02.01.2012 | Rechnungslegung

Deutsche Industrie warnt vor Kreditklemme

Die deutsche Industrie warnt angesichts anhaltender Probleme von Banken in der Euro-Schuldenkrise vor Engpässen bei der Kreditversorgung. Der Präsident des Industrieverbandes BDI, Hans-Peter Keitel, befürchtet, dass vor allem mittelständischen Unternehmen sowie kleinen Unternehmen die Kreditlinien gekappt werden – mit Folgen für die Investitionen.

"Diesmal könnten wir schneller in eine Kreditklemme hineinlaufen, als wir warnen können", sagte Keitel in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Wenn Geschäftsbanken alle gleichzeitig ihr risikobehaftetes Geschäft reduzieren, dann machten sie das über den Kreditrahmen. "Kreditlinien können sie leichter zurückfahren als einen einzelnen Kredit."

 

KMU auf langfristigen Kreditrahmen angewiesen

Aus den Unternehmen gebe es erste Signale, dass sie bei der ganz normalen Refinanzierung Probleme bekommen: "Unternehmen, die eine 'atmende Finanzierung' brauchen, könnten Schwierigkeiten bekommen." Große Unternehmen gingen an den Kapitalmarkt: "Aber schon für Unternehmen in der zweiten Reihe ist diese Option weniger geeignet", sagte Keitel. Diese seien auf einen langfristigen Kreditrahmen angewiesen.

 

Banken haben massiv Kapital aufgebaut

Der Bankenverband sieht dagegen keine Gefahr einer allgemeinen Kreditklemme. "Eine der wichtigsten Lehren aus der Finanzkrise 2008 ist, dass Banken zu wenig Eigenkapital als Risikopuffer hatten. Wir haben daraus gelernt", sagte Verbandspräsident Andreas Schmitz. Gerade die deutschen Banken hätten in den vergangenen Jahren massiv Kapital aufgebaut und seien alles andere als unterkapitalisiert. "Sie sind auch gut im Plan für die neuen Eigenkapitalregeln."

 

Märkte wurden verunsichert

Allerdings habe die Europäische Aufsicht EBA in ihrem Stresstest diese Regelungen teilweise vorgezogen, die die international tätigen Banken nun innerhalb kurzer Zeit erfüllen müssen. "Das hat die Märkte nicht wie gewünscht stabilisiert, sondern hochgradig verunsichert."

 

Störungen am Interbankenmarkt

Schmitz betonte aber, es könne überhaupt nicht die Rede davon sein, dass die Branche die Konjunktur abwürge, weil sich die Banken gegenseitig misstrauten und Geld bunkerten. Der Verbandschef räumte allerdings ein: "Es gibt sicherlich ernste Störungen am sogenannten Interbankenmarkt." Dies habe aber überhaupt nichts mit der Kreditvergabe an Unternehmen zu tun. "Alle Banken werden versuchen, langjährigen Kunden auch weiterhin die benötigten Finanzierungen und Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen."

 

Vernunft hat sich durchgesetzt

BDI-Präsident Keitel begrüßte die EU-Beschlüsse zur Eindämmung der Schuldenkrise: "Wir haben in Europa einen Riesenschritt gemacht." Im Vergleich zum Sommer hätten sich die Euro-Länder sowie weitere EU-Staaten enorm entwickelt. "Keiner hätte gedacht, dass sich soviel Vernunft durchsetzt. Jetzt müssen die Beschlüsse umgesetzt werden."

 

Schuldenkrise wird schrittweise gelöst

Die Schuldenkrise werde schrittweise gelöst, das Vertrauen kehre Stück für Stück zurück. «Die Märkte wollen Geld anlegen mit einem Risiko, das überschaubar ist.» Aus Sicht Keitels werden die Investoren mit der Zeit akzeptieren, dass es nicht die ganze große Lösung und immer mehr Geld geben werde.

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