Zusammenfassung

 
Überblick
  • Controller sammeln Daten, berechnen präzise Kennzahlen und bereiten in Berichten möglichst viele Informationen sehr gewissenhaft auf - und verfehlen ihren Auftrag vielleicht gerade dadurch. Der Versuch, stets alle verfügbaren Daten zu berücksichtigen und in Entscheidungen einfließen zu lassen, entspricht dem klassischen Ideal des Homo oeconomicus.
  • Führungskräfte treffen regelmäßig anhand von Kennzahlen und Berichten wichtige Entscheidungen über die Zukunft des Unternehmens.
  • Diese gründliche Vorgehensweise wurde für eine Welt des Risikos entwickelt, wird aber unkritisch auf Entscheidungen unter Unsicherheit übertragen. Zudem eignet sie sich eher zur Erklärung der Vergangenheit, sollte aber Vorhersagen für die Zukunft liefern.
  • Homo heuristicus stellt einen modernen Gegenentwurf zum Homo oeconomicus dar. Er nutzt einfache Heuristiken, die Informationen selektieren und ignorieren für robuste Vorhersagen unter Unsicherheit.
  • Ein guter Bericht muss Prozesse transparent machen und nützliche Kennzahlen sollten den Weg weisen, anstatt nur Ergebnisvariablen abzubilden. Statt defensivem Entscheiden brauchen Unternehmen eine Fehlerkultur, in denen man aus Fehlern lernen kann.
  • Die Analyse von Heuristiken zeigt, wann und warum man sich auf seine Instinkte und Intuitionen verlassen kann und sollte. In allen Bereichen, in denen Erfahrung eine Rolle spielt, wäre es unklug und fahrlässig, das Bauchgefühl von Experten geringer einzuschätzen als betriebliche Kennzahlen und statistische Zahlenkolonnen.

1 Umgang mit Informationen und Prognosen

 
Praxis-Beispiel

Wer wird Fußballweltmeister?

"Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball hinterher und am Ende gewinnen die Deutschen."[1]

Wer wird der nächste Fußballweltmeister? Welche Informationen würden Sie haben wollen, um ihn vorherzusagen? Und welche Summe würden Sie auf Ihre Vorhersage wetten? Nehmen wir an, der Vorstand Ihres Unternehmens wäre gewillt, einen Jahresumsatz auf Ihre Vorhersage zu setzen. Was würden Sie tun, um eine möglichst gute Vorhersage zu treffen?

Als vorbildlicher Mitarbeiter würden Sie und Ihr Team einen sorgfältigen und umfassenden Bericht erstellen. Darin wäre zunächst Gary Linekers berühmter Ausspruch als einleitendes Zitat enthalten, aber dann kämen Sie schnell zur Sache: Jede teilnehmende Mannschaft wäre auf mehreren Dimensionen analysiert, die Gruppenauslosung mit Blick auf historische Trends bewertet und sogar die aktuelle Form wichtiger Schlüsselspieler wäre berücksichtigt. Nach umfassender Sammlung von Daten und zahlreichen Experteninterviews führen Sie eine statistische Analyse durch, in der Sie alle gewonnenen Einsichten gemäß einem multifaktoriellen Regressionsmodell integrieren, das optimal an die Ergebnisse aller bisherigen Fußballturniere angepasst wurde. Sie versehen Ihren Bericht noch mit informativen Übersichtsgrafiken, drucken ihn im Hochglanzformat und halten eine brillante Präsentation Ihrer Ergebnisse. Tief beeindruckt veranlasst der Vorstand daraufhin, alle Aktivitäten des kommenden Geschäftsjahres auf die Vermarktung der brasilianischen Mannschaft zu konzentrieren.

Sie haben Ihre Arbeit wieder einmal gut gemacht. Aber würden Sie dem Endspiel am 13.7.2014 nicht doch etwas bange entgegensehen? Was, wenn Gary Lineker am Ende doch Recht behalten würde?

Alle möglichen Informationen berücksichtigen

Natürlich ist dieses einleitende Beispiel fiktiv und etwas überspitzt dargestellt. Andererseits fällt es nicht schwer, in der Parodie einer wichtigen Prognose einige Elemente des betrieblichen Alltags zu erkennen. Tatsächlich treffen die Führungskräfte großer Firmen regelmäßig bedeutsame Entscheidungen über die Zukunft des Unternehmens. Um sich dabei nicht allein auf ihr Bauchgefühl zu verlassen, vertrauen sie auf Kennzahlen und die Berichte von Kollegen und Mitarbeitern. Und wenn Ihnen bewusst ist, dass das Schicksal Ihrer Firma wesentlich von Ihrem Bericht beeinflusst wird, werden Sie diesen so gewissenhaft und ausführlich wie möglich machen – und Ihren Auftrag vielleicht gerade dadurch verfehlen.

Reduktion auf das Wesentliche

Dieser Beitrag skizziert einen alternativen Weg. Ausgehend von den unausweichlichen Schwächen des Homo oeconomicus im Umgang mit Unsicherheit, entwirft er das alternative Menschenbild des Homo heuristicus, der Informationen ignoriert, um in einer Welt voller Unsicherheit robuste Entscheidungen zu treffen. Um dem Eindruck einer weltfremden Utopie vorzubeugen, nennen wir konkrete Beispiele, Gründe und Bedingungen für den Erfolg von Heuristiken. Sie sollen sich also keineswegs einer naiven Informationsdiät verschreiben, sondern verstehen, warum die Reduktion auf weniger Information, Berechnung und Komplexität sinnvoll ist, wenn einfache Heuristiken adaptiv an ihre Umwelt angepasst sind. Weniger ist wirklich mehr, wenn ökologische Rationalität gegeben ist.

Aus dem theoretischen Wissen um den Wert von Heuristiken lassen sich konkrete Hinweise für Anwendungen in der Praxis herleiten. Letztlich ermächtigen wir Sie dazu, in Aufgabenbereic...

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