Widerstände in strategischen Veränderungsvorhaben erkennen und konstruktiv nutzen

Zusammenfassung

Die Umsetzung von strategischen Veränderungen – neudeutsch Change Management – erfordert die Einbeziehung und Zustimmung aller Mitarbeiter. Neben der Ausarbeitung einer Strategie muss deshalb auch ihre Kommunikation rechtzeitig und umfassend erfolgen.

Werden Widerstände gegen eine Strategie nur ignoriert, unterdrückt oder bekämpft, wachsen diese nicht nur. Es bleiben auch wertvolle Ideen und Anregungen auf der Strecke – Ideen und Anregungen.

Diese Ideen sind häufig erst der Schlüssel dafür, dass Strategien umgesetzt werden können. Ohne Widerstände keine Umsetzung.

Der Beitrag erlaubt dem Leser, die Widerstandsebenen in einem strategischen Projekt im Voraus zu analysieren und einen konstruktiven Umgang mit ihnen vorzubereiten.

1 Die Perspektive des Strategen

Top-Manager sind Strategen. Gemeinsam mit ihren Controllern analysieren sie Probleme, finden Lösungen und sorgen für deren Umsetzung. Sie brauchen die Zustimmung und aktive Mitwirkung ihrer Führungskräfte und Mitarbeiter, um Strategien erfolgreich umsetzen zu können. Allerdings: Immer wieder treten Widerstände auf.

Jeder, der eine von ihm erdachte Strategie umsetzen möchte, sieht sich einem Dilemma gegenüber: Soll er seine begrenzte Zeit dafür verwenden, die Lösung perfekt und in allen Einzelheiten auszuarbeiten und darzustellen? Oder soll er lieber daran arbeiten, die Zustimmung und Mitwirkung aller Betroffenen und Beteiligten zu erhalten?

Strategie ausarbeiten oder kommunizieren – ein Widerspruch?

Viele Manager und Controller glauben, die perfekte Ausarbeitung einer Idee würde den Widerstand automatisch verringern. Genau diese Annahme führt allerdings dazu, die Augen gegenüber möglichen Widerständen zu verschließen.

Widerstände gegen eine Strategie und deren Umsetzung zu ignorieren, zu unterdrücken oder zu bekämpfen führt nicht nur dazu, dass die Widerstände wachsen,. es bleiben auch wertvolle Ideen und Anregungen auf der Strecke – Ideen und Anregungen, die in vielen Fällen die Strategie erst valide und umsetzbar machen.

Widerstände sind hilfreich

So gesehen sind Widerstände sinnvolle und notwendige Beiträge zur Verbesserung; und gerade deshalb müssen sie – aus Eigeninteresse des Strategen – ernst genommen werden. Widerstände gegen eine Strategie sind – paradoxerweise – der Schlüssel dafür, die Strategie implementieren zu können. Ohne Widerstände keine Strategieumsetzung.

2 Schichten der Widerstände

Erfahrungsgemäß treten Widerstände in einer "natürlichen" Reihenfolge auf (s. Tab. 1).

 
  Schicht Beispiele
Was soll geändert werden? 1 Fehlende Übereinstimmung zum Problem (zu den Schwierigkeiten und ihren Ursachen). "Das ist doch völlig nebensächlich." – "Wir haben wichtigere Probleme." – "Sich um XY zu kümmern bringt gar nichts."
Wie sieht die Zukunft aus? 2 Fehlende Übereinstimmung zur grundsätzlichen Problemlösung/Lösungsrichtung "Das ist völlig unmöglich!" – "Wie soll ich denn dann …?" – "Das geht nicht!"
3 Fehlende Übereinstimmung, dass die Lösung zu den gewünschten positiven Wirkungen führt (und dabei die Schwierigkeiten auch beseitigt). "Das löst mein Problem überhaupt nicht." – "Der Bereich XY hat keinen Nutzen davon."
4 Befürchtung, dass es neben den gewünschten positiven Wirkungen auch negative Nebeneffekte gibt, die möglicherweise ebenso schlecht oder sogar noch schlimmer sind als die ursprünglichen Schwierigkeiten. "Ja, aber dann verschlechtert sich XY." – "Ja, aber dann leidet XY."
Wie soll die Veränderung realisiert werden? 5 Befürchtung, dass es unüberwindbare Hindernisse und Stolpersteine gibt, sodass die neue Ursache nicht gesetzt werden kann. "Wie sollen wir denn das schaffen?" – "Ja, das ist gut. Aber woher bekommen wir XY?"
6 Keine Handlung trotz ausdrücklicher Zustimmung.  

Tab. 1: Schichten der Widerstände

Widerstände in genau dieser Reihenfolge zu bearbeiten ist Erfolg versprechend. Beispiel: Wir werden kaum über Stolpersteine der Umsetzung einer Strategie (Schicht 5) reden, solange diese selbst noch nicht verstanden und akzeptiert ist (Schichten 2, 3, 4).

Widerstände überwinden oder nutzen?

Dabei geht es weniger darum, Widerstände zu "überwinden", sondern vielmehr darum, sie für die Verbesserung der Strategie und deren Umsetzung zu nutzen. Kommt man z. B. im Rahmen einer Strategieentwicklung bei der Schicht 4 ("ja, aber…") an, hilft die Analyse möglicher negativer Nebeneffekte in zweifacher Hinsicht:

  • Die Strategie so weit verbessern, dass diese negativen Nebeneffekte nicht auftreten und möglichst zusätzliche gewünschte Wirkungen entstehen.
  • Die "Bedenkenträger" in den Arbeitsprozess so einbinden, dass diese an der Gestaltung der Strategie aktiv mitwirken. Dadurch ist ihre Unterstützung und Mitwirkung bei der späteren Umsetzung der Strategie sehr viel wahrscheinlicher.

Der Ideenfinder ist selten objektiv

Viel zu oft kommt es vor, dass der Entwickler einer Strategie vollkommen auf die Vorteile seines Konzepts fixiert ist. Dadurch übersieht er die möglichen negativen Nebeneffekte und Stolpersteine nicht nur, sondern neigt auch dazu, diese herunterzuspielen. Werden zu einem späteren Zeitpunkt diese negativen N...

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