Zusammenfassung

  • Handelsunternehmen haben Nachholbedarf in der Bewältigung von Herausforderungen des Omni-Channel-Vertriebs bzgl. aller Dimensionen eines Target Operating Model.
  • Historisch gewachsene, heterogene Systemlandschaften bieten nicht die notwendigen Voraussetzungen einer vollständigen Integration aller angebotenen Online- und Offline-Vertriebskanäle.
  • Gestiegene Anforderungen an die Customer Journey sowie an die Effizienz der Supply Chain erfordern eine moderne Systemfunktionalität bzgl. der Channel-Integration sowie prädiktiver Analysen und Szenario-Analysen zur Entscheidungsunterstützung.
  • Zielsetzung muss ein ganzheitliches Transformationsprojekt sein, das über ein reines IT-Projekt hinausgeht. Darin sind die Anforderungen an zukünftige Geschäftsmodelle, veränderte Geschäftsprozesse sowie die Unternehmensorganisation zu realisieren.
  • Vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen für den Handel beschreibt der Beitrag die Potenziale von SAP S/4HANA auf die Leistungsfähigkeit in Bezug auf Lieferfähigkeit, Bestandstransparenz für die Kunden sowie Bestandssteuerung. Detailliert werden die Auswirkungen und Potenziale für die operative Steuerung vorgestellt. Der Beitrag schließt mit einem Fallbeispiel zur Transformation eines Handelsunternehmens im Zuge der S/4HANA-Implementierung.

1 Supply-Chain-Prozesseffizienz im Handel: Relevanz und aktuelle Herausforderungen für integrierte Prozessabläufe

Eine effektive Einbindung und Steuerung von Partnern sowie von funktionalspezifischen Prozessabläufen entlang der Supply Chain bilden traditionell für Unternehmen aller Branchen eine entscheidende Herausforderung. Bei korrekter Verzahnung können diese zugleich für Wettbewerbsvorteile sorgen.

Abstimmung von Prozessabläufen kann zu nachhaltigen Kostenoptimierungen führen

Ein entscheidendes Element in dieser Hinsicht betrifft Prozessabläufe. Diese müssen im Gesamtkontext der unternehmensspezifischen Geschäftsmodelle aufeinander abgestimmt sein, um nachhaltig kostenoptimierend für das Unternehmen wirken zu können und um voneinander isolierte Prozessstränge zu vermeiden. Speziell im letzten Fall werden zusätzliche Abstimmungsvorgänge im Hinblick auf Planung oder übergreifende Prozessabläufe erforderlich. Deren Komplexität erhöht sich zudem kontinuierlich, sobald Handelsunternehmen eigene Fertigungs- und Produktionsprozesse für hauseigene Waren durchführen. In Zeiten eines stetig dynamischer werdenden Geschäftsumfelds können solche vermeidbaren Prozessineffizienzen wertvolle Zeit kosten und somit zu einem Verlust von Effizienz- und Umsatzpotenzialen führen

Insbesondere Handelsunternehmen mit geringer Wertschöpfungstiefe sind auf korrekt funktionierende und in sich abgestimmte Prozesse in Bezug auf Planungsabläufe sowie auf Beschaffung und Logistik angewiesen, um Kunden zu jeder Geschäfts- und Tageszeit ein optimales Angebotssortiment bieten zu können.

Verfügbarkeit von Waren und Lieferinformationen dauerhaft sichern

Bei Nichtvorhandensein spezifischer Waren ist es potenziellen Kunden aufgrund der stets vorhandenen Transparenz durch Vergleichsportale im Internet ohne Mehraufwand möglich, direkt zu alternativen Handelsanbietern zu wechseln. Hierbei muss der Kunde weder hinsichtlich Produktangebot, Lieferzeit oder Kauferlebnis noch in Bezug auf den tatsächlichen realisierten Endpreis Einbußen in Kauf nehmen. Daher muss die Verfügbarkeit von Waren und Lieferinformationen aufgrund der häufig vorhandenen Austauschbarkeit von Handelsanbietern oder Produkten als Grundvoraussetzung kontinuierlich gesichert sein.

1.1 Potenziale und Herausforderungen der Digitalisierung auf die Handelsbranche

Die zunehmende Digitalisierung stellt sowohl Potenzial als auch Herausforderung für die verschiedenen Anbieter der Handelsbranche dar. So eröffnen sich vertriebsseitig stetig neue Möglichkeiten einer kundenspezifischen Individualisierung in Bezug auf Produkte (z. B. mi adidas/Nike ID) oder in Bezug auf personalisierte Angebotskommunikation (z. B. Amazon Produktempfehlungen), die als Differenzierungsansätze zum Wettbewerb dienen können. Ziel ist es, eine höhere Kundenbindung zu schaffen und durch personalisiertes Marketing Produktabsätze gezielt zu steigern.

Omni-Channel-Ansatz ermöglicht durchgehende Kundeninteraktion

Ansätze eines Omni-Channel-Vertriebs ermöglichen zukünftig eine durchgehende Kundeninteraktion, da Kunden über sämtliche Online- und Offline-Kanäle hinweg ein nahtloses Einkaufserlebnis geboten werden kann ("seamless shopping").

Hierbei muss es dem Kunden während und auch im Vorfeld eines Einkaufserlebnisses möglich sein, bei einheitlicher Informationsgüte mühelos zwischen den verschiedenen Vertriebskanälen (stationär, online, mobil) wechseln zu können. Auf der Vertriebsseite muss sichergestellt sein, dass dem Kunden sowohl im lokalen Shop als auch in mobilen App-Anwendungen bspw. einheitliche Preis- (Omni-Channel Pricing) oder Lieferinformationen zur Verfügung stehen.

Implementierung einer Omni-Channel-Strategie erfordert holistische Betrachtung

Die Konsequenz einer durchgehend verfügbaren Vertriebsbereitschaft umfasst jedoch die kontinuierliche Steigerung der bereits hohen Dynamik und Komplexität. Dies wiederum führt zu neuen bzw. sich ver...

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