgeführt wurde, spiegelt den momentanen Vorbereitungsstand der Unternehmen in Bezug auf ihre Umstellung auf die E-Bilanz wieder. Es wurden dazu im Zeitraum vom 18. Mai bis 10. Juni 2011 300 E-Bilanz-Verantwortliche in den Unternehmen mit einer Größe von 50 bis 20.000 Mitarbeitern befragt. Dies waren in mehr als 90 Prozent der Unternehmen die Leiter Rechnungswesen, aber auch externe Wirtschaftsprüfer und Steuerberater sowie IT-Abteilungen werden mit dieser Aufgabe betraut. Betroffen sind von der E-Bilanz deutschlandweit rund 1,37 Millionen bilanzierende Unternehmen. Der Gesetzgeber erhofft sich durch die Einführung der E-Bilanz im Rahmen des Gesetzes zum Abbau der Steuerbürokratie Arbeitsabläufe zwischen Unternehmen und der Verwaltung zu optimieren. Fraglich ist jedoch, ob die E-Bilanz nicht ihr Ziel verfehlt.

Umstellung ist für die Unternehmen aufwändig

Auch wenn die erste E-Bilanz (nach mehreren Verschiebungen) erst im Jahr 2014 eingereicht werden muss, ist der Weg dorthin lang. Denn die Neuregelung bringt einen Menge Änderungen mit sich. So ist der Umfang der Angaben, die im neuen Datensatz enthalten sein müssen, wesentlich umfangreicher als bisher. Ein mittelständischer Unternehmer muss beispielsweise für die E-Bilanz rund 700 Felder mehr ausfüllen als handelsrechtlich vorgeschrieben (siehe Gesetzesentwurf). Die Folge: Unternehmen müssen die Aufbereitung und Darlegung ihrer Daten gegenüber der Finanzverwaltung völlig umgestalten, was einer langfristigen Vorbereitung bedarf. Die Zeit drängt also – doch was machen die Unternehmen daraus?

Erst ein Viertel der Unternehmen haben mit Umstellung begonnen

Gerade, weil die Umstellung so aufwändig ist, erstaunt das Ergebnis der Studie der BDO AG. Sie ergab, dass rund drei Viertel der befragten Unternehmen zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht mit den Umstellungsmaßnahmen für die E-Bilanz begonnen haben. Darüber hinaus haben von den 24,33 Prozent der Unternehmen, die sich bereits in der Umstellung befinden, rund die Hälfte erst in dieses Jahr entsprechende Maßnahmen eingeleitet – ganze zwei Jahre nach der Ankündigung der Neuregelung. Von den Unternehmen, die mit der Umstellung noch nicht begonnen haben (74 Prozent), haben zwar rund die Hälfte mittlerweile erkannt, dass eine Umstellung noch in diesem Jahr dringend erforderlich ist, doch lediglich zwei Drittel von ihnen wissen schon, wann sie konkret damit anfangen werden (34,53 Prozent).

Viele Unklarheiten und unzureichende Informationen

Die Mehrzahl der bilanzierenden Unternehmen (62 Prozent) haben von der E-Bilanz und ihren Umstellungserfordernissen erst seitens ihres Steuerberaters oder über die Medien, nicht aber über das Bundesministerium der Finanzen erfahren. Mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen (67 Prozent) fühlen sich unzureichend informiert und wissen nicht, welche Umstellungsmaßnahmen konkret eingeleitet werden müssen. Deshalb verwundert es nicht, dass sehr viele Unternehmen den Zeitraum für die Umstellung gar nicht (41,67 Prozent) oder nicht richtig einschätzen können; die Zahlen schwanken zwischen drei bis zu 29 Tagen. Dasselbe gilt bei der Einschätzung der Kosten. Auch hier schwanken die Zahlen deutlich: 151 Unternehmen können die Kosten überhaupt nicht näher eingrenzen, alle anderen befragten Unternehmen liegen bei ihrer Schätzung zwischen durchschnittlich 1.500 Euro (30 Unternehmen) und sogar 1.050.000 Euro (21 Unternehmen) Umstellungskosten. Zum Vergleich: Die Finanzverwaltung kalkuliert mit 500.000 Euro für alle Unternehmen. Die Folge?

Unternehmen halten Schulungen des Personals für wichtig

Die Unternehmen, die bereits mit der Umstellung begonnen haben, halten Schulungen für sehr wichtig, denn 51,67 Prozent der befragten Unternehmen schulen ihr Personal intern, über 40 Prozent sogar (zusätzlich) extern, um ihre Mitarbeiter auf die Anforderungen der E-Bilanz vorzubereiten.

Fazit: Agieren statt reagieren

Bilanzierende Unternehmen sollten nicht länger zögern, sondern handeln. Zwar warten 85 Prozent der Unternehmen noch auf das angekündigte finale Schreiben der Finanzverwaltung, welches Details zur Umstellung beinhalten soll, doch können bis dahin schon die ersten Maßnahmen eingeleitet werden, wie

  • Prüfung, ob die erforderlichen Angaben nach der neuen Steuer-Taxonomie bereits in der Buchhaltung erfasst sind.
  • Das Rechnungswesen für die Übersendung der XBRL-Datensätze vorbereiten und ggf. Schnittstellen einrichten.
  • Schulungen der Mitarbeiter im Rechnungswesen über die neuen steuerlichen Erfordernisse organisieren.
  • Sich über eine geeignete Software informieren, ggf. bereits eine Auswahl treffen und diese in das Unternehmen einführen.

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