Verrechnungspreismethoden / 1.1 Preisvergleichsmethode

Die Preisvergleichsmethode wird auch als sogenannte „Comparable Uncontrolled Price Method (CUP)” bezeichnet[1]. Im Teil C, Kapitel 18.1 finden Sie detaillierte Ausführungen dazu, wie diese Methode aus Controlling-Sicht betrachtet wird.

Mithilfe der Preisvergleichsmethode wird der bei einem konzerninternen Geschäft verrechnete Waren- oder Dienstleistungspreis mit jenem verglichen, der bei einem vergleichbaren Geschäft zwischen unabhängigen Unternehmen unter vergleichbaren Verhältnissen verrechnet wird.

Folgende Varianten der Preisvergleichsmethode sind zu unterscheiden:

Abb. 49: Äußerer/innerer Preisvergleich

Abb. 50: Direkter/indirekter Preisvergleich

Theoretische Eignung:

  • Setzt unmittelbar an Marktpreisen an
  • Hat häufig Vorrang gegenüber anderen VP-Methoden

Praktische Anwendbarkeit:

  • Die Verhältnisse müssen vergleichbar sein (Märkte, Produkte, Vertragsbedingungen, Handelsstufen etc.)
  • Marktpreise sind oft nicht öffentlich verfügbar
  • Die Kalkulationsgrundlagen der Wettbewerber sind unbekannt
  • Die äußere Preisvergleichsmethode ist selten anwendbar, außer z. B. bei börsennotierte Waren (Metalle, Rohstoffe) oder Finanzierungstransaktionen

Im Rahmen der BEPS Initiative der OECD/G20 befasst sich der Aktionspunkt 10 mit neuen Leitlinien für die fremdübliche Bepreisung von Rohstoffgeschäften („commodities”). Die wesentlichen Erkenntnisse aus den neuen Textziffern 2.16A bis 2.16E[2] lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Unter „commodities” werden physische Güter verstanden, die üblicherweise auch zwischen fremden Dritten zu öffentlich verfügbaren Preisen (z. B. Warenbörse) gehandelt und bepreist werden.
  • Die Preisvergleichsmethode gilt als die bevorzugte VP-Methode für den Angemessenheitstest.
  • Als Fremdvergleichsfaktoren sind zu berücksichtigen: „For commodities, the economically relevant characteristics include, among others, the physical features and quality of the commodity; the contractual terms of the controlled transaction, such as volumes traded, period of the arrangements, the timing and terms of delivery, transportation, insurance, and foreign currency terms. For some commodities, certain economically relevant characteristics (e.g. prompt delivery) may lead to a premium or a discount. If the quoted price is used as a reference for determining the arm’s length price or price range, the standardised contracts which stipulate specifications on the basis of which commodities are traded on the exchange and which result in a quoted price for the commodity may be relevant.”[3]
  • Folgende VP-Dokumentationsanforderung schlägt die OECD für konzerninterne Rohstoffgeschäfte vor: „In order to assist tax administrations in conducting an informed examination of the taxpayer’s transfer pricing practices, taxpayers should provide reliable evidence and document, as part of their transfer pricing documentation, the price-setting policy for commodity transactions, the information needed to justify price adjustments based on the comparable uncontrolled transactions or comparable uncontrolled arrangements represented by the quoted price and any other relevant information, such as pricing formulas used, third party end-customer agreements, premia or discounts applied, pricing date, supply chain information, and information prepared for non-tax purposes.”[4]
  • Der letzte Punkt ist äußerst praxisrelevant und dürfte zu erheblichen Betriebsprüfungsstreitigkeiten und wohl auch zu Verständigungsverfahren führen. Es geht um den „richtigen” Zeitpunkt (Tag, Zeitperiode, Durchschnitt) des Fremdvergleichs. Wenn das Unternehmen zum Zeitpunkt der Transaktion nachweisen kann, welcher Fremdvergleichszeitpunkt konzernintern vereinbart wurde, und dass dieser Zeitpunkt dem tatsächlichen Verhalten entspricht und nicht völlig fremdunüblich ist, dann soll dieser Zeitpunkt von den Finanzverwaltungen für den Angemessenheitstest zu Grunde gelegt werden. Andernfalls sollen die Finanzverwaltungen den Durchschnitt der Fremdpreise zum Liefertag als fremdüblich verwenden. Dass hier selbstverständlich erhebliche Preisunterschiede gerade bei stark schwankenden Rohstoffpreisen zwischen dem Preis am Verhandlungstag und am Liefertag liegen können, ist selbsterklärend. Insofern bergen diese neuen Textziffern gehörig Sprengstoff. Man kann nur dringend raten, die o. g. Dokumente (VP-Richtlinie, konzerninterne Verträge, Preisermittlungs-Vorgehensweise, Preis-Anpassungsregeln, Fremdpreis-Nachweise etc.) vorzuhalten.
 

Zusammenfassung

Die Preisvergleichsmethode wird in der Praxis außer bei börsennotierten Waren und bei markgängigen Dienstleistungen eher selten umgesetzt, da identische Produkte/Konditionen i. d. R. nicht vorliegen und etwaige mögliche Anpassungsrechnungen sehr aufwendig und selten automatisierbar sind. Auch die VP-Dokumentation gestaltet sich entsprechend aufwändig. Insbesondere bei Rohstoffgeschäften sind die neuen verschärften Anforderungen der OECD, vor allem in Bezug auf den „richtigen” Zeitpunkt des Fremdvergleichspreises, zu beachten.

[1] Vgl. OECD-RL, 2010, Tz. 2...

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