Corona: Finanzhilfe für Unternehmen – Sicherung der Liquidität

Das Coronavirus stellt viele Unternehmen plötzlich und ziemlich unvorbereitet vor große Herausforderungen. Die Bundesregierung stützt mit Sofortmaßnahmen die Unternehmen. Dies reicht von flexiblem Kurzarbeitergeld über Liquiditätshilfen durch Steuerstundungen bis hin zu Überbrückungskrediten.

Sicherung der Liquidität der Unternehmen: Kurzarbeitergeld, steuerliche Maßnahmen und Kreditprogramme

COVID-19 (Coronavirus SARS-CoV-2) bedroht die Liquidität und damit auch die Existenz sehr vieler Unternehmen in Deutschland. Dem versucht die Bundesregierung mit einem milliardenschweren Schutzschirm massiv entgegenzuwirken. Unternehmen sollen so mit ausreichender Liquidität ausgestattet werden, damit sie erfolgreich durch die Krise kommen. Ab April hat die Bundesregierung u.a. erleichterte Zugangsvoraussetzungen für das Kurzarbeitergeld zugesagt, d.h. so müssen dann z. B. nur noch 10 % anstatt wie bisher 33 % der Beschäftigten im Betrieb vom Arbeitsausfall betroffen sein.

Des Weiteren strebt die Bundesregierung an, die Liquidität von Unternehmen durch steuerliche Maßnahmen zu verbessern. Zu diesem Zweck erleichtern die Finanzämter die Stundung von Steuerzahlungen und reduzieren die Steuervorauszahlungen. Im Zusammenhang mit der Corona-Krise wird auch auf Vollstreckungen und Säumniszuschläge verzichtet.

Corona: Neue, im Volumen unbegrenzte Maßnahmen zur Liquiditätssicherung

Hinzu kommt, dass die Liquidität von Unternehmen durch neue, im Volumen unbegrenzte Maßnahmen gesichert werden soll. Dazu wurden die bestehenden Programme für Liquiditätshilfen, wie die KfW- und ERP-Kredite, ausgeweitet und für weitere Unternehmen verfügbar gemacht.

Der Ablauf der Beantragung dieser neuen KfW-Kredite bleibt allerdings gleich: Auch diese Kredite sind über die Hausbank, also i. d. R. die oder eines der kontoführenden Kreditinstitute des Unternehmens zu beantragen. Die Hausbank prüft den Kreditantrag und sollte dann alles Notwendige schnell und unbürokratisch in die Wege leiten.

Derzeit wird davon ausgegangen, dass die Auszahlung der Kreditsummen bereits vor Ostern 2020 starten könnte.

Sonderprogramm ab 23.3.2020 für Unternehmen, Selbstständige und Kleinunternehmer

Eine Reihe von bestehenden KfW-Programmen wurden aufgrund der Covid-19-Pandemie erweitert. Ein Sonderprogramm für die wegen Covid-19 in Not geratenen Unternehmen startet am Montag, 23.3.2020. Dieses gilt auch für Selbstständige und Kleinunternehmen, mit dem Ziel, Unternehmen, Selbstständige und freiberuflich Tätige schnellstmöglich mit Liquidität auszustatten. Die massive Einschränkung der Reisen und der Mobilität sowie die reihenweise Absage von Terminen und Veranstaltungen wirkt sich nämlich auf sehr viele Branchen aus. So gehen beispielsweise bei Touristikunternehmen, Hotels und Restaurants die Umsätze auf null zurück und die für den Wirtschaftsstandort Deutschland wichtigste Branche, die Automobilindustrie, stellt die Produktion komplett ein.

Solo-Selbstständige

Aber auch die bis zu fünf Millionen Selbstständigen und freiberuflich Tätigen, wie z. B. Künstler, Therapeuten sowie Einzelhändler und Dienstleister aller Art usw., die keine Angestellte haben, die sog. Solo-Selbstständigen, fürchten um ihre Existenz. Sie sollen laut Bundesregierung zeitlich befristet Unterstützungen erhalten, um Fixkosten wie z. B. die Miete zu zahlen und betrieblichen Verpflichtungen nachkommen zu können. Die Bunderegierung plant diese Kleinstfirmen mit direkten Zuschüssen und Darlehen mit mindestens 40 Mrd. EUR insgesamt unbürokratisch zu unterstützen. Dieses Programm soll diejenigen der Länder ergänzen.

Ausweitung der Liquiditätshilfen: So soll geholfen werden

Die KfW weitet also ihre Liquiditätshilfen aus, um den Zugang der Unternehmen zu günstigen Krediten zu erleichtern. Ziel der Förderung ist es, eine Insolvenzwelle durch Covid-19 zu verhindern. Besonders von der Epidemie betroffene Unternehmen sollen solvent bleiben und Arbeitsplätze sollen gesichert werden. Hierzu wurden bestehende Programme bei der KfW und den Bürgschaftsbanken sowie des Großbürgschaftsprogramms des Bundes ausgeweitet. Helfen soll eine erhöhte Risikoübernahme bei bestehenden Programmen und der erleichterte Zugang zu „Expressbürgschaften“ durch Banken.

Anträge auf Covid-19-Hilfen können Unternehmen aller Größenklassen sowie Selbstständige und freiberuflich Tätige stellen. Die Kreditprogramme der KfW unterscheiden zwischen Unternehmen, die länger als fünf Jahre am Markt sind, und solchen Unternehmen, die „jünger“ sind.

Übersicht der zwecks Covid-19 erweiterten KfW-Programme

Aktuell gibt es drei Programme, die zur Sicherung der Liquidität seitens der KfW erweitert wurden. Ein viertes neues ist derzeit in Vorbereitung. Erstes Kriterium für die Kategorisierung ist, wie lange ein Unternehmen schon am Markt ist:

Unternehmerkredit

Der Unternehmerkredit ist für Unternehmen gedacht, die länger als fünf Jahre am Markt sind. Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 2 Mrd. EUR anstatt bislang nur 500 Mio. EUR können einen entsprechenden Kreditantrag stellen. Die KfW wird nun bis zu 80 % der Kreditrisiken für die Kreditinstitute übernehmen. Die weiteren 20 % Risiko liegen bei der Hausbank des Unternehmens. Die Höchstgrenze dieser Kredite, die für die Aufrechterhaltung des jeweiligen Unternehmens notwendig sind, liegt bei 200 Mio. EUR.

Wachstumskredit

Den Wachstumskredit können ebenfalls Unternehmen beantragen, die länger als fünf Jahre am Markt sind. Die antragstellenden Unternehmen dürfen nun einen Jahresumsatz von 5 Mrd. EUR anstatt bisher 2 Mrd. EUR nicht überschreiten. Der Kredit selbst kommt von der Hausbank des Unternehmens, die KfW übernimmt bis zu 70 % der Risiken für diese Kredite, die für die allgemeine Finanzierung des Unternehmens gedacht sind. Bislang war das Programm auf Innovations- und Digitalisierungsinnovationen beschränkt.

ERP-Gründerkredit–Universell

Der ERP-Gründerkredit–Universell ist für Unternehmen gedacht, die weniger als fünf Jahre am Markt sind. Die KfW übernimmt bis zu 80 % der Risiken der Hausbank. Das gilt für Unternehmen mit einem Jahresumsatz von höchstens 2 Mrd. EUR (bislang maximal 500 Mio. EUR).

Sonderprogramm für KMU und große Unternehmen in Vorbereitung

Die KfW bereitet derzeit sowohl für kleine und mittlere als auch für große Unternehmen jeweils ein weiteres Sonderprogramm vor. Hierbei geht es um eine deutliche Verbesserung der Risikoübernahmen bei Investitionsmitteln (Haftungsfreistellungen). Diese sollen bei Betriebsmitteln bis zu 80 % und bei Investitionen bis zu 90 % betragen.

Weitere eigene Kreditprogramme von Banken

Darüber hinaus haben z. B. auch bereits regional tätige Banken und Sparkassen für Unternehmen eigene Kreditprogramme für Covid-19-betroffene Unternehmen entwickelt. Stellvertretend für andere Kreditinstitute wird im Folgenden kurz auf das Sonderkreditprogramm „Coronavirus“ der Kreissparkasse Ostalb eingegangen. Die Zielgruppe dieses Sonderkreditprogramms sind Selbstständige und Gewerbetreibende im Ostalbkreis in Baden-Württemberg. Da Covid-19 nahezu sämtliche Branchen betrifft, gibt es seitens der Kreissparkasse Ostalb keine Einschränkung auf Branchen. Die Eckdaten des Kredits sind:

  • Variante a)
    Laufzeit und Zinsbindung 5 Jahre, 1 tilgungsfreies Jahr, 10% Sondertilgung;
  • Variante b)
    Laufzeit und Zinsbindung 3 Jahre endfällig, 10% Sondertilgung p.a.

Die Betragsgrenzen sind mindestens 10.000 EUR und maximal 30 Mio EUR. Besonderheiten sind die vergünstigten jeweils tagesaktuellen Kreditkonditionen und der „schlanke“ Vergabeprozess.

Praxis-Tipp: Bankgespräch trotz Zeitnot gut vorbereiten, damit Banken schnell helfen können

„Wichtig ist jeweils das individuelle Gespräch, Telefonat etc., damit dann genau auf die jeweilige Situation von unseren Kundenberaterinnen und Kundenberatern das passende Angebot und die optimale Unterstützung bereitgestellt werden kann“, so der designierte neue Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Ostalb, Aalen, Markus Frei.

Vorbereitung des Bankgesprächs und erforderliche Unterlagen

Eine gute Vorbereitung des Gesprächs mit der Hausbank ermöglicht eine zügige Bearbeitung des Kreditantrags. Die folgenden Unterlagen sind dabei i.d.R. erforderlich:

  • Konkrete kurze schriftliche Beschreibung der Auswirkungen von Covid-19 auf das jeweilige Unternehmen;
  • Jahresabschlüsse bzw. Einnahmen-Überschussrechnungen der Jahre 2017 und 2018 sowie die Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) 2019 (inklusive Summen- und Saldenliste) – falls diese Unterlagen der Hausbank nicht sowieso schon vorliegen sollten;
  • Errechnung des Kreditbedarfs anhand einer Maßnahmen- und Liquiditätsplanung für die nächsten 12 Monate;
  • Selbstauskunft und
  • Vorschlag für den Eigenbeitrag des Gesellschafters.

Im Einzelfall können natürlich weitere Unterlagen und Informationen erforderlich sein.

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