Sind jetzt neue Produktionscontroller erforderlich?

"Industrie 4.0" – ein schillerndes Schlagwort, löst es doch vielfältige Assoziationen aus, stets verbunden mit der Aussicht auf Wachstum, Vereinfachung und damit steigende Effektivität und Effizienz. Die nahezu unübersehbare Zahl an aktuellen Veröffentlichungen und Veranstaltungen zu diesem Thema sind Beleg dafür. Auch für die Zunft der Controller, die hinsichtlich Transparenz und Steuerung der betrieblichen Effektivität und Effizienz die Hauptverantwortung tragen, stellt sich die Frage, welche Auswirkungen die Digitalisierung und Vernetzung der digitalen Welt mit der realen Welt im Alltagsleben hat und ob und wie dadurch die Denk- und Handlungsweise sowie das Instrumentarium des Controllers verändern könnte.

"Neue Herausforderungen für den Controller"[1] und "Controller-Kompetenzen im Zeitalter von Industrie 4.0 gezielt weiterentwickeln"[2] sind beispielhafte Titel von Beiträgen in Fachzeitschriften, die hierzu erste Hinweise geben möchten. Dabei kommen die Autoren nahezu unisono zum Schluss – allerdings eher als Thesen formuliert, denn mit Fakten belegt –, dass Industrie 4.0 das Controlling und dabei insbesondere "das Werkscontrolling unmittelbar vor neuen Herausforderungen und Handlungsfelder"[3] stellt. Die Auswertung von Echtzeitdaten, eine zunehmende Flexibilisierung der Produktion sowie die komplexen Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit von Industrie 4.0-Konzepten erfordern möglicherweise eine neue Denk- und Handlungsweisen sowie neue Controllinginstrumente.

Abb. 1: Controlling in Zeiten von Industrie 4.0

Umfassende Veränderungen durch Industrie 4.0

Der Beantwortung der Frage, welcher Art die Veränderungen im Controlling sein könnten, kann man sich nähern, indem man sich zunächst den Begriff von Industrie 4.0 und dessen möglichen Chancen bewusstmacht. Dabei wird entsprechend der Auffassung vieler Autoren Industrie 4.0 als ein unternehmerisches Konzept verstanden, dass "die Vernetzung aller menschlichen und maschinellen Akteure über die komplette Wertschöpfungskette sowie die Digitalisierung und Echtzeitauswertung aller hierfür relevanten Informationen, mit dem Ziel die Prozesse der Wertschöpfung transparenter und effizienter zu gestalten, um mit intelligenten Produkten und Dienstleistungen den Kundennutzen zu optimieren",[4] umfasst. Die Chancen dieser Neuausrichtung von Unternehmen sind dabei durch die folgenden 5 Aspekte gekennzeichnet:[5]

  1. Individualisierung von Produkten und Dienstleistungen: Produkte werden beim Design und der Herstellung – trotz Serienfertigung – maßgeschneidert und individuell angepasst.
  2. Flexibilisierung: Durch die digitale Vernetzung sind Informationen zur Optimierung der Produktionsplanung und -steuerung durch die "Transparenz in Echtzeit" künftig schneller verfügbar, was die Reaktionsgeschwindigkeit auf Kundenanfragen bzw. Änderungen von Kundenwünschen, die Reaktion auf Fertigungs- und/oder Lieferprobleme deutlich erhöhen wird.
  3. Produktivitätssteigerung: Leichter und schneller generierbare Betriebsdaten führen möglicherweise zu einer besseren Einplanung und/oder Umplanung der vorhandenen Ressourcen, zu einer besseren Prognostizierbarkeit erforderlicher Instandhaltungsmaßnahmen und damit zu einer Reduktion von Fertigungs-Ausfallzeiten und insgesamt zu einer besseren Produktionsplanung und -steuerung.
  4. Erhöhte Einsatzfähigkeit des Personals: Optimierung der Arbeitsgestaltung durch das Zusammenspiel von Mensch und technischem System, Erhöhung der Arbeitsqualität durch Einsatz von digitaler Assistenzsysteme sowie Ausweitung der individuellen Arbeitsinhalte durch Optimierung der Arbeitsabläufe und damit Arbeitsplätze.
  5. Entwicklung neuer Geschäftsmodelle: Ausweitung und Ergänzung des bisherigen Leistungsportfolios durch neue Wertschöpfungspotenziale. Entwicklung vom Produktanbieter zum Lösungsanbieter durch die Kombination intelligenter Dienstleistungen.

Wie hoch sind die durch Industrie 4.0 ausgelösten Rentabilitätsverbesserungen?

Diese Chancen gilt es nun seitens der Unternehmen zu realisieren. Dabei stellen sich aus Controllersicht dabei primär 2 Fragen. So muss zunächst geprüft werden, inwieweit die Realisierung der Chancen zum Erhalt oder zur Steigerung der Unternehmensrentabilität führt. Dabei lassen "Flexibilisierung", "Produktivitätssteigerung" sowie "Verbesserter Personaleinsatz" Kosteneinsparungen erhoffen, während hingegen bei "Individualisierung" und "Neue Geschäftsmodelle" eine Steigerung, zumindest aber der Erhalt der Wettbewerbsposition erwartet wird. Die Auswirkungen auf die Rentabilität zu bewerten, gehört dabei zu den Kernaufgaben des Controllings! Allerdings ist zu prüfen, ob das bestehende Controllinginstrumentarium ausreicht, um die Vorteilhaftigkeit der Industrie 4.0-Neuerungen monetär und/oder qualitativ zu bewerten. Beide Teilaspekte sollen in Kapitel 2.1 näher betrachtet werden.

Bessere Analysen durch Digitalisierung?

Des Weiteren stellt sich für das Controlling die Frage, ob sich durch die Digitalisierung der Umf...

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