Zusammenfassung

  • Die Moderne Unternehmensplanung stellt eine Weiterentwicklung der vor mehr als 10 Jahren entwickelten Modernen Budgetierung um hochaktuelle Aspekte dar.
  • Sowohl neue gesetzliche Anforderungen als auch weitere Aspekte wie die Notwendigkeit, das Management agiler zu machen, werden konzeptionell mitberücksichtigt und erhöhen die Robustheit und Effektivität des Konzepts.
  • Ferner werden als weitere Neuerung auch stärker Chancen- und Risikobetrachtungen mit eingebunden, um "erwartungstreue" Planwerte zu erhalten.

1 Überblick zur Unternehmensplanung

1.1 Planung in der Kritik

Befragungen zeigen regelmäßig, dass Mitarbeitende der Unternehmen – auch Controller und Controllerinnen selbst – oft mit Prozess und Ergebnis von Planung und Budgetierung nicht zufrieden sind. Neben Kritik an Aufwand und Dauer der Planungs- und Budgetierungsprozesse werden auch regelmäßig Zweifel an der Qualität der Planungsergebnisse geäußert, die den Nutzen der Unternehmensplanung in Frage stellen.

Grundsätzlich ist die Bedeutung einer Unternehmensplanung als Informationsgrundlage für die Unternehmensführung jedoch unstrittig. Das Institut der deutschen Wirtschaftsprüfer (IDW) hat Ende 2020 sogar darauf hingewiesen, dass eine sachgerechte Unternehmensplanung notwendige Voraussetzung dafür ist, damit die Sorgfaltspflichten der Unternehmensführung – z. B. im Hinblick auf die Krisenfrüherkennung – überhaupt erfüllt werden können[1].

[1] Vgl. IDW, 2021, S. 16.

1.2 Ansätze zur Verbesserung der Planung

Durch Unzufriedenheit mit der Planung einerseits und in Verbindung mit dem unbestreitbaren potenziellen Nutzen andererseits, ergaben sich in den letzten Jahren vielfältige Ideen, wie Planung und speziell auch die operative Budgetierung weiterentwickelt werden können. Zu nennen sind hier z. B. Konzepte wie treiberbasierte Planung, Better Advanced und Beyond Budgeting[1], agile Planungsansätze[2] und die Moderne Budgetierung.[3]

Insbesondere Letztere kann als Ausgangsbasis für eine Gestaltung der Planung dienen, da sie wesentliche Anforderungen und Merkmale der Planung beschreibt. Ihre Entwicklung war ein wichtiger Schritt hin zu einem klaren, praxisorientierten Vorschlag für die Planungsgestaltung.[4] Was die Planungsdiskussion der letzten Jahre insbesondere gezeigt hat (Kap. 2) ist, dass einige Aspekte noch deutlicher herausgestellt und ergänzt werden sollten. Insofern entwickelt der vorliegende Beitrag die Moderne Budgetierung weiter und konkretisiert und ergänzt sie hin zu einer umfassenden "Modernen Unternehmensplanung".

In diesem Beitrag wird anhand von 6 zentralen Charakteristika das Konzept der "Modernen Unternehmensplanung" vorgestellt, welches viele der oben angerissenen Kerngedanken in einem integralen, klar auf den unternehmerischen Nutzen ausgerichteten Konzepts zusammenfasst. Die Moderne Unternehmensplanung beachtet dabei konsequent die schon seit 2010 formulierten "Grundsätze ordnungsgemäßer Planung" (GoP, Version 2.1 und die Aktualisierung Version 3.0 im Jahr 2022).[5]

[1] Vgl. Horváth, 2004.
[2] Vgl. Weber/Schäffer, 2020.
[3] Vgl. Gleich et al. 2015a oder 2015b.
[4] Vgl. auch Dillerup/Witzemann/Schröckhaas, 2020, mit weiteren Trends der Unternehmensplanung, wie z. B. der Verschiebung des Fokus von Bottom-Up zu Top-Down.
[5] Vgl. dazu Gleißner/Presber, 2010, S. 82ff sowie Gleich, 2021, S. 218f, 385f.

2 Von der Modernen Budgetierung zur Modernen Unternehmensplanung

2.1 Anforderungen an eine Unternehmensplanung

Die Diskussion um die Unternehmensplanung kann auf eine lange Historie zurückblicken.[1] Der zentrale Aspekt einer Planung umfasst die Frage der Planungszwecke. Das "Wozu" der Planung kann dabei der Entscheidungsfindung dienen als auch der Verhaltenssteuerung; oft wird in der Praxis beides zugleich angestrebt.

Die Planungsintegration als zweiter Aspekt betrifft die Einbindung der Planung in verschiedene andere Führungsinstrumente und den Führungsregelkreis, als auch die Verbindung verschiedener Teilplanungen, wie der strategischen und operativen Planung.

Bei den Planungsinhalten als dritten Aspekt stehen Überlegungen an, welche Informationen Pläne enthalten sollen. Zur Planerstellung existiert eine sehr große Zahl an Methoden. In den letzten Jahren wurden besonders Methoden zur Berücksichtigung von Chancen und Gefahren (Risiken) in der Planung diskutiert. Die Gestaltung der Planung umfasst die Festlegung von Abläufen (Planungs- und Kontrollprozessen) und Strukturen. Hierzu empfiehlt sich z. B. die Orientierung an der Organisation der Verantwortung in einem Unternehmen als auch die Abbildung der Wertschöpfung des Unternehmens.

Schließlich hängt die Ausprägung der Planung auch von verschiedenen weiteren Faktoren ab. Zu nennen sind insbesondere die Kontextfaktoren Unternehmensgröße, die Management-Philosophie, Branche und Art der Leistungserstellung (Sachgüter, Dienstleistungen).

[1] Vgl. Wild, 1982.

2.2 Moderne Budgetierung als Ausgangspunkt

In den letzten Jahren hat sich das Konzept der Modernen Budgetierung bewährt.[1] Eine aktuelle Untersuchung zeigt auf, dass Unternehmen, welche mit ihrer Planung zufrieden sind, auch die wichtigen Prinzipien "Einfachheit", "Flexibilität" und "Integration" der Modernen Budgetierung umgesetzt haben.[2]

Ähnliche Ergebnisse liefert auch eine frühere Studie[3]. Die dabei ...

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