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Deutsche Unternehmen reduzieren Umlaufvermögen

Eine Allensbach-Studie belegt: zwei Drittel der großen deutschen Unternehmen reduzieren ihr Umlaufvermögen – nur der Mittelstand hinkt hinterher. Was die aktuelle Befragung von 501 Top-Entscheidern der deutschen Wirtschaft noch ergeben hat, lesen Sie hier.

Rund die Hälfte der deutschen Unternehmen setzen zur Finanzierung von Investitionen Fremdkapital ein. 15 Prozent der Firmen finanzieren sogar überwiegend über Fremdkapital. Bei den Mittelständlern muss jedes fünfte Unternehmen für Investitionen überwiegend auf Fremdkapital zurückgreifen, bei den großen Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern ist es nur jeder Zehnte. Für die Beschaffung von Kapital nutzen 84 Prozent der mittelständischen Unternehmen hauptsächlich Bankkredite, 21 Prozent finanzieren Investitionen über Gesellschafterdarlehen. Andere Wege der Finanzierung spielen für Mittelständler kaum eine Rolle. Anders die großen Firmen Deutschlands: Nur 57 Prozent nutzen zur Kapitalbeschaffung Bankkredite. Jedes zehnte große Unternehmen sammelt Kapital über Anleiheemissionen, 22 Prozent greifen auf Darlehen der Gesellschafter zurück.

Günstiger refinanzieren

„Vor allem die deutschen Mittelständler unterschätzen, dass sie sich durch die Senkung ihres Working Capital günstiger refinanzieren können“, sagt Gerd Kerkhoff, Geschäftsführer des auf Einkauf und Supply Chain Management spezialisierten Beratungsunternehmens Kerkhoff Consulting. „Aber erst eine starke Innenfinanzierung erlaubt es, sich von den Einflussmöglichkeiten von Gläubigern und Fremdkapitalgebern unabhängiger zu machen.“

„Günstiger als sich Geld zu leihen ist es, die Innenfinanzierungskraft eines Unternehmens zu stärken. Jeder Cent, um den Unternehmen das Working Capital senken können, steht für Investitionen zur Verfügung“, sagt Gerd Kerkhoff. Zur Senkung des Nettoumlaufvermögens konzentrieren sich die Unternehmen vor allem auf drei Maßnahmen: 94 Prozent setzen auf die Reduzierung ihrer Lagerbestände. Große Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern nutzen häufiger die Möglichkeit, ihre Forderungen zu reduzieren (79 Prozent), als es bei mittelständischen Unternehmen der Fall ist (55 Prozent). Ein Drittel der Mittelständler, die an einer Optimierung des Working Capital arbeiten, erhöhen ihre Lieferantenverbindlichkeiten – bei den großen Unternehmen ist es fast die Hälfte.

Wertschöpfungskette optimieren

Unternehmen nutzen noch nicht alle ihnen zur Verfügung stehenden Optionen, um langfristig und nachhaltig das Working Capital zu senken. Dazu ist die gesamte Wertschöpfungskette zu optimieren: Vom Einkauf und damit Wareneingang über die Produktion bis hin zum Absatz der Waren.

„Im Einkauf gilt es zunächst, die Zahlungskonditionen so zu verändern, dass die erhaltene Ware möglichst spät bezahlt werden muss“, sagt Kerkhoff. „Gleichzeitig ist zu prüfen, welche Belieferungskonzepte sinnvoll sind, um die Lagerbestände zu senken.“ Bei der Anbindung an das IT-System von Unternehmen kann zum Beispiel die Bestandssteuerung in die Hände des Lieferanten gelegt werden. Oder die Belieferung wird komplett auf Just-in-Time umgestellt. Ist die Ware erst im Unternehmen, muss möglichst rasch produziert werden, um Lagerbestände klein zu halten. Bei der Senkung von Durchlaufzeiten in der Produktion müssen Rüstzeiten minimiert, Laufwege optimiert und Losgrößen verkleinert werden. Schließlich gilt es, die Abnehmer von Produkten zu überzeugen, ihre Waren möglichst frühzeitig zu bezahlen und sie sehr schnell in Empfang zu nehmen. Auch Factoring ist eine Möglichkeit, um so früh wie möglich Cash ins Unternehmen zu bringen.

Die Grundlagen

Die Befragung hat im 1. Quartal 2011 stattgefunden und ist durch das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag von Kerkhoff Consulting durchgeführt worden. Befragt worden sind 501 Top-Entscheider aus allen Branchen, in der Regel Inhaber, Geschäftsführer und Vorstände.

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