Moderne Budgetierung

Zusammenfassung

 

Begriff

Die Moderne Budgetierung ist ein Budgetierungskonzept, um den aktuellen Anforderungen der Praxis an Planung und Budgetierung gerecht zu werden. Ziel der Modernen Budgetierung ist es, für Anwender einen Orientierungsrahmen zu bieten, der individuelle Ausgestaltungsmöglichkeiten zulässt und daher vielseitig einsetzbar ist. Mit der Modernen Budgetierung soll es Unternehmen möglich sein, flexibler zu planen und auf Veränderungen zeitnaher und mit weniger Aufwand zu reagieren.

Das Konzept der Modernen Budgetierung wurde gemeinsam vom Internationalen Controller Verein (ICV) und der EBS Universität für Wirtschaft und Recht sowie weiteren Wissenschaftlern und Praxisvertretern konzipiert.

1 Traditionelle Budgetierung und ihre Grenzen

Planung und Budgetierung sind zentrale Instrumente der Unternehmensführung und des Controllings und schaffen Nutzen für die anwendenden Unternehmen. Trotzdem reißt die Diskussion über die zweckmäßige Ausgestaltung von Planung und Budgetierung nicht ab. Obwohl die Probleme der Unternehmen weitgehend bekannt sind, sind bisherige, auch innovative Lösungsansätze, wie Beyond oder Better Budgeting nur bedingt geeignet. Es fehlt also immer noch eine gemeinsame Klammer, ein problemadäquates Konzept, das auch in der Praxis anwendbar ist. Auch ein Verzicht auf Planung und Budgetierung ist keine Lösung. Damit würden Unternehmen die Chance verlieren, vorausschauend und aktiv Entwicklungen einzuschätzen, Gegenmaßnahmen zu entwickeln und aus (Planungs-)Fehlern für die Zukunft zu lernen.[1]

Diese für Controller und Manager unbefriedigende Situation wurde vom Internationalen Controller Verein (ICV) in Zusammenarbeit mit der EBS Universität für Wirtschaft und Recht sowie weiteren Wissenschaftlern und Praxisvertretern zum Anlass genommen, einen Facharbeitskreis mit rund 50 Mitgliedern zum Thema zu gründen und ein wissenschaftlich fundiertes, stimmiges und praxistaugliches Konzept zu entwickeln: die Moderne Budgetierung.

2 Gestaltungsempfehlungen zur Modernen Budgetierung im Überblick

Aus den vielen theoretisch begründeten und praktischen Anforderungen an die Planung und Budgetierung wurden sechs wesentliche Empfehlungen herausgearbeitet. Mit ihnen lässt sich die Budgetierung modernisieren und an neue Umweltbedingungen anpassen. Sie werden in zwei Gruppen eingeteilt: Gestaltungsempfehlungen und Fundamente.

Die Gestaltungsempfehlungen umfassen drei Empfehlungen für die Gestaltung der Planungsprozesse und Planungsebenen sowie die Auswahl der Planungsinstrumente:

  • Einfach: Schlanke Abläufe, die sich nur auf steuerungsrelevante Inhalte beschränken, nur nutzenbringende Instrumente und Methoden einsetzen, nur wenige Eingangsgrößen, optimale Detaillierung finden, manchmal genügt auch "top-down".
  • Flexibel: Bereitschaft für Änderungen, Sensitivitäten und Szenarien, auch relative Ziele aufgrund von Benchmarks, (rollierende) Forecasts, flexibles und kontrolliertes Umschichten von Ressourcen.
  • Integriert: Strategie, Planung, Reporting und Forecasts müssen verknüpft sein. Konkrete, aber wenige voneinander ableitbare Vorgaben. Budget und Anreizsysteme lose koppeln. Nicht nur kurzfristige Ziele.

Ebenso werden drei Empfehlungen zur Festlegung der wichtigsten Fundamente gegeben.

  • Organisation abbilden: Konkrete, eindeutige Ziele, Orientierung am Gesamtziel, Organisation muss kurze und schnelle Entscheidungswege finden.
  • Wertschöpfung abbilden: Verständnis der eigenen Wertschöpfungskette. Ziele, Engpässe und Restriktionen determinieren die Planung.
  • Absichten klar machen und kommunizieren: Ziele und Absichten klar verständlich machen, den Kern des Plans kommunizieren und leistungsebenengerecht transformieren, Umsetzungsverantwortung mitteilen, durch Prämissen und Top-down-Vorgaben Planungsschleifen verhindern.[1]

Abb. 1: Dimensionen der Modernen Budgetierung (Gleich et al., 2013, S. 38)

3 Antworten der Modernen Budgetierung

Die Moderne Budgetierung bietet Unternehmen und Organisationen die Möglichkeit, Planungs- und Steuerungssysteme systematisch und nach individuellem Bedarf neu auszurichten. Es handelt sich dabei aber nicht um ein Patentrezept, sondern um fundierte Empfehlungen, die in vielen kleinen und großen Schritten durch ständige Bemühungen etabliert werden können.

Konkret soll das Konzept die Herausforderungen der traditionellen Budgetierung folgendermaßen lösen:

1. "Nutzen gegen Aufwand abwägen"

Die Komplexität der Budgetierung soll in Bezug auf IT-Instrumente, Methoden und Prozesse reduziert werden. Dadurch wird der Aufwand enorm reduziert, der Nutzen aber nicht viel verringert. Zudem soll sich die Budgetierung auf wesentliche, steuerungsrelevante Planungsinhalte beschränken.

2. "Der Dynamik und den ständigen Veränderungen einen flexiblen Rahmen geben"

Mithilfe neuer Instrumente wie Szenarien, rollierender Planung und Forecasts oder relativen Zielen soll die Flexibilität des Budgets erhöht werden. Des Weiteren soll die Budgetierung gröber werden, indem Jahresziele als Rahmen gesetzt, und kurzfristig konkrete Ziele vorgegeben werden...

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