Zusammenfassung

  • Innovationen in KMU zu verstetigen erfordert zwangsläufig Vernetzung, offene Kommunikationsstrukturen und die Berücksichtigung externer Informationen zu Markt und Kunden – eben Open Innovation!
  • Am Beispiel der Textilbranche werden Veränderungen über die Zeit aufgezeigt: von der Einzelproduktion zu industrieller Massenfertigung und Produktionsverlagerung durch Globalisierung bis zu der heute durch Digitalisierung möglichen Produktion mit Losgröße 1.
  • Im Beitrag werden 4 aufeinander abgestimmte Pakete für Open Innovation beschrieben, die im Rahmen von futureTEX von einem Projektteam entwickelt wurden. Sie lassen sich einfach auf mittelständische Unternehmen auch aus anderen Branchen übertragen. Damit werden Innovationen nicht (mehr) dem Zufall überlassen, sondern in der Unternehmensstrategie verankert.

1 Warum Open Innovation?

In einer Zeit intensivier Arbeitsteilung, Globalisierung, kürzerer Produktlebenszyklen, Digitalisierung und steigender FuE-Kosten muss sich auch die Innovationslandschaft nachhaltig verändern. Klassische Innovation findet noch häufig hinter verschlossenen Türen von Forschungsabteilungen statt, damit Innovationen im Besitz einer Firma bleiben. Bei kleinen und mittleren Unternehmen findet man oft das "Not-invented-here"-Syndrom: Ideen, die von außen kommen, können doch nicht besser für das eigene Unternehmen sein als die eigenen Entwicklungen.

Nutzenfelder

Dabei ist das Gegenteil richtig: Der Blick nach außen – Open Innovation – birgt gerade für den Mittelstand, bei dem finanzielle und personelle Ressourcen für Forschung und Entwicklung i. d. R. eher begrenzt sind, ein erhebliches Potenzial:

  • Kompetenzen ergänzen und bündeln
  • Das kreative Potenzial verbreitern
  • Am technologischen Fortschritt partizipieren
  • Innovationen beschleunigen
  • Innovationsrisiken und damit auch finanzielle Risiken verteilen

Es macht also Sinn, sich dem Wissen und Ideen von außen zu öffnen und Internet und soziale Medien für den Austausch von Ideen und Informationen über institutionelle Grenzen hinweg zu nutzen. Mehr Wissen über Kunden, Lieferanten und Nutzergemeinden kann substanzielle Beiträge für die Produktentwicklung bringen. Es verringert sich auch das Risiko, am Markt vorbei zu entwickeln. Entwicklungszyklen lassen sich so verkürzen.

Das Schema in Abb. 1 verdeutlicht den Unterschied zwischen klassischen und offenen Innovationsprozessen.

Abb. 1: Unterschiede zwischen "klassischem" und Open-Innovation-Prozess

Offenheit als Grundvoraussetzung

Offene Innovation erfordert aber immer einen Einstellungswandel und hat viel mit der Strategie zu tun, den Innovationsprozess eines Unternehmens als Ganzes zu öffnen, um alle Mitarbeiter einbeziehen zu können. Da sich Anwender dem Thema "Innovation" über unterschiedliche Wege und Methoden annähern können, ist eine Strukturierung der Sichtweisen nötig. Abb. 2 verdeutlicht, dass Open Innovation auf einer individuellen, einer unternehmensinternen und einer unternehmensexternen Ebene stattfindet.

Abb. 2: Strukturierung von Open Innovation[1]

Als Anwendungsfall für Open Innovation soll im Folgenden die Textilbranche betrachtet werden, die einerseits enormen Veränderungen unterliegt und anderseits im Bereich technischer Textilien durch Innovation charakterisiert wird.

[1] Quelle: Zillmann, AviloX GmbH.

2 Open Innovation in der Textilbranche

2.1 Eine Traditionsbranche im Umbruch

Aufstieg und Fall einer Branche

Am Beispiel der Textilindustrie wird dieser Wandel mit seinen Chancen und Risiken besonders deutlich. Die Textilindustrie trug mit ihrer ausgesprochen arbeitsintensiven Produktion – durchaus vergleichbar mit dem Bergbau – ganz wesentlich zu Aufstieg und Blüte ganzer Regionen bei.

Im 19. Jahrhundert war die Einzelproduktion für die Textil- und Modeproduktion vorherrschend. Sie wurde im Verlaufe des 20. Jahrhunderts schrittweise von der Massenproduktion abgelöst: Kostenersparnis durch immer günstiger werdende Massenprodukte löste die Individualität ab. Die beginnende Globalisierung in den 60er-Jahren tat ihr Übriges. Es folgten Auslagerung und Billigproduktion in Niedriglohnländern im asiatischen Raum. Heute kommen vor allem Bekleidungstextilien aus Asien und werden dort auch ausgestattet und konfektioniert.

Das führte unweigerlich zu einem Niedergang der klassischen Textilindustrie. Heute gibt es in Mitteleuropa so gut wie keine Betriebe mehr, in der sämtliche Produktionsstufen vom Rohstoff bis zum Endprodukt betrieben werden. Von den rund 900.000 Stellen noch in den 70er-Jahren in Deutschland blieben in der Textil- und Bekleidungsindustrie noch 117.000 übrig; nicht einmal jeder 7. Betrieb überlebte.

2.2 Digitalisierung mischt die Karten neu

Die Digitalisierung verändert Wirtschaft und Gesellschaft grundlegend. Charakteristisch dafür sind ein geändertes Kommunikationsverhalten und eine Vernetzung von allem mit allem und jedem. Ein radikal geändertes Kauf- und Kundenverhalten erfordert kundenzentrierte Services. Produkte müssen konsequent aus Kundensicht neu gedacht werden. Kleine Start-ups attackieren mit innovativen neuen Lösungen ganze Branchen und zwingen diese zur Veränderung. Auch etablierte Großunternehmen, bis gestern noch Marktfüh...

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