Integrated Reporting nach dem Rahmenkonzept des IIRC: Implikationen für Rechnungslegung und Controlling

Zusammenfassung

 

Überblick

Die externe Unternehmensberichterstattung zeichnet sich vor allem bei kapitalmarktorientierten Unternehmen durch eine große Vielfalt an pflichtgemäß oder freiwillig erstellten Berichten aus.

Für die Unternehmen verursacht dies erhebliche Kosten, während die Adressaten mit einer kaum mehr überschaubaren Fülle an Informationen konfrontiert werden.

Das Rahmenkonzept des International Integrated Reporting Council (IIRC) zum Integrated Reporting adressiert diese Schwachpunkte der gegenwärtigen Berichtspraxis, wirft aber auch eine Vielzahl offener Fragen auf und klammert bekannte Probleme aus.

Der Beitrag beschreibt Basiskonzepte, Prinzipien und Inhalte anhand der IIRC-Struktur.

Danach zeigt der Beitrag Wege zum Integrated Reporting auf und diskutiert Implikationen für Rechnungslegung und Controlling.

1 Berichtsvielfalt als aktuelle Herausforderung

Berichtsvielfalt

Immer neue regulatorische Anforderungen und steigende Erwartungen der Stakeholder an die externe Berichterstattung haben im letzten Jahrzehnt vor allem bei kapitalmarktorientierten Unternehmen zu einer erheblichen Ausweitung der Unternehmensberichterstattung geführt. In der Gesamtschau ergibt sich eine Fülle an pflichtgemäß oder freiwillig erstellten Berichten (vgl. Abb. 1): Abschlüsse nach HGB und IFRS, Lagebericht und Management Commentary, unterjährige Finanzberichte (Zwischenabschluss und Zwischenlagebericht), Ad-hoc-Mitteilungen, Erklärung zur Unternehmensführung, Corporate Governance-Berichte sowie Nachhaltigkeitsberichte. Für bestimmte Unternehmen kommen aufsichtsrechtliche oder bei der Inanspruchnahme ausländischer Kapitalmärkte andere nationale Berichtspflichten hinzu. Mit dem sog. Country-by-Country-Reporting und der nichtfinanziellen Erklärung bahnen sich weitere Berichtspflichten an.

Abb. 1: Berichtsvielfalt

Hohe Kosten – Zweifelhafter Nutzen

Für die Unternehmen geht diese Berichtsvielfalt mit erheblichen Kosten einher. Aufgrund nicht aufeinander abgestimmter Vorgaben verschiedener Regulierungsinstanzen ist es schwierig und teilweise sogar unmöglich, gleiche oder ähnliche Berichtspflichten gemeinsam zu erfüllen. Informationen stehen daher oftmals unverbunden nebeneinander (sog. "Informationssilos") und weisen Redundanzen auf. Auf der anderen Seite hat die immer umfangreichere Berichterstattung bei den Adressaten nicht zu einer höheren Zufriedenheit geführt. Mangelnde Klarheit und Prägnanz führen vielmehr dazu, dass die veröffentlichten Berichte – wenn überhaupt – nur selektiv gelesen werden ("information overload").

Vision des IIRC

An diesen Schwachpunkten der aktuellen Berichtspraxis knüpft das im August 2010 gegründete International Integrated Reporting Council (IIRC) an. Hierbei handelt es sich um eine weltweite Initiative zur Neuausrichtung der Unternehmensberichterstattung, die von Beginn an große Unterstützung von Standardsettern, Verbänden, Unternehmen, Investoren und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften erfahren und bereits nach kurzer Zeit im Dezember 2013 ein Rahmenkonzept für eine integrierte Berichterstattung veröffentlicht hat. Nach der Vision des IIRC wird sich dieses Rahmenkonzept mit der Zeit zu dem Standard der Unternehmensberichterstattung entwickeln.

2 Integrated Reporting als Lösungsansatz

2.1 Das Rahmenkonzept des IIRC

Ziel des Rahmenkonzepts

Das Rahmenkonzept des IIRC verfolgt das Ziel, Berichtsprinzipien und Inhaltselemente für eine integrierte Berichterstattung zu definieren sowie die dieser zugrunde liegenden fundamentalen Konzepte zu erläutern (IR F1.3). Es folgt damit einem prinzipienorientierten Ansatz, mit dem sowohl den vielfältigen individuellen Rahmenbedingungen der Unternehmen als auch einer hinreichenden zwischenbetrieblichen Vergleichbarkeit Rechnung getragen werden soll (IR F1.9).

Verbindlichkeit

Da das IIRC als private Institution keine rechtlich bindenden Vorschriften erlassen kann, stellt die Verlautbarung eine unverbindliche Leitlinie dar. Dementsprechend regelt diese auch nicht die Aufstellung, Prüfung und Offenlegung von integrierten Berichten. Dies überlässt das IIRC den nationalen Regulierungsinstanzen.

Anwender und Adressaten

Das Rahmenkonzept wurde vom IIRC in erster Linie für privatwirtschaftliche Unternehmen jedweder Größe entwickelt (IR F1.4). Es kann aber auch – ggf. modifiziert – von öffentlichen Unternehmen oder gemeinnützigen Organisationen angewandt werden. Ein nach dem Rahmenkonzept des IIRC erstellter integrierter Bericht dient primär dazu, Finanzkapitalgebern zu erklären, wie das Unternehmen im Zeitverlauf Wert schafft (IR F1.7). Zugleich wird aber auch davon ausgegangen, dass ein integrierter Bericht grundsätzlich für alle Stakeholder nützlich ist (IR F1.8).

Erstmalige Anwendung

Zur erstmaligen Anwendung des Rahmenkonzepts macht das IIRC keine Vorgaben. Es ist daher ab sofort anwendbar. Berichte, die unter Bezugnahme auf das Rahmenkonzept des IIRC als integrierte Berichte bezeichnet werden, müssen grundsätzlich alle Anforderungen erfüllen, die in der Leitlinie mit fett-kursiven Textziffern hervorgehoben sind (IR F1.17). Ein integrierter Bericht muss eine Erklärung der Unternehmensleitung zu ihrer Verantwortung fü...

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